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Anpfiff für eine neue Zeit

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Ob das neue WebTV-Bundesligaangebot der Bild-Zeitung, das am Freitag mit der 2. Liga startet, tatsächlich nun eine “Gefahr für den Sportjournalismus” in Deutschland ist, oder sich die Springer-Leute dank üppiger Sponsorenverträge wirklich bereits im ersten Jahr ihres vierjährigen Engagements über einen Millionengewinn freuen können – darüber lässt sich derzeit mit Sicherheit nichts sagen. Und ob die Bundesliga als Zugpferd so stark ist, die gesamte Pay-Strategie des Springer Flaggschiffs maßgeblich mitzutragen, werden auch erst die kommenden Jahre zeigen.

Tatsache aber ist, dass die Bild mit der Bundesliga on demand einen TV-Markt aufbricht, der seit 50 Jahren in der Hand einiger weniger Anbieter war, die sich die Hoheitsrechte an Deutschlands beliebtesten Sport wechselseitig hin und her schoben. Tatsache ist auch, dass – Youtube hin, Netflix her – das Web mit dem neuen Angebot zum ersten Mal für eine richtig große Zuschauerschaft als Übertragungsmedium für vormals klassische TV-Inhalte etabliert wird. Denn wenn es gelingt, einen größeren Teil des doch oft eher konservativen Fußballpublikums von der “Sportschau” oder dem “Sportstudio” ins Netz zu locken, wird das sicherlich den Boden für weitere Experimente dieser Art bereiten, noch mehr neue Anbieter sich auf den TV-Markt begeben. Mit Folgen.

Im Schatten des “großen” Web-Fußballs tut sich allerdings auch jetzt schon sehr Interessantes, auch wenn es noch ein wenig unter dem Radar der Mediendienste läuft: Nach langen Verhandlungen hat sich die Kölner TV-Produktionsfirma “Infokontor” die Rechte für WebTV-Übertragungen an Fußballspielen in der Regionaliga West gesichert. Das sieht nur für Ballmuffel auf den ersten Blick eher uninteressant aus – westdeutsche (und andere) Fußballfans werden sich vermutlich darüber freuen, dass Spiele von traditionsreichen Mannschaften wie Rot-Weiß Essen, Alemannia Aachen, Fortuna und Viktoria Köln oder Wattenscheidt 09, nicht mehr nur als Minutenschnipsel irgendwo im Dritten versteckt zu sehen sein werden. Für die großen TV-Anbieter, auch die Öffentlich-Rechtlichen, war die 4. Liga anscheinend nicht mehr interessant genug.

Stattdessen streamt nun der Newcomer Infokontor die Spiele, entweder live oder als Zusammenfassung, und zwar über die Webportale diverser Medienpartner, zum Beispiel der “Rheinischen Post”, des Kölner “Express”, den Online-Auftritten der WAZ-Gruppe und auch bei “11freunde.de”. Technik und Vermarktung liegt bei Info-Kontor, die Partner wiederum werden an den Einnahmen beteiligt. Eine ebenso interessante wie außergewöhnliche Konstruktion, die aber der derzeit vor allem bereits in den USA praktizierten Strategie entspricht, neue digitale Bewegtbildangebote in großen, eher losen Kooperationsverbünden anzugehen. Auch jenseits alter Marktrivalitäten. Vor allem im unterklassigen Sport tummeln sich Dutzende von Anbietern, die mit der Online-Übertragung gute Geschäfte machen.

Welches Zuschauerpotential in dem Angebot steckt, konnten die Infokontor-Macher beim ersten Probelauf am 29. Mai sehen: Für die Liveübertragung des westdeutschen Pokalfinales zwischen Fortuna Köln und Alemannia Aachen versammelten sich über 100.000 Zuschauer online.

Auch die “Großen” werden genau hingeschaut haben.

3 comments

  1. Ich weiß nicht recht warum ich Geld dafür ausgeben sollte Bundesliga bei BILD in Internetqualität zu gucken- zu der Zeit wo das gleiche in HDTV im FreeTV läuft. Sky verstehe ich- das ist live. BILD dagegen nicht. Wenn Fortuna Köln gegen Aachen 100.000 Zuschauer hatte braucht das Angebot in Deutschland eine Lizenz der Landesmedienanstalt. Die kostet Geld. Die Übertragung kostet Geld. 100.000 Zuschauer für meinen Spot bekomme ich bei Youtube für einen dreistelligen Preis. Sehr schwer zu refinanzieren.

    • Sky ist ja nicht die Konkurrenz von Bild Bundesliga. Die Sportschau ist es. Und da wird es in der Tag spannend sein, ob Fans bereit sind, dafür zu bezahlen, schnell nach dem Abpfiff genau die Zusammenfassung ihres Vereins zu sehen (plus noch zwei, drei, die sie sonst interessieren) – anstatt in der Sportschau, unterbrochen von ewigen Werbeblöcken, oft lange darauf zu warten, bis sie an der linearen Reihe sind.
      Zur 4. Liga: Ja, die Finanzierung ist sicherlich ambitioniert. Natürlich sind gestreute 100.000 Zuschauer bei YT günstiger. Aber fokussiert über ein einzelnes Thema vermarktbar, wird die selbe Zahl “wertiger” sein.

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