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Die TV-Revolution geht weiter: Amazon startet “Alpha House”

Formulieren wir es einmal ganz sachlich: Dieser 15.November 2013 wird in die TV-Geschichte eingehen. Wenn heute der Online-Versandhändler Amazon die ersten drei Folgen seiner selbst produzierten TV-Serie “Alpha House” über sein “Prime”-Angebot via Streaming anbietet, schreitet die Veränderung des Fernsehgeschäftes (und damit auch unser aller Zuschauergewohnheiten) wieder einmal voran. Mit einem Riesenschritt.

Dabei ist die Comedy-Serie über das Leben und Wirken von vier US-Senatoren in Washington fast nur Beiwerk für die Revolution, die hinter dem Start von “Alpha House” liegt. Denn weitaus interessanter als die Qualität des 25-minütigen Formats mit Comedystar John Goodman ist der dahinter liegende, fundamentale Strukturwandel einer gesamten Produktions- und Distributionsbranche.

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Denn Amazon ist, wenn auch Neuling im TV-Geschäft, ein ernstzunehmender, milliardenschwerer Konkurrent für traditionelle Fernsehsender im Kampf um die Zuschaueraufmerksamkeit – und vor allem kein Anfänger, wenn es darum geht, Kundenwünsche im digitalen Jahrhundert zu erfüllen. Schon vor der Produktion der neuen Serien (am 22. November startet das nächste Amazon-Format “Betas”) spielte der Konzern seine Stärke aus: einen riesiger Kundenstamm, über 210 Millionen Menschen weltweit, der Amazon über seine Einkaufsaktivitäten und Website-Suchen eine Masse von Daten über Vorlieben und Geschmäcker quasi alltäglich frei Haus liefert. So sind denn auch “Alpha House” und “Betas” die Gewinner eines Wettbewerbes von insgesamt 14 TV-Ideen, die Amazon im Frühjahr als Pilotfolgen öffentlich zur Abstimmung stellte.

Darüber hinaus installierte der Konzern auch noch eine eigene, lange geheimgehaltene, Preview-Section, mit der ausgewählte Kunden noch tiefer in Drehbuchideen, Formatdetails und Gags eintauchen konnten – und dabei aufschlussreiches Feedback lieferten. Diese Methode von Zuschauerforschung gekoppelt mit Big-Data-Einsatz ist die konsequente Weitereinwicklung der Strategie des Videostreamdienstes Netflix, der bereits mithilfe von Kundenanalysen sehr erfolgreich eigene Serien wie “House of Cards” produziert hat.

Für Amazon jedenfalls ist “Alpha House”, trotz der ordentlichen Kosten von geschätzten 1,5 Millionen Dollar pro Folge, ein überschaubarer, aber strategisch sehr wichtiger Versuch ein neues Geschäftsfeld zu erobern. Gelingt es dem Versandhändler, sich selber als Contentlieferant zu etablieren, ist seine globale Marktmacht ein immenser Vorteil gegenüber national agierenden TV-Konzernen klassischen Zuschnitts. Von der praktischen Hardwareversorgung der Kunden mit Fernsehern, Laptops und hauseigenen Tablets mal ganz abgesehen.

Insofern wird an diesem 15.November tatsächlich so oder so TV-Geschichte geschrieben. Und natürlich zählt dabei dann auch doch noch trotz aller Big-Data-Analysen die Qualität des Angebots. Good news für den TV-Rookie Amazon: Die ersten “normalen” Kritiken für “Alpha House” fallen mehr als positiv aus.

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