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Wie hilfreich sind Googles neue “Helpouts”?

Eine der meist unterschätzten, aber dennoch revolutionären Neuerungen, die die digitale Videotechnik hervorgebracht hat, sind die neuen Möglichkeiten der visuellen Kommunikation: Die Skype-Videotelefonie ist schon zum Alltagsgegenstand geworden, allerdings nicht über die Phase “Du vor der Webcam, ich vor der Webcam, wir reden” hinausgekommen. Googles Hangout-Software liefert zwar ungleich mehr Features, wird aber derzeit auch noch kaum zu mehr als nur reiner Konversation genutzt.

Nur langsam entwickeln sich aus der Übertragungstechnik, die vor wenigen Jahren noch nur mit Bergen von Material, wahnsinnigem Personalaufwand und Unsummen von Geld realisiert werden konnte, neue Ideen für Nutzungsmöglichkeiten. Eine der spannendsten davon ist definitiv jene, die Google nun mit seinen “Helpouts” eingeführt hat und in einem PR-Video vorstellt:

Auf der technischen Basis der vor einigen Jahren eingeführten “Hangout”-Chattechnologie können User jetzt also Kontakt mit Experten aufnehmen, die Ihnen bei Fragen zu bestimmten Themengebieten weiterhelfen sollen. Das können laut Google Ratgeber für Computerprobleme sein, aber auch, wie gesehen, Gitarrenlehrer, Kosmetikerinnen mit Schminktipps oder persönliche Fitnesstrainer. Google bedient damit die im Netz boomende Nachfrage nach Servicethemen, die als How-to-Videos sehr erfolgreich umgesetzt und vermarktet werden. Allein auf Youtube finden sich Millionen von Ratgebervideos für alle Lebenslagen.

Doch wir sind hier nicht bei Youtube – die meisten der Expertenchats bei “Helpouts” kosten Geld: Von 5 bis 150 Dollar werden für die Hilfeleistungen aufgerufen, auch viele “1-Dollar-pro-Minute” finden sich in dem Angebot. Google verdient an jeder Einnahme 20 Prozent. Es ist damit auch das erste Mal, dass Google so direkt an Zahlungen seiner Nutzer partizipiert.

Derzeit wird das Portal nur auf Englisch präsentiert, aus Deutschland kann man bisher nur als Nutzer mitmachen, als Anbieter braucht man einen Einladungscode von Google. Die spannende Frage aber wird – neben der Qualität der angebotenen Leistungen – die sein, ob sich tatsächlich ausreichend viele Menschen finden lassen, die für eine persönliche Lehrstunde via Webcam Geld bezahlen wollen. Zwar erlebt das Lernen via Webübertragung, gerade in den USA, unter dem Stichwort “Moocs” eine Blütezeit und ist für viele Universitäten und Akademien eine attraktive, zusätzliche Einnahmequelle geworden.

Doch das (anonyme) Zuschauen bei einer per Livestream übertragenden Vorlesung aus Harvard ist für viele Menschen doch noch etwas angenehmer als ein direkter Dialog mit dem Professor – auch wenn der nur übers iPad-Display zu einem spricht. Ein Phänomen, das auch selbstbewusste Zeitgenossen betrifft, und jeder Filmemacher kennt. Und das bislang auch einen größeren kommerziellen Erfolg der sogenannten “Webinars”, interaktiven Sitzungen mit mehreren Teilnehmern, verhindert hat. Diese “Kamerascheu” zu nehmen, wäre wahrhaftig ein Riesenschritt in der Entwicklung der audiovisuellen Kommunikation.

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