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"Reich werden mit Youtube" - das versprechen viele Berater und PR-Strategen. Die Wirklichkeit sieht leider anders aus.
"Reich werden mit Youtube" - das versprechen viele Berater und PR-Strategen. Die Wirklichkeit sieht leider anders aus.

Die größte Baustelle von Youtube ist immer noch das Geld

Die Lobeshymne in der “Zeit” kam, wie es für Netzberichterstattung deutscher Qualitätsdruckmedien fast schon Tradition ist, ein bisschen spät. Dafür aber war sie so positiv, dass sich selbst ein paar gestandene Manager wahrscheinlich die Augen gerieben haben: So bedingungslos freundlich hat in den vergangenen Jahren wohl niemand hierzulande über Youtube berichtet. So blauäugig freilich auch nicht.

Denn was die “Zeit” in ihrer 19.000 Zeichen langen Eloge alles ausließ an Problemen, mit denen sich der größte Videoplattform der Welt auch im achten Jahr nach Übernahme in den Google-Konzern noch herumschlagen muss, hätte mindestens ebenso viele Zeit-Zeichen verdient gehabt: Trotz des unbestritten gigantischen Erfolgs beim Publikum (oder gerade deswegen) hat Youtube nämlich immer noch viele große Baustellen zu beackern. Die Streitigkeiten um Musik-, TV- und Filmlizenzen, in Deutschland unter anderem als GEMA-Gap bekannt, sind da eher noch ein kleineres Übel. Die Unterwanderung der Plattform durch rechte Extremisten, arabischen Terroristen oder amerikanischen Wirrköpfen ebenfalls.

Nein, die größte Baustelle Youtubes ist, manch einer wird da staunen, das Geld: Noch immer ist, bei von Experten geschätzten 3,5 bis 5 Milliarden Dollar Umsatz, ein vernünftiger Gewinn nicht in Sicht. Obwohl die Kosten für die gewaltigen Streaming- und Speicheraufwände, die Youtubes Erfolg möglich machen, in den vergangenen Jahren kontinuierlich gefallen sind, sind sie immer noch immens hoch und drücken auf das Ergebnis. Dagegen gerechnet liegt die Auslastung mit Werbespots im Vergleich zu anderen Videonetzwerken relativ niedrig. Zudem verstärkt der Trend, dass immer mehr User die Seite über mobile Geräte ansteuern, dieses Problem noch, weil die Werbung für Mobile noch nicht den Stand des stationären Webs erreicht hat. Dass Google auch in dem gestern Abend veröffentlichten (über alles betrachtet sehr imposanten) Geschäftsbericht Youtube wieder nicht gesondert ausweist, sondern in den allgemeinen Umsatz- und Kostenzahlen “versteckt”, werten manche Analysten an der Wall Street als Zeichen, dass der Videozweig aus San Bruno immer noch nicht repräsentabel genug ist.

Aber nicht nur für Youtube, sondern auch für viele seiner “Lieferanten” ist die dünne Ertragslage ein Problem. Denn bis auf die wenigen wirklichen Superstars, die es auf Youtube gibt, verdient kaum ein Anbieter von Videocontent etwas auf und mit der Seite. Selbst knappst kalkulierende Produktionen bekommen über die Werbevermarktung ihre Kosten höchstens gerade einmal in Ansätzen wieder herein, auch weil Youtube einen kräftigen Anteil davon für sich selbst abzieht. So ist die Plattform für viele professionelle TV- und Videokunden immer noch mehr Marketing- und Imagekanal als verlässliche Einnahmequelle. Eine Tatsache, die übrigens jüngst auch einige Teilnehmer der in den USA in diesem Jahr gestarteten ersten Pay-Kanäle von Youtube kritisierten. Vor allem die ungenügende mobile Usability sei bei der Refinanzierung ein großes Problem.

Für Youtube bedeutet das vor allem viel Arbeit, immerhin hat man die Smartphone-App schon einer kurzfristigen Verbesserung unterzogen und für sie einen Offline-Modus angekündigt. Möglicherweise muss aber auch eine geänderte Strategie her, vom Massen- zum Qualitätsmarkt, was die Kosten senken könnte. Und vor allem braucht es die dauerhafte Bestätigung dafür, dass der Boom an Bewegtbild im Internet weiter anhält. Ein lockerer Selbstläufer wird die Schlacht mit dem guten alten Fernsehen jedenfalls nicht.

3 comments

  1. “Es ist in der Tat sehr schwierig, in sinnhafter Weise Geld in langfristige Sachen zu stecken. Und sogar die Investitionen, die wir bekanntgegeben haben, wie etwa Glasfaser, sind zwar in absoluten Dollar viel Geld, aber für Google nicht signifikant. Und ich meine, Sie sollten mich eigentlich darum bitten, mehr signifikante Investitionen zu tätigen”, schrieb Page den Analysten ins Stammbuch. (via heise.de) :-)

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