Home / DigitalTV / Eine IFA für OneTV

Eine IFA für OneTV

Ich hatte es irgendwie ja schon geahnt, und ich lag nicht falsch: Eine sehr interessante IFA war das in diesem Jahr, nicht so marketingmäßig aufgeblasen oder zwangsvisionär daher kommend wie in vielen Jahren zuvor. Die Messe war unaufgeregter und sachlicher, was der gesamten Veranstaltung spürbar gut tat. Und auch der angeschlossene Medienkongress punktete mit einem sehr guten Programm. SIcherlich werde ich dem ein oder anderen Thema hier demnächst noch einmal ausführlicher nachgehen. Hier erst einmal meine vier wichtigsten Beobachtungen in Kurzform:

1. Digitales, netzbasiertes Fernsehen hat endgültig Einzug gehalten in die große TV-Welt. Wo es noch im vergangenen Jahr auf vielen Podien häufig hämische Bemerkungen oder bestensfalls ignorante Blicke über WebTV, On-Demand-Anbieter oder SmartTV-Lösungen gab, ist deutlich Respekt und Verständnis gewachsen. Das Interesse resultiert bei vielen gedienten Fernsehleuten nicht mehr nur aus reiner (für sie meist ja erschreckender) Zahlenlektüre, sondern aus Einsicht darüber, dass ihre Branche tatsächlich vor einem tiefgreifenden Wandel steht. Und der Erkenntnis, dass auch außerhalb des altbekannten TV-Kosmos mittlerweile erstaunliche Qualität abgeliefert wird. (H)ach, es war eine IFA, beinahe wie für OneTV gemacht.

Nur bei wenigen Akteuren ist die Moderne noch immer nicht ausgebrochen. Dass das ausgerechnet öffentliche bezahlte TV-Verantwortliche wie ZDF-Intendant Thomas Bellut sind, der im Interview mit dem Kollegen Martin Heller eine bemerkenswerte Borniertheit an den Tag legte, ist für die TV-Branche Deutschlands ein nach wie vor schwaches Zeichen.

2. Es fehlt: der Inhalt. Dass man für die neue Fernsehwelt mit ihren eigenen Gesetzen, Bedürfnissen und Zuschauergruppen nur selten mit “klassisch” produzierten Angeboten Erfolge landet, dürfte sich ja mittlerweile herumgesprochen haben. Unverhohlen und ehrlich sprach Jens-Uwe Bornemann, digitaler Chefstratege der UFA deshalb auch über die tiefen Wunden, die der zunächst überaus maue Start der beiden hauseigenen Youtube-Kanäle beim erfolgsverwöhnten Produzentengiganten verursacht hatte.

“Bitteres Lehrgeld” habe man zahlen müssen, so Bornemann. Trotzdem setze die UFA ihren Digitalisierungskurs fort, unter anderem mit noch mehr Experimenten aus den zwei UFA-Labs, die der Konzern in Berlin und Köln eingerichtet hat.

Doch die UFA ist auf der Seite der etablierten Programmmacher noch eine seltene Ausnahme. Obwohl gerade kleinere Produzenten durch die Digitalisierung von Produktion und Vertriebswegen Vorteile hätten, weil sie flexibler und ohne gewaltige Overheadkosten strategische Experimente eingehen könnten, scheuen viele, gerade deutsche Firmen noch den Sprung in die Youtube-Welt – oder fehlt am Ende doch die Kreativität?

Auch die Präsentation des ZDF auf dem ansonsten sehr interessant besetzten Panel “Digital Storytelling” war eher enttäuschend. Den mittlerweile mehrere Jahre alten “Elektrischen Reporter” auf ZDFneo oder die zweite Staffel des interaktiven Krimis “Dina Foxx” als Musterbeispiele neuen Fernsehens auf dem Lerchenberg zu zeigen, überzeugte nicht wirklich. Da wären andere neue Projekte interessanter gewesen. Aber im Gegensatz zur ARD macht das Zweite wenigstens überhaupt was Digitales. Trotz Thomas Bellut.

3. Das Rätsel um den “Second Screen” ist immer noch nicht gelöst. Ist die parallel zum Fernsehkonsum stattfindende Nutzung von mobilen Geräten, vor allem von Smartphones und Tablets, nun ein gewaltiger Trend oder ein unfassbarer Hype? Seit einigen Wochen bombardieren sich Befürworter und http://www.focus.de/digital/multimedia/telekommunikation-studie-trend-zum-second-screen-beim-fernsehen-stagniert_aid_1083228.html mit Studien, Zahlen und Umfragen, die sich fundamental unterscheiden. Von klassischer TV-Macher-Seite wird dem zweiten Schirm so gut wie kein nennenswerter Erfolg eingeräumt, Netz-Evangelisten sehen in “SocialTV” die Zukunft des Mediums überhaupt.

Meine Meinung: Ich glaube, dass der Second Screen kein Hirngespinst mehr ist – aber er ist weder quantitativ noch qualitativ längst nicht so weit, wie manche digitalen Evangelisten ihn beschreiben. Noch immer fehlt eine wirklich vernünftige Idee, wie das soziale Ereignis Fernsehen auf den sozialen Plattformen gespiegelt werden kann. Darüber können auch sehr lustige Twitterabende zum “Tatort” oder “Wetten, dass..?” nicht hinweg täuschen.

Neue Anbieter wie Zapitano oder Layzapp, die mit guten, angenehm bodenständigen Präsentationen auf dem Kongress überzeugen konnten, bringen aber eine neue Qualität in das Geschäft, weil sie netzaffiner gedacht und gemacht sind und mit guten Data- und SEO-Features ausgestattet sind. Da wird sich bald einiges tun.

Samsung_ifa

4. Die IFA ist ja auch schon immer eine Leistungsschau des GRÖSSERBREITERHELLERFLIMMERNS – aber welchen Quantensprung die TV-Bildschirmtechnik dank UltraHD, 4K, OLED und anderer Entwicklungen gemacht hat, ist wirklich bemerkenswert. Auf den immer riesiger werdenden Displays gibt es mittlerweile eine Qualität zu bestaunen, die ich noch vor wenigen Jahren kaum für möglich gehalten hätte. Zu noch horrenden Preisen natürlich, aber die von der Absatzkrise arg gebeutelte TV-Industrie wird sicherlich ihre Kalkulationen noch einmal überdenken, um endlich mal wieder eine schöne große Verkaufswelle auszulösen. Mein Tipp: Weihnachten noch nicht zuschlagen, spätestens im nächsten Jahr kann man Supertechnik zu akzeptablen Preisen kaufen.

Dann fehlen nur noch die ebenso glänzenden Inhalte für die Big Screens. Aber darum kümmern wir uns bei OneTV demnächst verstärkt. Stay tuned.

One comment

Kommentar verfassen