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Google und TV – eine On-/Off-Beziehung

Heiteres Rätselraten mit Google: Als am Wochenende (ziemlich glaubwürdige) Gerüchte auftauchten, der Konzern plane mit “NexusTV” eine eigene Settop-Box für die Verbindung von TV und Netz, warf das zwangsläufig zwei Fragen auf.

Erstens: Schafft es der mit Abstand größte Digitalkonzern der Welt jetzt auf die Big Screens im Wohnzimmer? Und zweitens: Da war doch schon mal was, oder?

Aus Googles Sicht muss man auf Letzteres antworten: Ja, leider. Denn genau auf diesem Feld hat die einzigartige Erfolgsgeschichte der Firma schmerzhafte Fehlschläge zu verzeichnen. Tatsache ist, dass man in Mountain View die Dynamik des neuen Geschäftsfeldes jahrelang unterschätzt hatte. Man war komplett auf das stationäre Web ausgerichtet, später vollzog man – später als die Konkurrenz, aber durchaus ja erfolgreich – die Entwicklung für mobile Lösungen. Die Eroberung der TV-Bildschirme und damit eines Marktes mit zweistelliger Milliardenerlösen weltweit aber schien seltsamerweise überhaupt nicht auf der Agenda von Google zu stehen.

Ein erster, sehr zögerlicher Schritt, wurde 2010 unternommen, als man in Zusammenarbeit mit Sony, Logitech und Intel eine Software-Plattform auf Android-Basis vorstellte, zunächst als Settop-Box-Lösung, mittlerweile auch als direkte Implementierung in einigen Sony-TV-Geräten.

Doch der Versuch ging krachend daneben. Vor allem die von Logitech konzipierten Boxen erwiesen sich als technischer Albtraum. Sie waren viel zu langsam, hatten eine verheerend schlechte Benutzeroberfläche und viele technsiche Aussetzer.

Die Neuauflage, die vor zwei Jahren gestartet wurde, unter anderem in Kooperation mit Sony gelang technisch zwar deutlich besser, leidet aber bis heute an einem schwachen inhaltlichen Angebot, einer immer noch verwirrtenden Nutzerführung und einer vollkommen Google untypischen mangelhaften Verankerung im hauseigenen Ökosystem.

Dann aber kam, Mitte diesen Jahres, mit dem “Chromecast“-Stick endlich ein Produkt von Google auf den Markt, das Netzinhalte auf einfache Art auf die TV-Gerät bringt. Zwar ebbten die zunächst überschwenglichen Lobeshymnen der Kritiker ein wenig ab, als sich herausstellte, dass auch hier vor allem die inhaltlichen Angebote eher dürftig waren – trotz galt der Chromecast als Googles präferierte Lösung für den Bereich NewTV.

Und nun kommt also Nexus TV. Doch, muss man sagen, weil die Settop-Box vor Jahren schon einmal angekündigt war, aber mittlerweile als beerdigt galt. Das Gerät soll Videos von Diensten wie Netflix, Hulu sowie Youtube streamen und darüber hinaus eine Auswahl von Videospielen anbieten, für Live-Fernsehen nicht geeignet sein. Was technisch eigentlich kein Problem sein dürfte, wahrscheinlich aber am zu erwartenden Widerstand der mächtigen US -Cabel-Companys liegt.

Google träte mit Nexus TV vor allem in Konkurrenz zu Apple, das seine TV-Box geschickt und ohne großes Getöse immer weiter in den Markt drückt – und wahrscheinlich doch irgendwann seinen eigenen Fernseher produziert. Und auch Amazon bereitet ja, nach dem Start seiner ersten eigenen Videoserie, die Produktion einer Settop-Box vor, verschob den Start aber bis ins nächste Frühjahr.

Das wäre dann auch ein möglicher Launchtermin für NexusTV – und der endgültige Angriff der Netzgiganten auf die gute alte TV-Welt.

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