Home / Meistgelesen (page 5)

Meistgelesen

Die TV-Kritiken zum Tatort “Alle meine Jungs” aus Bremen

Szene aus dem Bremer "Tatort: Alle meine Jungs": Kritiker-Lob für den überragenden Schauspieler Roeland Wiesnekker (re) Foto: ARD

Szene aus dem Bremer “Tatort: Alle meine Jungs”: Kritiker-Lob für den überragenden Schauspieler Roeland Wiesnekker (re) Foto: ARD

Der “Tatort” aus Bremen ist traditionell ja eher gesellschaftskritisch angelegt, oft müssen Sabine Postel (als “Inga Lürsen”) und Oliver Mommsen (“Nils Stedefreund”) neben Mord und Totschlag auch noch himmelschreiende, soziale Ungerechtigkeiten oder andere kapitale Systemfehler bekämpfen. In den ersten Jahren des Duos gelang das oft weniger gut, mittlerweile aber hat das Bremer Team eine akzeptable Qualität erreicht. Im aktuellen Fall “Alle meine Jungs”, einem Krimi aus dem Müll-Millieu, gelingt das nach Meinung vieler Kritiker aber nicht durchgängig.

Kurt Sagatz im Tagesspiegel:
“Das Drehbuch zur Folge „Alle meine Jungs“ stammt von den drei Autoren Erol Yesilkaya, Boris Dennulat und Matthias Tuchmann. Ihr Krimi lässt viel Verständnis für die ehemaligen Straftäter erkennen. „Ex-Knackis sollen auch eher aus den Augen – so wie der Müll. Was aber, wenn sich diese Leute selbst resozialisieren, mit Stolz, Würde, Witz und Selbstbewusstsein“, erzählt Dennulat von den Überlegungen der Autoren. Doch genauso, wie in dem Film auf den erhobenen Zeigefinger verzichtet wird, sind die Autoren nicht der Versuchung erlegen, den Zusammenhalt in dieser Parallelgesellschaft zu romantisieren. So wie jede andere Organisation mit mafiaähnlichen Strukturen kommt auch diese nicht ohne Gewalt aus. Die coolen Müllmänner sind alles andere als nett, wenn einer von ihnen gegen die Regeln verstößt.”

Christian Buß ist auf SPIEGEL online eigentlich ganz zufrieden:
“Aufstieg dank Abfall: In einer tollkühnen Genre-Mixtur erzählt “Alle meine Jungs” von einer etwas anderen Parallelgesellschaft, von einer Schattenwirtschaft im Schatten der Müllberge. Hier die hemdsärmlige Milieugeschichte, dort die Mafia-Groteske, und schließlich beinhaltet dieser “Tatort” auch noch einen Korruptionskrimi. (…) Beachtlich, wie Regisseur Florian Baxmeyer die Balance hält zwischen Fabulierlust und Gegenwartsbezug. Die Verantwortlichen des Bremer “Tatort” wagten immer viel, gingen dafür freilich auch öfter mal baden. Immerhin: Ein Bremer Krimi ist eigentlich nie richtig langweilig.”

Miriam Hollstein lobt auf Welt.de vor allem die Akteure:
“Im Gegensatz zu anderen “Tatort”-Folgen, in denen überdeutlich grimassierende und gestikulierende Theaterschauspieler nicht zu bemerken scheinen, dass sie vor der Kamera und nicht auf der Bühne stehen, spielt in “Alle meine Jungs” eine ganze Riege exzellenter Akteure auf den Punkt. Roeland Wiesnekker gibt den Sozialarbeiter mit diabolischer Ambivalenz. Jacob Matschenz ist als Sascha so überzeugend impulsiv-proletenhaft, dass man sich an den jungen Robert De Niro erinnert fühlt.

Und Hans Hoff hebt aufDWDL.de eine Schauspieler besonders hervor:
“(Roeland) Wiesnekker ist die Idealbesetzung für so einen, für einen, dem man alles zutraut, der aber nie alles offenbart, der das Gemeine unter einer Schicht von höflicher Liebenswürdigkeit verbirgt. Wiesnekker trägt diesen Film über weite Strecken. Immer wenn er auftaucht, ist dieser „Tatort“ ein richtig guter. Leider ist er nicht ständig im Bild. Viel zu oft ermitteln Lürsen und Stedefreund langatmig und umständlich. Regisseur Florian Baxmeyer hat einfach nicht das richtige Maß gefunden zwischen der drögen Kriminalarbeit und dem durch Wiesnekker schillernden Verbrechen. Das hat streckenweise das große Gähnen zur Folge. Man möchte die Glotze anschreien und fragen: Wo bleibt Wiesnekker?”

Auch Jürn Kruse in für die taz nicht richtig zufrieden:
“Es hätte eine spannende Milieustudie über eine groteske Parallelgesellschaft werden können – aufgebaut auf Abfall. Selten wurde das Einsammeln von Müll so ästhetisch eingefangen: Zeitlupe, abklatschen, lachen, die geilsten Jungs der Stadt.
Doch leider will dieser „Tatort“ zu viel. Er stellt ein paar Fragen zu viel: Wieso musste Maik Decker sterben? Und wo ist Maik Deckers bester Freund, der ebenfalls Müllmann und nach der Tat abgehauen ist? Und wo ist das Video, mit dem Decker den Papa erpressen wollte? Und wie schafft es Papa Uwe Frank den Clan zu führen? Und wie kommen die Müllmänner zu ihren außerordentlich gut dotierten Verträgen? Und was hat das Ganze mit der weit verzweigten Müllmafia zu tun?”

Preiserhöhung: Zattoo-Chef entschuldigt sich bei Kunden

Zattoo-Chef Nick Brambring: "Wir wollen nachhaltig wachsen"

Zattoo-Chef Nick Brambring: “Wir wollen nachhaltig wachsen”

“Es tut uns leid.” Mit diesen offenen Worten entschuldigt sich Nick Brambring, der Geschäftsführer des Internet-TV-Anbieters Zattoo, in einem noch unveröffentlichten Schreiben an seine Kunden, das OneTV Mag bereits vorliegt (Download als PDF). Anlass für den ungewöhnlichen Schritt ist die von etlichen Usern kritisierte Preiserhöhung, die Zattoo vor rund vier Wochen vollzogen hat. Dabei hatte das Schweizer Unternehmen seine Abo-Modelle zum Teil erheblich verteuert. Das HiQ-Paket, das für den Empfang auch der Sender von ProSiebenSat.1 und RTL bei Zattoo Voraussetzung ist, kostet monatlich nun 9,99 Euro statt bisher 4,99 Euro, das Jahres-Abo 99,99 Euro (bislang 44,99 Euro).

Brambring verteidigt in dem Schreiben den Schritt des Unternehmens, die Erhöhung sei “leider notwendig” gewesen, “um unsere stark gestiegenen Kosten tragen zu können”. Neben “19 Prozent Mehrwertsteuer und 30 Prozent Gebühren (im App Store)” seien pro Nutzer auch Lizenzgebühren und Streamingkosten zu zahlen – über deren Höhe Brambring aber keine genauen Angaben macht.

Tatsächlich hat Zattoo in den vergangenen Monaten immense Investitionen getätigt. Vor wenigen Wochen hatte man nach jahrelangen Verhandlungen mit der ProSiebenSat1-Gruppe auch mit dem zweiten großen deutschen Privat-TV-Anbieter eine Kooperation schließen können, dazu kamen technische Updates vor allem im mobilen Bereich. Da man aber “nachhaltig” wachsen wolle, “also kostendeckend”, sei das Angebot so nicht mehr aufrechtzuerhalten gewesen, so Brambring weiter. Dass einige User sich von der Preiserhöhung “kalt erwischt fühlten” tue ihm leid, man wolle auch in der Kommunikation mit den Kunden “besser werden”.

Zattoo hatte 2006 als erstes Unternehmen in Europa überhaupt damit begonnen, lineares Fernsehen via Internet zu übertragen, ein Jahr nach dem Start in der Schweiz folgte auch Deutschland. Lange Zeit ohne nennenswerte Konkurrenz auf dem deutschsprachigen Markt und mit 700.000 Kunden hierzulande eindeutig etabliert, muss sich Zattoo allerdings seit einigen Wochen mit einem neuen Wettbewerber messen: Magine TV, ein Anbieter aus Schweden, drängt mit großem Marketingaufwand (unter anderem einer Kooperation mit Bild.de) auf den deutschen Markt. Und dazu mit einem, wie das Unternehmen verkündet, “zunächst kostenlosen Zugriff” auf über 60 Sender (darunter auch die RTL- und ProSiebenSat.1-Angebote). In dem Gratis-Kultur-Umfeld des Webs sicherlich ein strategisch kluger Eröffnungsschachzug.

Fraglich ist allerdings, wie lange Magine diesen Kampf(Nicht-)Preis wird halten können. Internet-TV, vor allem im mobilen Web, gilt technisch als äußerst kompliziert und aufwendig. Dazu kommen, gerade in Deutschland, immense Kosten durch Lizenzen und Rechte. Eine Finanzierung nur durch Werbeeinnahmen (wie unter anderem beim Gratis-Angebot von Zattoo, allerdings ohne die großen privaten Sender) dürfte mittelfristig unmöglich sein, auch wenn das “Potenzial von Internet-TV noch lange nicht ausgeschöpft ist”, wie Zattoo-Chef Brambring in dem Schreiben richtig bemerkt.

Der Schritt der Schweizer ist in seiner Radikalität sicher mutig, manche Branchenbeobachter meinen: lebensgefährlich. Und doch bricht Zattoo mit der Preiserhöhung ein Tabuthema auf, das bisher auch in der Branche selber nur hinter vorgehaltener Hand diskutiert wurde: Die Kosten für digitales Bewegtbild via Web sind nach wie vor immens und machen wirtschaftlich vernünftige Kalkulationen sehr schwerig. Auch darum dürfte es in den eigenen Interessen von Zattoo liegen, wenn sein Chef Brambring im Kundenbrief erklärt: “Wir suchen nach finanzierbaren Möglichkeiten, Ihnen wieder ein günstigeres Angebot machen zu können.”

Ralf Klassen

Millionen für “Wochit”, Kritik an “Krautreporter”

"Wochit"-Videoclipangebot: Vollautomatische Videoproduktion per Software

“Wochit”-Videoclipangebot: Vollautomatische Videoproduktion per Software

Anschub: Das israelisch-amerikanische US-Startup “Wochit”, das mit seiner selbst entwickelten Software die einfache, beinahe vollautomatische Produktion von Videoclips ermöglicht, und derzeit als eines der begehrtesten jungen Unternehmen der Webvideoszene gilt, hat in einer zweiten Finanzierungsrunde weitere elf Millionen Dollar eingesammelt. Die Wochit-Technologie basiert auf einem Keyword-Erkennungssystem, das aus vorliegenden Newstexten die wichtigsten Begriffe herausfiltert und daraus einen kurzen Videobeitrag bastelt, über den dann nur noch ein Sprechertext gelegt werden muss. Zu den Wochit-Kunden gehören bereits unter anderem Yahoo, Forbes und die Chicago Tribune. (Techchrunch)

Enttäuschung: Markus Hündgen, Geschäftsführer der “European Webvideo Academy” und als “Videopunk” einer der führenden Köpfe der jungen deutschen Bewegtbildbranche, hat sich kritisch zum Konzept des geplanten “Krautreporter”-Onlinemagazins geäußert. In einem Facebook-Eintrag bemängelt Hündgen, dass bei dem durch prominente Vertreter der Webszene ins Leben gerufenen Journalismusprojekt der für ihn “unverzichtbare” Videoanteil viel zu kurz komme: “Schnöde Video-Interviews wären für mich (…) kein Grund, mein Geld zu geben”, so Hündgen. Er sei aber “andersherum sogar gern bereit, deutlich mehr für innovativen Video-Journalismus zu zahlen”, als die vom Crowdfunding-Projekt aufgerufenen 60 Euro pro Jahr.

Kampagne: Die im Netz vorherrschende Gratis-Mentalität, die sich wenig um Lizenzrechte und Copyright-Verstöße schert, bringt nicht nur den Qualitätsjournalismus, sondern auch die Pornofilmindustrie in große Schwierigkeiten. Als Reaktion darauf, dass immer mehr ihrer Produktionen kopiert und auf zahllosen Websites gratis zur Verfügung gestellt werden, hat die Branche in den USA nun eine Kampagne unter dem Slogan “Porn is worth paying for it” ins Leben gerufen. (Basic Thinking)

Sponsoren: Das auf das Management und Lizensierung von User-generated Content spezialisierte US-Medienunternehmen “Junkin Media” hat in seiner ersten Finanzierungsrunde eine Million Dollar von Investoren gesammelt, darunter den Maker Studios, aber auch unter anderem von Bertelsmann. (Tubefilter)

Serie: Auch die zweite Folge des ARD-“Quizduells” geriet zur Pannensendung. Wieder konnten die Zuschauer bei der Show mit Jörg Pilawa nicht wie geplant via Smartphone-App mitspielen. Nach einem vermeintlichen Hackerangriff sind die technischen Probleme noch immer nicht gelöst, so die ARD, die aber weiter fest an das Format glaubt. (Süddeutsche.de)

Report: Zuschauerschwund? Werbeeinbußen? Alles Unsinn – sagt zumindest der aktuelle Nielsen-US-Report über die Nutzung von “klassischem” Fernsehen. Danach habe weder die Sehdauer von Zuschauern auf linearen Programmen abgenommen (knapp 56 Stunden pro Monat), noch sei ein Rückgang bei Werbebuchungen (78 Milliarden Dollar 2013) zu verzeichnen gewesen. Zusätzlich habe aber der Konsum anderer Bewegtbildangebote (mobil und on demand) auch noch zugenommen. (Media Post)

Showtime: Das ZDF sucht nach wie vor nach einem neuen Konzept für den nach dem Aus von “Wetten, dass..?” freiwerdenden Sendeplatz. Das erklärte Thorsten Haas, Vizechef und Leiter der strategischen Entwicklung beim ZDF auf einer Branchenveranstaltung. Für die “mindestens 150 Minuten lange” Show, die an etwa sechs Samstagabenden des Jahres laufen und ein möglichst breites Familienpublikum ansprechen solle, stünde zwar nicht mehr wie ehemals zwei Millionen Euro pro Folge zur Verfügung, aber “wir haben auf jeden Fall ein ausreichendes Budget”, so Haas.

Verdient: Die taz würdigt mit einem “Redaktionsbesuch” zurecht die Arbeit des Online-Portals “Serienjunkies”, das hierzulande zur ersten Info-Adresse für Fans von TV-Serien, vor allem aus den USA, geworden ist. (Taz.de)

Lesetipp: AppleTV? Amazon FireTV? Chromecast? Wer sich schwer tut mit der Entscheidung, welches Streaming-Device denn nun tatsächlich das beste für ihn ist, bekommt Hilfe von Tech-Godfather himself: Walter Mossberg hat für sein Onlineportal “re/code” die Vor- und Nachteile der gängigsten TV-Gadgets zusammengestellt.

Möchten Sie die OneTV-News jeden Morgen per Mail bekommen? Dann abonnieren Sie doch unseren Newsletter.

Raubkopierer machen (Werbe)-Kasse

Raubkopierer-Hit "Game of Thrones": Millioneneinnahmen ohne Kontrolle

Raubkopierer-Hit “Game of Thrones”: Millioneneinnahmen ohne Kontrolle

Gekapert: Dank moderner Spot-Einkaufssysteme greifen Videowebsites mit illegalen Bewegtbildangeboten mittlerweile Werbegelder in jährlich dreistelliger Millionenhöhe ab. Das ist das Ergebnis einer von der US-amerikanischen “Digital Citizens Alliance” in Auftrag gegebenen Studie. Die Piratenseiten nutzen dafür die weitgehende Anonymität des Onlinevideowerbegeschäfts aus und verschaffen sich mit einfachen Schwindeleien Kooperationen mit Mediaagenturen, die im Auftrag von großen Kunden Werbespots über das Netz verteilen. Oft sind deren Kontrollen über die Plattformen und ihre Angebote so lax, dass der Schwindel erst nach Monaten auffällt. Betroffen sind auch große Kunden wie Toyota oder Kraft Foods. Und die Betreiber der Raubkopieangebote sind, wenn der Schwindel auffliegt, durch Fakeadressen im Ausland meist nicht mehr auffindbar. (Wall Street Journal)

Lukrativ: Die Maker Studios haben einen umfassenden Kooperationsvertrag mit dem Werbenetzwerk Omnicom geschlosssen, in Höhe eines “niedrigen achtstelligen Dollarbetrages”, wie es heißt. Für das gerade erst von Disney gekaufte Multichannel Network war es der erste Deal dieser Art. Omnicom kauft neben lukrativen Werbeplätzen im Maker Netzwerk auch Stars der MCNs als Werbefiguren ein. (Adage)

Verlängert: HBO hat den Vertrag mit der derzeit schwer angesagten “New Journalism”-Marke “Vice” um zwei Jahre erweitert. Die New Yorker Videojournalisten mit dem Faible für harte Kriegseinsätze oder Storys aus dem “Urban Underground” werden pro TV-Saison bis zu 14 Dokumentation bei HBO zeigen dürfen. (Tubefilter)

Baukasten: Der Videodienstleister Brightcove hat mit seinem neuen Produkt “Gallery” ein Multitool vorgestellt, mit dem auch Laien innerhalb weniger Stunden eine komplette Videoplattform, eine Video-Eventseite oder ein Showcase für ein Produkt herstellen können. (Streaming Media)

Produktionswelle: Der weltgrößte Web-Musiksender Vevo hat in New York eine ganze Reihe von neuen Eigenformaten angekündigt. Zum ersten Mal werden darunter auch Lifestyle-Themen etwa aus den Bereichen Kochen, Mode oder Promis sein. (Tubefilter)

Lesetipp: Werbetreibende und Agenturen sollten verstärkter auf die Entwicklungen bei SmartTVs und sonstigen vernetzten TV-Geräten achten, mahnen Walter Harp und Salim Hemdani vom Videowerbespezialisten Mixpo in einem Gastbeitrag auf Videonuze. Viele Entscheider seien aufgrund fehlender Zahlen und Meldungen über technische Probleme verunsichert, dabei hätten die Angebote mittlerweile eine durchaus relevante Reichweite und Qualität.

Analyse: Die aktuelle “Digital Video Consumer Study” der amerikanischen GfK weist wieder einmal eine Anzahl interessanter Entwicklungen auf dem US-Onlinevideomarkt aus. Neben der allgemeinen User-Steigerung von knapp 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr, registrierten die Meinungsforscher vor allem einen starken Anstieg der via Social Media verbreiteten Bewegtbildinhalte. Twitter, Facebook und Tumblr seien mittlerweile die Startseite Nummer 1 für viele Videoangebote. (Streaming Media)

“Look up” von Gary Turk – das An-Klagelied der “Generation Smartphone”

“Ich habe 422 Freunde und bin doch einsam.” Und nach Julia Engelmann kommt nun Gary Turk. Mit seinem Klagegedicht “Look up” hat der bislang eher unbekannte englische Schriftsteller und Regisseur anscheinend ebenso einen Nerv seiner Generation getroffen, wie die junge Bremer Poetry-Slammerin vor einigen WochenTurks Video in dem er sich über die modernen Kommunikations- und Unterhaltungstechnologien beklagt, über den Verlust von” Beziehungen in der echten Welt”, die “Unfähigkeit, sich ohne iPad zu amüsieren” oder auch über “die stummen Menschen, die nur noch auf Bildschirme starren” erobert die Sozialen Netzwerke im Sturm.

Fast 20 Millionen Klicks hat das Werk innerhalb weniger Tage auf Youtube eingesammelt – und auch wenn einiges darin arg pathetisch und überdramatisiert vorgetragen wird  (wie von einigen Kritikern auch schon beklagt) schafft es Turk anscheinend doch perfekt, die Gefühle von vielen Menschen zu beschreiben, die sich nach mehr (oder anderem) sehnen, als What’s-App-Chats, Cat-Content oder Facebook-Likes. Sinnigerweise ist die Botschaft, die da jetzt millionenfach verbreitet wird, wohl beides: Klage und Anklage zugleich.

Und hier ist der gesamte Text nochmals zum Nachlesen:

“Look up” von Gary Turk

I have four-hundred-and-twenty-two friends, yet I am lonely. I speak to all of them everyday, yet none of them really know me.

The problem I have sits in the spaces between looking into their eyes or at a name on a screen. I took a step back and opened my eyes, I looked around to realize this media we call social is anything but. 

When we open our computers, and it’s our doors we shut. All this technology we have it’s just an illusion. Community companionship a sense of inclusion yet, when you step away from this device of delusion, you awaken to see a world of confusion. 

A world where we’re slaves to the technology we mastered, where information gets sold by some rich greedy bastard. A world of self interest, self image, self promotion. Where we all share our best bits, but, leave out the emotion. 

Were at ‘almost happy’ with an experience we share, but is it the same if no one is there? Be there for your friends and they’ll be there too, but no one will be if a group message will do. 

We edit and exaggerate, crave adulation. We pretend not to notice the social isolation. We put our words into order and turn our lives a-glistening. We don’t even know if anyone is listening! 

Being alone isn’t a problem let me just emphasize; if you read a book, paint a picture, or do some exercise. You’re being productive and present not reserved and recluse. You’re being awake and attentive and putting your time to good use. 

So when you’re in public, and you start to feel alone. Put your hands behind your head, step away from the phone! You don’t need to stare at the menu, or a your contact list. Just talk to one another, learn to coexist. 

I can’t stand to hear the silence of a busy commuter train when no one want’s to talk for the fear of looking insane. We’re becoming unsocial, it no longer satisfies to engage with one another, and look into someone’s eyes. We’re surrounded by children, who since they were born, have watched us living like robots, who now think it’s the norm. 

It’s not very likely you’ll make worlds greatest dad, if you can’t entertain a child without using an iPad. When I was a child, i’d never be home. Be out with my friends on our bikes we’d roam. I’d wear holes on my trainers, and graze up my knees. We’d build our own clubhouse, high up in the trees. 

Now the parks so quiet, it gives me a chill. See no children outside and the swings hanging still. Theres no skipping, no hopscotch, no church and no steeple. We’re a generation of idiots, smart phones and dumb people. 

So look up from your phone, shut down display. Take in your surroundings, make the most of today. Just one real connection is all it can take, to show you the difference that being there can make. 

Be there in the moment, when she gives you the look, that you remember forever as ‘when love overtook’. The time she first held your hand, or first kissed your lips, the time you first disagreed and you still love her to bits. 

The time you don’t have to tell hundreds of what you’ve just done. Because you want to share this moment with just this one. The time you sell you sell your computer, so you can buy a ring, for the girl of your dreams, who is now the real thing. 

The time you want to start a family, and the moment when, you first hold your little girl, and get to love again. The time she keeps you up at night, and all you want is rest. And the time you wipe away the tears as your baby flees the nest. 

The time your baby girl returns, with a boy for you to hold, and the time he calls you granddad and makes you feel real old. The time you’ve taken all you’ve made, just by giving life attention. And how you’re glad you didn’t waste it, by looking down at some invention. 

The time you hold your wife’s hand, sit down beside her bed, you tell her that you love her and lay a kiss upon her head. She then whispers to you quietly as her heart gives a final beat, that she’s lucky she got stopped by that lost boy in the street. 

But none of these times ever happened, you never had any of this. When you’re too busy looking down, you don’t see the chances you miss. 

So look up from your phone, shut down those displays, we have a final act existence a set number of days. Don’t waste your life getting caught in the net, because when the end comes there’s nothing worse than regret. I’m guilty too of being part of this machine, this digital world, we are hear but not seen. 

Where we type as we talk, and we read as we chat. Where we spend hours together without making eye-contact. So don’t give into a life where you follow the hype. GIve people your love, don’t give them your ‘like’. Disconnect from the need to be heard and defined, go out into the world leave instructions behind. 

Look up from your phone. Shut down that display. Stop watching this video. Live life the real way. 

Wem “gehört” der TV-Bildschirm?

Startbildschirm eines Panasonic-SmartTVs: Was darf der Zuschauer nach dem Einschalten sehen?

Startbildschirm eines Panasonic-SmartTVs: Was darf der Zuschauer nach dem Einschalten sehen?

Debatte: Im Streit um den Startbildschirm, der auf neuen, smarten Fernsehern immer öfter von den TV-Geräteherstellern selbst oder von Settop-Box-Betreibern “eingenommen” wird, gibt es nach wie vor keine Einigung – im Gegenteil. TV-Sender wie das ZDF oder RTL fordern bei dem Streit, der hinter den Kulissen bereits seit Jahren heftig tobt, immer vehementer einen “diskriminierungsfreien Zugang”, d.h. einen “neutralen” Bildschirm. Der dürfe nach dem Einschalten höchstens den letzten gewählten Sender zeigen und auch beim laufenden Programm keinerlei andere Inhalten aufweisen als das pure Signal des jeweiligen Anbieters. Das schließe unter anderem “Umfeldwerbung” auf dem TV-Bildschirm komplett aus. Andere Branchenexperten wie etwa Zattoo-Inhaltechef Jörg Meyer halten diese Forderungen angesichts eines immer stärker auch technisch fragmentierten und globalisierten Medien- und Geräteangebots für unrealistisch, wie eine aktuelle Diskussion auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland wieder zeigte. (Digitalfernsehen.de)

Kooperation: Der Videonewsanbieter “NowThisNews” und der derzeit sehr gehypte Messagingservice “Snapchat” planen nach US-Medienberichten ein gemeinsames Bewegtbildangebot. Snapchat hatte erst kürzlich ein Videochat-Tool in seine App integriert und angekündigt, einen eigenen Nachrichtenservice für seine User aufzubauen. (Techcrunch)

Minus: Sky Deutschland hat im ersten Quartal des Jahres auch im operativen Geschäft wieder Verluste geschrieben. Das Ebitda (vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) verzeichnet ein Minus von 8,6 Millionen Euro. Angesichts der Kosten für einen zusätzlichen Spieltag der Bundesliga, hoher Ausgaben für Werbung und Fußballrechte hatten Experten aber mit einem leicht höheren Verlust gerechnet. (heise.de)

Geächtet: Deutsche Datenschützer gehen vor dem Verkaufsstart von Googles “Glass” massiv gegen die Datenbrille vor: “Diese Brille muss gesellschaftlich geächtet werden”, sagte der Kieler Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert. Wer im öffentlichen Raum Fotos oder Videos ohne das Wissen der Mitbürger aufnehme und sie ins Internet lade, gehöre bestraft. Auch sein baden-württembergische Kollege Jörg Klingbeil schloss sich an: “Die Brille ist ein Anschlag auf die informationelle Selbstbestimmung.” (WuV.de)

Gefördert: Die US-Kabelsendergruppe “Turner Broadcasting” nimmt in diesem Jahr gleich fünf Start-ups aus dem digitalem Bewegtbildbereich in sein zusammen mit Warner betriebenes Förderprogramm “Media Camp” auf. Unter den mit jeweils 20.000 Dollar ausgestatteten Firmen ist unter anderem auch der Videonews-Aggregator “Watchup”, dessen Webcast-Technologie bereits mehrfach preisgekrönt ist. (Variety.com)

Engagement: Der als “Herr Tutorial” bekannt gewordene, deutsche Youtuber Sami Slimani wird demnächst als “Visual Jockey” beim Fernsehsender VIVA zu sehen sein. Dort wird Slimani, der in den Sozialen Netzwerken eine riesige Fangemeinde hat, den Zuschauern die besten Clips nationaler und internationaler Acts präsentieren. (Broadmark)

Mittelmäßig: Trotz riesiger Werbekampagne ist die neue Staffel der Actionreihe “24” in den USA eher verhalten gestartet: Nur 7,97 Millionen Menschen schauten die ersten zwei Stunden auf FOX, damit verzeichnete die neunte Staffel des Thriller um den Geheimagenten “Jack Bauer” die bis dato schwächsten Auftaktwerte. (Quotenmeter.de)

Fusion: Nach der Übernahme des Nachrichtensenders N24 durch den Springer-Verlag soll der Sender ab 2015 mit der “Welt” in der “Welt N24 GmbH” zusammengeführt werden. Damit muss N24 wohl auch sein bisheriges Berliner Domizil am Potsdamer Platz verlassen und möglicherweise ins Axel-Springer-Haus umziehen. (DWDL.de)

Möchten Sie die OneTV-News jeden Morgen per Mail bekommen? Dann abonnieren Sie doch unseren Newsletter.

 

Das schreiben die Kritiker zum “Tatort” aus München

"Tatort-"Folge "Am Ende des Flurs" (mit Franz Xaver Kroetz und Fanny Risberg): "Männer, die auf Frauen starren" (Foto: ARD)

“Tatort-“Folge “Am Ende des Flurs” (mit Franz Xaver Kroetz und Fanny Risberg): “Männer, die auf Frauen starren” (Foto: ARD)

Der “Tatort” aus München ist eine der ewigen Konstanten in der Krimiserie der ARD. Mit seinen beiden Kommissaren Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec) sorgen die Folgen aus Bayern seit Jahren für meist grundsolide, mitunter gar außergewöhnlich gute Unterhaltung, auch weil die Drehbücher häufig auf geschickte Art und Weise das Privatleben der Ermittler mit einbeziehen. So auch in der gestrigen Folge “Am Ende des Flurs”, die bei den TV-Kritikern durch die Bank gut ankommt. Zunächst aber geht es einmal um eine neue Personalie.

Karoline Meta Beisel schreibt auf Süddeutsche.de über den neuen Assistenten der Münchner Kommissare:
“Jetzt also Kalli Hammermann, er ist mit Abstand der jüngste “Tatort”-Ermittler im ganzen Land. (…) Hilft am Tatort, die Schaulustigen fernzuhalten, untersucht die Wohnung des Opfers. Er wird noch nicht mal vorgestellt, er ist einfach plötzlich da, ohne großes Trara. Und es sieht ganz so aus, als würde er bleiben: Kallis zweite Folge ist schon abgedreht, eine dritte fest vereinbart. Kalli ist ein echter Bayer. Er kommt vom Land und ist neu bei der Mordkommission. Er ist ein bisschen naiv, eifrig und manchmal auch übereifrig – kaum hat er den gut sortierten Schuhschrank des Opfers gesehen, da ist die Schlussfolgerung auch schon ausgesprochen: “eine Professionelle!”

Nun geht es aber mit dem Krimi los, Christoph Cöln schwärmt auf Welt Online:
“Was für eine Frau. Sie schaut dich an, volle Lippen, dunkle Augen, sündiger Blick. Sie gleitet ganz langsam durch den Raum, weiße Wände, weißes Sofa, alles weiß. Ein Traumraum. Dann wirft sie ihren Raketenkörper übers Sofa, vom Plattenspieler weht eine Soul-Ballade herüber, eine Männerstimme aus dem Off fragt: “Was möchtest du jetzt?” Drei Schnitte später liegt der zerschmetterte Körper dieser Göttin in einer Blutlache. Das Pflaster färbt sich rot, und niemand bleibt hier jungfräulich. Ob ein “Tatort” was taugt, weiß man meist erst hinterher. Hier weiß man’s nach der ersten Minute.”

Christian Buß auf SPIEGEL Online:
“Männer, die auf Frauen starren: Die Münchner “Tatort”-Episode “Am Ende des Flurs” ist ein Lehrstück über Anbetungstechniken geworden. Was war die Verstorbene? Hure, Heilerin, Heilige? Oder doch einfach nur eine Projektionsfläche für die Spannbreite männlicher Sehnsüchte und Begierden? Regisseur und Autor Max Färberböck (“Aimée & Jaguar”) gelingt es, sein Krimidrama bei aller unerbittlichen sexualökonomischen Genauigkeit in einem eigentümlichen Schwebezustand zu halten. Es gibt einige sehr blutige Szenen, insgesamt aber kommt der Film leise und zuweilen gar poetisch wie ein Requiem daher; in Rückblenden sehen wir Momentaufnahmen der Toten, die sich erst einmal zu keinem Gesamtbild fügen lassen. Ein Erinnerungspuzzle, bei dem wir uns leider nicht auf die Zuverlässigkeit der Erinnernden verlassen können.”

Hans Hoff auf DWDL.de:
“Es geht Schlag auf Schlag in diesem „Tatort“. Gab es früher im Verhältnis der Kommissare ein bisschen viel Gemächlichkeit, so hat Regisseur Max Färberböck diese von ihm selbst gemeinsam mit Catharina Schuchmann geschriebene Story nachgerade atemlos inszeniert. Mit Liebe komponierte Bilder werden rasant aneinander geschnitten, es überstürzen sich die Ereignisse, doch es steht nicht nur die Jagd nach dem Mörder im Mittelpunkt.
Vielmehr geht es lange um die Frage, wie es eine Frau schaffen konnte, so viele Männer so nachhaltig zu betören. Jeder, der bei ihr war, hat sich eingebildet, sie sei nur für ihn auf der Welt, jeder hat ihre innere Größe für seine eigene gehalten.”

Marina Antonioni auf Focus.de:
“„Ich hab gedacht, ich kenn’ dich und jetzt stehst du da wie ein Irrer!“, brüllt Batic den Kollegen an, als der auf eigene Faust Verdächtige verfolgt und sich in den Fall verbeißt. Dass sich die beiden Münchner Kommissare die Meinung sagen, kommt öfter vor. Hier aber geht es ans Eingemachte. Eine neue, zerbrechliche Seite von Leitmayr steht im Zentrum und gibt diesem Film Tiefe. In melancholischen Rückblenden wird aus seinem Privat- und Liebesleben erzählt. (…) Unbedingt einschalten!”

Das schreiben die Kritiker zum Tatort “Kaltstart” mit Wotan Wilke Möhring

Tatort-Folge "Kaltstart": "Dem Reiz der puren Optik erlegen" (Foto: ARD)

Tatort-Folge “Kaltstart”: “Dem Reiz der puren Optik erlegen” (Foto: ARD)

Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) sind die ersten ARD-Ermittler, die nicht bei der Kripo oder dem Landeskriminalamt, sondern bei der Bundespolizei ermitteln. Das soll der Krimireihe des Ersten mehr Themenmöglichkeiten und attraktive Einsatzorte verschaffen. Die aktuelle Folge “Kaltstart”, die sich vor der trostlosen Kulisse des JadeWeser-Ports in Wilhelmshaven mit Menschenhandel beschäftigt, überzeugte aber die meisten TV-Kritiker nicht so recht.

Christian Buß auf SPIEGEL Online:
“Ein Glück, sie leben. Nach der letzten Folge mit den Hamburger Ermittlern Falke und Lorenz hatte man sich ja ernsthaft Sorgen gemacht. Weil in Hamburg neben dem XXL-Cop Til Schweiger kein Platz für einen zweiten Cop ist, hatte man Falke in einer völlig abstrusen Episode auf Langeoog zwischengeparkt. Der Dreh mit der Bundespolizei eröffnet der Figur nun völlig neue Möglichkeiten: Als Mitglied einer Mobilen Fahndungseinheit (MFE) wird er mit den Auswüchsen globaler Kriminalität konfrontiert, außerdem wird mit ausgefuchsten Observations- und Verfolgungsinstrumenten gearbeitet. Beste Voraussetzungen also für einen modernen Thriller – die in “Kaltstart” (Buch: Volker Krappen, Raimund Maessen) auch zu einem XXL-Schocker nach Art des letzten Hamburger “Tatort” genutzt werden. Das Schleuser-Verbrechen führt zu einem Waffenhändlerkonsortium, das Milizen in Zentralafrika mit neuestem Gerät versorgt. Der Plot ist zwar über Strecken schwer überschaubar, die Täter, die das Geschehen im Hintergrund an Großbildleinwänden verfolgen, bleiben diffus, hinzu kommen einige kriminalistische Absurditäten. Dafür gibt es eine aufwühlende, souveräne Bildsprache.”

Sandra Zistl auf Focus.de:
“Es ist erst der dritte “Tatort” für Petra Schmidt-Schaller und Wotan Wilke Möhring, doch er ist alles andere als das, was der Titel suggeriert: “Kaltstart” ist ein kinotauglicher Thriller, in dem es um globalen Menschen- und Waffenhandel geht und in dem Polizisten von Drohnen verfolgt werden. (…) In „Kaltstart“ weiß der Zuschauer stets mehr als Falke und Lorenz, und genau das macht die Bedrohung, die den beiden immer mehr bewusst wird, umso greifbarer und diesen „Tatort“ kinotauglich. Trotz der großen Themen, die verhandelt werden, der bedrohlichen Waffen und der Action-Szenen, sind es die kleinen Gesten, die hier große Wucht entwickeln.”

Miriam Hollstein auf Welt.de:
“(…) so total ist diese Überwachung, dass man sich an Verschwörungstheorien der achtziger Jahre erinnert fühlt. Oder noch weiter zurück an Rainer Werner Fassbinders Science-Fiction-Film “Welt am Draht”, nur dass es dort Außerirdische waren, die die absolute Kontrolle ausübten. Möglich, dass die NSA Schuld ist, dass Drehbuchautoren erneut solchen Theorien folgen. Dabei wissen wir doch dank WikiLeaks, Ed Snowden und dem Eurohawk-Debakel, wie fehlerhaft die angeblich so perfekten Überwachungssysteme und Techniken sind. “Diese Geschichte glaubt uns kein Mensch”, sagt Kommissarin Lorenz am Ende. Das kann man auch über “Kaltstart” sagen.”

Judith von Sternburg in der “Frankfurter Rundschau”:
Wotan Wilke Möhrings Gesicht spiegelt die Wendung „etwas mit sich selbst ausmachen“, aber es gehört zu den beeindruckenden Qualitäten dieses Darstellers, sich auch das kaum anmerken zu lassen. Er kann selbst über seine geerbten Arbeiterhände reden, ohne dass Zuschauer schamrot im Boden versinken. Kollegin Lorenz, Petra Schmidt-Schaller, passt sich dem Minimalismus filigran an.”

Hans Hoff auf DWDL.de:
“Doch das mit der Aufklärung des Mordes ist nur die eine Geschichte. Die andere ist die des Ermittlers Falke, der sich keine privaten Gefühle erlauben mag, der sie seine Kollegen aber trotzdem am laufenden Band spüren lässt. Er ist kein guter Chef, eher ein Getriebener, ein grauer Wolf, der immerzu mürrisch guckt und dann in Einer-muss-das-ja-tun-Manier nach vorne prescht. Nicht immer hat der Wolf danach Fleisch im Maul. Viel zu oft bleibt ihm einfach nur der fahle Geschmack des Nichtmehrweiterwissens.
Um das zu demonstrieren, stellt Regisseur Marvin Kren seine Ermittler immer wieder in den Hafen. Mal neben die Container, mal neben riesig aufragende Schiffswände. Man weiß nicht immer, warum sie jetzt gerade genau dort stehen müssen, aber was soll’s? Ein schönes cooles Bild ist halt ein schönes cooles Bild, und da erliegt man bei der Inszenierung schon mal leicht dem Reiz der puren Optik.”

Nikolaus von Festenberg im Tagesspiegel:
“Diese Problemdichte – Kommissarseinsamkeit, Schleusergemeinheit, Sklavenelend, Asylschnulze, Fehlinvestitionstheater, polizeiliches Konkurrenzgerangel – versucht die Regie (Volker Krappen), mit einer Flucht in symbolische Bilder aufzulösen. Darunter leiden die Dialoge. „Waffen und Warlords, das passt“, sagt die Kommissarin Katharina. „Es geht ums Geld, das ganz große Geld.“ Klar. „Rohstoffe, in Afrika geht es doch immer um Rohstoffe.“ Ein zweifaches Klar. Als dann noch Drohnen vom Himmel herab einen bedrohlich gut gespielten Schurken (Andre Hennicke) verfolgen, stellt Falke fest: „Die Geschichte glaubt uns doch kein Mensch.“ Was stimmt, aber zum Glück auch nicht stimmt. Die Resignation über den Verlust polizeilicher Ordnungsmacht wird nicht unterschlagen oder vernebelt, sondern unerbittlich kalt serviert. Die Nachwuchsmacher trauen den Bildern mehr als den Gefühlen. Sie werden noch lernen.”