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Author Archives: Ralf Klassen

Schleichwerbung? Jimmy Kimmels Ärger mit Youtube

Wie jedes Jahr hatte sich Jimmy Kimmel auch für diese Oscar-Nacht etwas Besonderes ausgedacht. Der US-Entertainer, der mit seiner “Jimmy Kimmel Live”-Show traditionell unmittelbar nach der Preisverleihung in Hollywood sendet, präsentierte in diesem Jahr seine speziellen “Youtube Movies”. Read More »

Zu zäh: “Deutsches Fleisch” auf ZDFneo

ZDFneo-Cartoonserie "Deutsches Fleisch": Ein langer zäher Fluss (Quelle: obs/ZDFneo)

ZDFneo-Cartoonserie “Deutsches Fleisch”: Ein langer zäher Fluss (Quelle: obs/ZDFneo)

Bräuchte es noch einen Beweis dafür, dass öffentlich-rechtliche Mühlen immer noch auf sehr niedriger Drehzahl fahren, selbst wenn “Neo” drauf steht, die neue Cartoonserie “Deutsches Fleisch”, die am kommenden Mittwoch auf ZDFneo startet, wäre perfekt dasfür geeignet. Die nach Eigenbeschreibung “bitterböse” Animationsreihe war der Sieger des so genannten “TVLab”-Wettbewerbs von ZDFneo, bei dem sich neue Formate um Sendeplätze bewarben – im Jahre 2012!

Warum es ganze eineinhalb Jahre gedauert hat, bis “Deutsches Fleisch” nun tatsächlich ( am 30. Januar um 23.35 Uhr) ausgestrahlt wird, wird nicht weiter erklärt – leider kann es nicht daran gelegen haben, die Qualität in einem steten Ringen auf höchstes Niveau zu heben. Denn “Deutsches Fleisch” überzeugt nicht. Die Geschichte um skurrile Verlierertypen, die sich, mit allerlei Makeln geschlagen, mühsam durchs Leben manövrieren, ist krude, unstrukturiert und viel zu langatmig erzählt. Der ständige Versuch, Tabus zu brechen und mit Vorurteilen zu spielen, wirkt spätestens nach sechs Minuten übertrieben – tragisch bei einer Gesamtlänge von 24 Minuten. Ein paar tatsächlich gut geratene Beobachtungen und “bitterböse” Bemerkungen gehen leider in diesem zähen Fluss unter.

“Deutsches Fleisch” startet mit dem Statement “Ein mickriger Nischensender hat einer Truppe kaputter Gestalten ein eigenes Format gegeben…”. Ganz so schlimm ist es dann doch nicht, aber sehen Sie – wenn Sie mögen – selbst. Die erste Folge ist bereits auf Youtube zu sehen.

Hype, Hass und Häme: Der absurde Netzkrieg um Julia Engelmann

Julia Engelmann bei ihrem nun viel diskutierten Auftritt in Bielefeld.

Julia Engelmann bei ihrem nun viel diskutierten Auftritt in Bielefeld.

Eines Tages, Baby…der kam früher, als man dachte. Wohl selten ist ein Youtube-Phänomen so schnell und so gründlich durch alle Phasen gelaufen, die ein Webvideo-Erfolg heutzutage oft durchlebt: Hype, Hass und Häme. Innerhalb von wenigen Tagen erlebte Julia Engelmann, wie aus ihrem lange kaum beachteten Auftritt bei einem Poetry-Slam-Fest an der Bielefelder Uni zunächst ein Hit mit ein paar zehntausend Abrufen wurde, dann ein Hype einsetzte, der “One Day / Reckoning Text” auf fast drei Millionen Abrufe katapultierte.

Der Erfolg (und die damit unvermeidliche verbundene Allgegenwart) des Videos im Netz rief wiederum all jene auf den Plan, denen allzu große Popularität reflexartig verdächtig erscheint. Munitioniert mit den üblichen Floskeln (“Vollkommen überbewertet”, “total naiv”, “Ach, Gottchen”) wurde das Video und Engelmanns Text abgekanzelt – und all jene mit dazu, die in den fünf Minuten Vortrag nicht mehr und nicht weniger sahen als den unterhaltsamen Auftritt einer 21-Jährigen, die durchaus frisch und intelligent alte Probleme der Menschheit (Geplatzte Träume, Trägheit im Alltag, Sehnsucht nach Glück) per Poem interpretierte. Das sei doch “keine Hochkultur” höhnte es jetzt, und die Tatsache, dass das weder Julia Engelmann noch sonst jemand zuvor behauptet hatte, störte die Kritiker nicht. Im Gegenteil, der Ton wurde noch schärfer. Da konnte man doch einigen beim Abarbeiten eigener Probleme (s.o) zusehen.

So weit, so leider ganz normal im Netz dieser Tage, wo der Krieg um die Deutungshoheit (und ein bisschen Applaus von der eigenen Filterbubble) immer schärfer geführt wird.

Ein Höhepunkt in dieser Reihe war allerdings der Meinungsbeitrag von SZ-Feuilletonredakteur Fritz Göttler, der der “gelernten Schauspielerin” Engelmann tatsächlich doch im Ernst vorwarf, den Vortrag durch und durch “kalkuliert” und professionell abgespult zu haben. Und auch ZDFneo-Hoffnungsträger Jan Böhmermann, eigentlich mit Intelligenz und Differenzierungsvermögen ausgestattet, kühlte sein Mütchen am Video aus Bielefeld in einer eilig zusammengezimmerten “Parodie” ab: “Eines Tages, Baby, werden wir alt sein, Baby und an die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können, wenn wir nicht andauernd volkstümliche Rührbröckchen bei Youtube geguckt hätten”.

Es ist nicht bekannt, ob Böhmermann dazu selbst schon gekommen ist.

Eine IFA für OneTV

Ich hatte es irgendwie ja schon geahnt, und ich lag nicht falsch: Eine sehr interessante IFA war das in diesem Jahr, nicht so marketingmäßig aufgeblasen oder zwangsvisionär daher kommend wie in vielen Jahren zuvor. Die Messe war unaufgeregter und sachlicher, was der gesamten Veranstaltung spürbar gut tat. Und auch der angeschlossene Medienkongress punktete mit einem sehr guten Programm. SIcherlich werde ich dem ein oder anderen Thema hier demnächst noch einmal ausführlicher nachgehen. Hier erst einmal meine vier wichtigsten Beobachtungen in Kurzform: Read More »

IFA 2013: Zwischen Featuritis und echten Innovationen

Pünktlich zur Internationalen Funkausstellung geht natürlich auch der Sturm der Pressemitteilungen wieder los: Sender, Gerätehersteller, Softwareproduzenten und viele andere übertrumpfen sich gegenseitig mit Jubelmeldungen über neue Produkte und Angebote.

Leider tun viele “Marktteilnehmer” (wie das jetzt neudeutsch heißt) unter dem vermeintlichen Newsdruck der IFA so, als hätten sie das digitale TV-Rad neu erfunden. Dabei handelt es sich oft genug nur um Adaptionen von Features, die die Konkurrenz schon längst anbietet. So entsteht zwar der, für viele Nutzer mitunter überaus irritierende, Eindruck, dass es sich hier um eine wahnsinnig schnell drehende, hippe Trends am Fließband produzierende, Branche handelt – oft aber verschleiert die Featuritis mit ihren immer verrückteren Produktbezeichnungen auch schlicht nur die Ratlosigkeit, mit der viele Teilnehmer auf ihren vollkommen veränderten Markt schauen.

Echte Innovationen, die das Thema “NewTV” signifikant weiterbringen, sind dagegen selten, aber es gibt sie natürlich auch. Und öffentliche Erkenntnisse, die für viele große Player im Milliardengeschäft noch vor kurzem undenkbar waren.  Weiterlesen

Endlich auch Qualität fürs Netz

Wie in diesem Blog schon das ein oder andere Mal beschrieben, tun sich vor allem klassische TV-Sender schwer mit den Folgen, die die Digitalisierung und Fragmentierung für den Fernsehmarkt gebracht hat. Darum ist es gut zu hören, dass das Verständnis dafür auch bei den “Dinos” der Branche allmählich wächst.

So gab der renommierte US-Sender NBC News in der vergangenen Woche die Gründung einer neuen Abteilung bekannt, die vor allem journalistische Formate für die neuen digitalen Kanäle der Senderfamilie entwickeln und produzieren soll. Man brauche neue Formen der News- und Dokumentationsberichterstattung für die veränderten Sehgewohnheiten der Zuschauer auf Web- und Mobileplattformen, den Social-Media-Portalen und Youtube-Kanälen. Frische Ideen, mit denen auch journalistische Inhalte an jüngere Zielgruppen herangeführt werden können. Read More »

Multitrivial ist nicht die Antwort

Es war der reine Zufall – und nicht die Nostalgie – der mich vor wenigen Tagen wieder auf eine Story stießen ließ, die ich im August vor 20 Jahren für den SPIEGEL geschrieben hatte: “Glut, Schweiß und Tränen”, eine Reportage über das “Transamerica Footrace”.

Ein toller Stoff war das: dreizehn Frauen und Männer, die quer durch die USA laufen. Unter spartanischen Bedingungen, angetrieben von Kräften, die für einen Nicht-Ultraläufer nicht mal im Ansatz verständlich sind. Das Rennen dauerte 64 Tage lang und ich hatte Gelegenheit (und das Reisebudget), die ersten drei Wochen von L.A. nach Las Vegas mitzumachen. Verrückte Typen in grandioser Landschaftskulisse. Ein Erlebnis, das mir nicht nur eine gute Geschichte, sondern auch lädierte Fuß- und Kniegelenke einbrachte. Das waren noch Zeiten. Read More »

Anpfiff für eine neue Zeit

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Ob das neue WebTV-Bundesligaangebot der Bild-Zeitung, das am Freitag mit der 2. Liga startet, tatsächlich nun eine “Gefahr für den Sportjournalismus” in Deutschland ist, oder sich die Springer-Leute dank üppiger Sponsorenverträge wirklich bereits im ersten Jahr ihres vierjährigen Engagements über einen Millionengewinn freuen können – darüber lässt sich derzeit mit Sicherheit nichts sagen. Und ob die Bundesliga als Zugpferd so stark ist, die gesamte Pay-Strategie des Springer Flaggschiffs maßgeblich mitzutragen, werden auch erst die kommenden Jahre zeigen. Read More »