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SmartTV von LG: "Einfallstor für lukrative Werbeeinnahmen"
SmartTV von LG: "Einfallstor für lukrative Werbeeinnahmen"

Datenkrake SmartTV: Von Schnüfflern und Heuchlern

Endlich: SmartTV ist in aller Munde. Aber es ist nicht die ebenso rührende wie im Aufmerksamkeitsnichts verpuffende Werbekampagne der deutschen Unterhaltungselektronik-Branche oder der alljährliche Jubelbericht der Bitkom über die “Revolution im deutschen Wohnzimmer”, der die wichtigste medientechnologische Entwicklung des Jahrzehnts endlich ins öffentliche Bewusstsein rückt. Es ist ein Daten-“Skandal”.

Dabei ist die mediale Aufregung über die von LG-Fernsehern gesammelten Nutzerinformationen eine leider typische Mischung aus Halbwissen und Skandalisierungslust. Denn erstens sind die vom englischen Fachblog “DoctorBeet’s” veröffentlichten Schnüffelprotokolle beim genauen Betrachten zwar natürlich nicht legal, aber längst nicht so tiefreichend, wie es Schlagzeilen und Kommentare vermuten ließen.

Zweitens ist das Sammeln von Nutzergewohnheiten in der digitalen Welt nun wahrlich keine Erfindung von LG. Da haben Apple TV und Netflix und Hulu und Watchever bereits ganz andere Maßstäbe gesetzt.(Ja, sicher, immer mit dem Hinweis in den Ntzungsbedingungen, dass man diese Daten zur “Verbesserung von Programm und Service” sammelt.)

SmartTV von LG: "Einfallstor für lukrative Werbeeinnahmen"

SmartTV von LG: “Einfallstor für lukrative Werbeeinnahmen”

Bevor Missverständnisse entstehen: Natürlich ist Schnüffelei in unseren digitalen Privatwelten schlimm, und vor allem, wenn wir ihr nicht zuvor ausdrücklich zugestimmt haben. Aber tun wir bitte nicht naiver, als wir wirklich sind: Wahrscheinlich wissen Google und Amazon (und sehr wahrscheinlich auch einige unserer Lieblingsonlineportale) über unsere medialen und sonstigen Vorlieben schon jetzt mehr, als alle SmartTV-Fernseher und -Sender in den nächsten Jahrzehnten noch ausspionieren könnten. Obwohl die sich wirklich alle Mühe geben, aufzuholen.

Und auch darum ist es bemerkenswert, wie die restliche Branche, vor allem Gerätehersteller und, das wird gerne übersehen, auch TV-Sender, sich in diesen Tagen wegduckt oder sich in geheuchelter Besorgnis übt. Denn natürlich gibt es auf allen Chefetagen der Fernsehindustrie sehr viele Menschen, die die neuen Möglichkeiten der Verbindung von TV und Netz nicht nur als uneigennützigen Dienst am Zuschauer begreifen. Die Interaktivität und Personalisierung nicht vor allem als Service für ein besseres Fernseherlebnis anbieten wollen – um damit wieder mehr und jüngere Kunden dauerhaft zu gewinnen – sondern hauptsächlich als Einfallstor für noch lukrativere Werbeformen nutzen. Und tatsächlich ist es derzeit das größte Problem der großartigen Technikrevolution SmartTV, dass genau diese Geschäftemacher in vielen Etagen die Oberhand gewinnen.

Vor allem mit den Geräteherstellern drängen nun neue Spieler auf den umkämpften, milliardenschweren Markt, die Kundeninteraktion bisher nur in Bargeldtransfers oder Beschwerdebriefen registriert haben. Bei ihnen, und LG ist da nur ein Beispiel von vielen, ist die Versuchung und Unsensibilität gegenüber Ausspähaktionen am größten.

Und wer sich bereits in den vergangenen Jahren mit dem Thema beschäftigt hat, der weiß, wie viel Aufmerksamkeit von Entwicklern und Business-Developern genau in diese Richtung gelenkt wurde – und vie viel weniger Zeit und Energie dafür aufgebracht worden ist, inhaltliche Innovationen in der neuen Technologie zu fördern.

Diese Gier nach schnellem Geld, ohne viel dafür zu tun zu müssen, ist die verhängnisvolle Wiederholung eines Fehlers, der die Qualitätentwicklung von Inhalten im klassischen Netz (und damit seine Akzeptanz insgesamt) blockiert. Das Fernsehen tappt gerade in die gleiche Falle.

One comment

  1. Nur einer kann der erste sein. :-) Eigentlich hatte ich das Thema auch im Kopf- die Berichterstattung rund um LG ist so merkwürdig uninformiert, dass der Eindruck entsteht, irgend jemand wolle den Koreanern das Weihnachtsgeschäft verderben. Medial auf dem Markt ist das Thema doch eigentlich seit dem Frühling. ( http://netz-tv.blogspot.de/2013/05/hbbtv-ich-wei-was-du-gerade-gesehen-hast.html ). Agenturen bieten schon ganz normal an diese Daten für die Werbung zu nutzen. ( http://netz-tv.blogspot.de/2013/10/ihr-fernseher-hat-links-2-der-werbe.html ) Und dass beim Anschluss von Geräten ans Internet eine Kommunikation mit Geräten “auf der anderen Seite” stattfindet- nun ja, Konsumenten, die das nicht wissen, bekommen auch den SmartTV nicht ans WLAN und damit ist das Problem gegenstandslos. :-)

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