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Die Zukunft der Videonews ist kurz. Ultrakurz.

Das soll das neue Videoformat der konservativen New York Times sein? Die“Times Minute” ist ein, wie der Name ja sagt, nur circa eine Minute kurzer Videoclip, der aber dabei drei Newsthemen behandelt. Macht das noch Sinn, fragt sich mancher und wittert Häppchenjournalismus. Aber ja, sagt die Times, und ist damit nicht allein.

Denn die neuen Videonews-Minis sind vor allem in den USA schwer im Trend. Immer mehr Nachrichten- und Entertainmentseiten bieten die schnellen Clips an, entweder selbst produziert, wie bei der NYT oder angeliefert von einem der zahlreichen neuen Newsvideo-Anbieter, die sich vor allem auf die Produktion solcher “Shorties” spezialisiert haben. Über das israelische Start-up “WochIt”, das für die Fertigung seiner Clips fast total auf Vollautomatisierung setzt, haben wir ja schon an anderer Stelle berichtet.

“WochIt” und seine konkurrenten wie “Newsy”, “Nowthisnews” oder “Buzz60″ profitieren dabei auch von der boomenden Nachfrage nach Videomaterial, das mobil gut konsumierbar ist. Darum richten sich die neuen Angebote vor allem an Pendler, Mittagspausen-User, Secondscreen-Nutzer oder sonstige flüchtige Zuschauer, deren Aufmerksamkeitsspanne auf höchstens 30 Sekunden pro Thema eingeschätzt wird. Und um den Gebrauch ganz leicht zu machen, werden viele der Ultrakurzclips auch noch mit geschriebenen Text zur Meldung untertitelt.

Erstaunlicherweise funktionieren die Fastfood-Videos aber erstaunlich gut, wenn man sie in den Situationen ausprobiert, für die sie gemacht sind. Dort schlagen sie in Sachen Pointierung und Dynamik auch die hierzulande bereits bekannten, etwas längeren 100-Sekunden-Versionen von Tagesschau und heute, die unter anderem auf den stationären Seiten von Zeit Online und Faz.net zu finden sind. Diesen öffentlich-rechtlichen Shorties merkt man ihre Herkunft aus dem “großen” und “seriösen” Fernsehen doch ziemlich deutlich an. Abgesehen davon, dass es im Jahr 2013 eher seltsam anmutet, wenn etablierte journalistische Marken wie “Zeit” oder FAZ auf diesem Feld immer noch nicht selber Angebote mit eigener Handschrift produzieren. Sondern ausgerechnet mit… Aber das ist jaeine ganz andere Diskussion.

Kulturpessimisten mögen schaudern, aber der Trend zum flotten, schnellen Video, der auch durch neue Konkurrenten wie Instagram oder Vine befördert wird, sorgt vor allem für frischen Wind in der doch sehr in die Jahre gekommenen Newsbranche. Und so radikal wie bei einem neuen Produkt von “Nowthisnews” muss es ja nicht unbedingt überall werden: Die Amerikaner präsentieren nämlich auf Twitter den Ultra-Ultra-Newsmini: eine Story in sechs Sekunden, produziert mit Vine.

Update 10.12.2013:
Das amerikanische Medienunternehmen E.W. Scripps, das mehrere TV-Sender und Tageszeitungen in den USA betreibt, hat Newsy für 35 Millionen Dollar gekauft. Scripps verspricht sich von der Akquise eine erhöhte Reichweite bei jungen Zielgruppen.

2 comments

  1. Seit es Videos im Netz gibt höre ich landauf landab die Theorie sie müssten vor allem eins sein: kurz. Ich glaube das nicht. Sie dürfen nicht langweilen, das ist etwas ganz anderes. Erst gestern habe ich bei “Clixoom” gelernt, dass es für die wirklichen Könige des Netz Videos auf YouTube vor allem wichtig ist professionelle Qualität zu produzieren- auch bei den krassesten Herum-Albereien.

    • Ja, bloß nicht langweilen, da stimme ich zu. Interessant aber an den Ultrakurznews ist, dass damit jetzt auch “ernste” Themen behandelt werden. Und natürlich auch ihre immer automatisierte Produktion…

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