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Made in New York

Es muss nicht immer Silicon Valley sein. Natürlich ist das kalifornische Hightech-Zentrum noch der Pulsgeber der digitalen Welt, doch in den USA gibt es überall Regionen, in denen neue Hightechfirmen Fuß fassen und so langsam auch Ökonomiestrukturen im Land verändern.

Vor allem die New Yorker Internetszene hat in den vergangenen Jahren rasant aufgeholt und demonstriert das auch derzeit mit lokaleigenem Selbstbewusstsein auf der Internetweek, einer Großveranstaltung mit sehr interessanten Diskussionsrunden, Seminaren und Vorträgen – und nicht zuletzt der Verleihung der “Webby-Awards”, die auch für die US-Showprominenz langsam zum Pflichttermin wird.

Einen Teil der Internetweek bildet der so genannte Walkabout NYC. Hier öffnen für einen Tag Internetfirmen, meistens Start-ups, ihre Türen, um Besuchern ihre Arbeit und Produkte zu erklären. Das sind sehr lockere, sehr offene Termine, bei denen neben ein bisschen Eigenwerbung sehr offen auch über Probleme und Businesspläne gesprochen wird. Ich habe drei auf Videothemen spezialisierte Firmen besucht, die ich kurz vorstellen möchte.

1. Animoto

Animoto hat eine Software entwickelt hat, mit der jeder innerhalb von Minuten Videos, Fotos, Grafiken zu einem Film zusammenbauen kann.

Ich habe mir eben schnell mal die kostenlose Animoto-App herunter geladen, und die Fotos, die ich bei meinem Besuch dort gemacht habe, verwendet. Dazu ein Musikstück und eine der vielen Formatvorlagen, die Animoto auch anbietet – fertig ist in weniger als zwei Minuten ein kleiner 30-Sekundenfilm. (Hier der Link zum Film auf Youtube)

Das ist natürlich erstmal nur ein flottes Spielzeug, mit dem man aber schon einiges spontan anstellen kann, ohne sich mit den für die meisten User doch etwas komplizierteren Schnittprogramme der klassischen Anbieter abzumühen. Video für jedermann.

Interessant für professionellere Nutzer wird es dann, wenn auch Animoto daran verdient: Gegen eine monatliche Gebühr, die je nach Nutzerbedarf variiert, kann man auch längere Filme mit mehr Elementen, Sprachmöglichkeiten etc. produzieren. Das können dann schon richtige Kunstwerke sein, wie gesagt, alles relativ einfach und auch ohne Videoschnittkenntnisse zu machen.

Geeignet ist die kostenpflichtige Version vor allem für alle, die regelmäßig präsentable Filme erstellen müssen: Das sind natürlich Journalisten oder Fotografen, die neue Arbeiten präsentieren möchten und es dabei schnell und unkompliziert mögen. Aber auch Eventfirmen, PR-Stellen von Unternehmen oder vielleicht sogar Makler, die ein besonders schickes Objekt mal origineller präsentieren wollen.

Spaß macht Animoto auf jeden Fall.

2. Vimeo

Sie seien die bessere Seite von Youtube, verkünden Vimeo-Manager gerne – und tatsächlich kommt ihre Videoplattform ohne einiges vom dem aus, das den riesigen Konkurrenten mitunter nervig macht. Auf Vimeo finden sich weder Schwachsinns- oder Hassvideos, auch kaum unflätige Kommentare, oder auch nicht Werbung an jeder Ecke.

Vimeo empfiehlt sich als hochwertiges Portal für anspruchsvollere Filme, ihre Zuschauer und Macher. Ein, neben dem echten Herzensanliegen natürlich, kluger Schachzug, um sich gegen das in Sache Größe und Netzbedeutung unschlagbare Youtube überhaupt halten zu können. So erreicht man mit etwa 12 Millionen registrierten Nutzern und rund 900 Millionen Besuchern monatlich immerhin rund acht Prozent des Youtube-Aufkommens. Das Geschäftsprinzip sieht, neben sehr sparsam eingesetzter Werbung, freiwillige Spenden und Gebühren vor, die Vimeo-Nutzer für ihre eigenen Kanäle je nach Größe zählen müssen.

Qualität zahlt sich aus: Durch das deutlich bessere Niveau der Beiträge hat sich Vimeo zum begehrten Partner von einigen großen Marken wie Apple, Sony oder Samsung gemacht, die den Dienst auf ihren eigenen Plattformen prominent platzieren. Und darum rechnet sich die Sache auch langsam auch, wie Vimeo-Manager im persönlichen Gespräch verraten. Zumindest nach außen geht es der Firma glänzend: Sie hat in den vergangenen 12 Monaten ihr Personal verdoppelt und residiert nun in einem todschicken Bürogebäude mit spektakulärer Sicht direkt am Hudson-River.

Für alle, die Vimeo und die Möglichkeiten von gutem WebTV kennenlernen möchten, empfehlen sich als Einstieg die als “Staff Picks” präsentierten Tipps. Das ist mal was anderes als Katzen-Content.

3. Livestream.

Schon im vergangenen Blogpost hatte ich ja darüber berichtet, dass Live-Übertragungen gerade das Boomthema im WebTV-Bereich sind. Vom lokalen Stadtfest bis zur Preisgala, vom Fußballspiel des Heimatvereins bis zur Berichterstattung über Unglücke – vieles ist für Medienunternehmen, Produzenten oder Veranstalter als Live-Angebot denkbar.

Noch vor wenigen Jahren waren Direktübertragungen, vor allem von Nicht-Studio-Aufnahmen, eine sündhaft teure Angelegenheit mit Satellitenleitungen, hochkomplizierten Umwandlungssystemen und anderen Kostentreibern, die “live” tatsächlich nur für große Sender oder Marken möglich machten.

Das hat sich, dem Netz sei Dank, vollkommen geändert.

“Livestream” ist eine New Yorker Firma, die sich darauf spezialisiert hat, ihren Kunden alles für eine Liveübertragung zur Verfügung zu stellen, was man neben Kameras dazu noch braucht. Das fängt beim hauseigen entwickelten Encoder-System an, das aufgenommene Videosignale für den Übertragung umwandelt und hört beim eigenen Livekanal im Web auf. Ein Rundum-Sorglos-Paket also, wenn man es braucht. Noch dazu mit sehr günstigen Preisen, die kleinste Übertragungsbox (s.Foto), mit der man sehr anständige Bilder mit einer Kamera via WLAN oder sogar einer 3G-Mobilleitung übertragen kann, kostet nicht einmal 500 Dollar

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Livestream ist bislang sehr erfolgreich gewesen, weil es den Bereich Direktübertragungen im Netz komplett zu organisieren, ziemlich exklusiv für sich innehatte. Unter anderem ließ das Wahlkampfteam von Barack Obama im vergangenen Jahr alle Auftritte des Präsidenten auch per Livestream im Netz übertragen. Viele große Plattenfirmen nutzen den Service ebenfalls, um Konzerte ihrer Künstler zu präsentieren. Das Ganze in perfekter HD-Qualität, die einem TV-Signal über Kabel in beinahe nichts mehr nachsteht.

Nun aber haben auch andere Große das Geschäft mit Live-TV im Netz erkannt. Neben, wie berichtet, Brightcove hat vergangene Woche auch Youtube angekündigt, sein Direktübertragungsangebot massiv auszubauen.

Keine Gefahr für Livestream, meint Chef Ypsilon Ypsilon, das bestätige doch nur, dass man auch selber auf dem richtige Weg sei. Nur mit den Gesprächen im Aufzug müsse man jetzt etwas vorsichtiger sein: Die Firma residiert im Manhattan-Tower von Google, dem Mutterkonzern von Youtube.

++++

Übrigens: Alle drei Firmen suchen, wie beinahe alle anderen New Yorker Internetfirmen auch, dringend Personal. Vor allem im Entwicklungsbereich, aber auch für viele andere Positionen. Also, wer Lust auf NYC hat…

++++

Für mich und OneTV geht die Reise jetzt weiter zum “Connected TV World Summit” in London. Hier treffen sich beinahe alle TV-Gerätehersteller und -Sender, um über die Möglichkeiten der Vernetzung von Fernsehen und Internet zu diskutieren. Wird bestimmt spannend.

Aber nicht so spannend wie das Fußballspiel, das am Ende der Woche ebenfalls in London stattfinden wird.

Nur der BVB !