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Von wegen “House of Cards” – Netflix-User lieben Oldies

Netflix-Serie "Orange is the new Black" (Foto: Netflix/PR)

Netflix-Serie “Orange is the new Black” (Foto: Netflix/PR)

Phänomen: Bei Kritikern, Preisjurys und vielen Serienfans gelten die Netflix-Eigenproduktionen wie “House of Cars” oder “Orange is the new Black” als herausragende Beispiele moderner TV-Kunst. Bei den Abonnenten des gefeierten Streaming-Anbieters ist der Hype allerdings anscheinend noch nicht angekommen. Nur knapp die Hälfte hat sich bislang eine Folge der Frauen-Gefängnisstory “OITNB” angeschaut, bei “House of Cards” waren es sogar nur ein Drittel. Viele Netflix-Kunden nutzen den Dienst vor allem, um klassische Film- und TV-Hits (noch einmal) zu sehen, ergab eine Studie des Marktforschungsinstituts Centris. Netflix selbst veröffentlich traditionell keine Zuschauerzahlen. (Variety)

Prognose: Nur in der strategisch klugen Verschmelzung aller Verbreitungswege liege die Zukunft für TV-Sender und -Produzenten, meint Les Moonves, der CEO von CBS. Vor Investoren kündigte Moonves nun an, die digitalen Aktivitäten von CBS erheblich zu steigern. Dazu gehöre auch der Verkauf großer Serienprojekte, die noch vor der Ausstrahlung im Kabel-TV, über Video-on-Demand-Plattformen auch anderer Anbieter vermarktet werden sollen. “Wir freuen uns über jeden Zuschauer, den wir bekommen können – egal wo”, so Moonves. “Und wenn wir mehr streuen, bekommen wir auch mehr davon.” (Streamdaily.TV)

Highscore: Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Google die Live-Game-Plattform Twitch für 1 Milliarde Dollar kauft, nun macht Twitch hierzulande schon wieder Schlagzeilen: Mit einem enormen Wachstum auf über 100 Millionen Visits schaffte es das Spieleportal zum ersten Mal in die Top Ten des IVW-Online-Rankings. (Horizont.net)

Boom: Um über 21 Prozent, auf beinahe 11 Milliarden Dollar, werden die Einnahmen des US-Video-on-demand-Marktes in diesem Jahr steigen. Bis 2018 werden Angebote wie Netflix, Amazon Prime Instant Video und Hulu ihre Umsätze gegenüber 2013 verdoppelt haben, sagt eine neue Studie von Strategy Analytics voraus. (Home Media Magazine)

Verschoben: Noch vor einigen Monaten galt es als ausgemacht, dass der Trend zum “Cord Cutting”, also dem Verzicht auf klassische Kabel-TV-Angebote, die traditionelle US-Fernsehindustrie innerhalb weniger Jahre hinwegfegen würde – nun zeigen aktuelle Statistiken, dass trotz des Booms neuer Bewegtbildanbieter (s.o.) die konventionellen Verbreitungswege noch längst nicht totzukriegen sind: Die Kündigungszahlen für Kabel-Angebote in den USA sind auf einem beinahe historisch niedrigen Level angekommen. (Multichannel.com)

Wunschprogramm: 73 Prozent der Deutschen ab 14 Jahren, rund 40 Millionen Bundesbürger insgesamt, streamen Videos aus dem Internet. 53 Prozent der User nutzen dabei Plattformen wie Youtube oder Clipfish, 46 Prozent die Mediatheken der TV-Sender. 19 Prozent nutzen Online-Filmportale wie Watchever, Maxdome oder Amazon Prime Instant Video. (Digitalfernsehen.de)

Taktisch: Den auf den ersten Blick möglicherweise seltsam anmutenden Hype um Musicals im Netz haben wir ja bereits an anderer Stelle schon beschrieben. Nun fährt auch die Werbeindustrie auf die musikalischen Ministorys ab. (WuV.de)

Sehtipp: Mal kein Katzen- oder Kleinkind-Content, auch keine wackelnden Popstars-Popos: Eines der derzeit erfolgreichsten Videos auf Youtube stammt von ESPN und zeigt eine dramatische Pokerpartie aus Las Vegas, bei der es um eine Millionensumme ging.

Smartphone-Reporter – Gratis-Bundesliga für alle?

Smartphone-Einsatz im Stadion: Recht auf Gratiskurzberichte?

Smartphone-Einsatz im Stadion: Recht auf Gratiskurzberichte?

Präzedenzfall: Helmut Thoma hat seinen Plan konkretisiert, auf seinem Lokalsender NRW.TV künftig auch Kurzberichte von den Spielen der Fußball-Bundesliga anzubieten. Die 90-sekündigen Berichte sollen von Reportern im Stadion per Smartphone gedreht werden. Dieses sei laut einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs rechtlich erlaubt, sofern beim Zugang zu einem Sendesignal keine Kosten anfallen würden, verkündete der Sender gestern selbstbewusst. Spannend dürfte das Experiment – sollte es tatsächlich dazu kommen – nicht nur inhaltlich und produktionstechnisch werden, sondern vor allem auch lizenzrechtlich. Denn bisher waren auch die Kurzberichte der Bundesliga für TV-Sender und andere Anbieter, wie etwa seit vergangenem Jahr Bild.de, nur zu stolzen Preisen einzukaufen. (Digitalfernsehen.de)

Strategie: Google holt sich mit dem Kauf des Videotool-Startups “Directr” weitere Video-Produktionskompetenz in den Konzern. Mit der Directr-App können auch Videolaien in kürzester Zeit ganz ansprechende Clips produzieren. Bislang wurde die kostenpflichtige App hauptsächlich von Bloggern und kleineren Unternehmen genutzt, nun will Google sie gratis anbieten und direkt mit Youtube verknüpfen. (Mashable)

Kapital: In der Öffentlichkeit ist es um die einst als “Revolution” gefeierte Möglichkeit, Videos interaktiv zu gestalten, ein weniger ruhiger geworden, hinter den Kulissen der Branche wird allerdings weiter heftig an der Technologie und ihrer Einsatzmöglichkeit im Web und TV gearbeitet. Eines der führenden Unternehmen auf diesem Gebiet, die amerikanische Rapt Media hat jetzt über drei Millionen Dollar für Weiterentwicklungen ihrer Tools eingesammelt, die vor allem für Werbekunden attraktiv sind. (VentureBeat)

Weiterbildung: Spiegel Online will seine Reporter darin schulen, mit dem Smartphone eigene Videos drehen zu können. Das kündigte SPON-Vize Florian Harms im Interview mit W&V an: “Wir werden das Thema Video viel stärker als bislang entwickeln und dabei die ganze Redaktion einbeziehen”, so Harms.

Migration: Ein Großteil der 82.000 Neukunden, die Sky Deutschland im 2. Quartal 2014 gewonnen hat, waren ehemalige “Liga-Total”-Nutzer der Telekom, die mit einer unkomplizierten, kostenneutralen Übernahme ihres Pakets zu Sky gelockt werden konnten. Insgesamt zählt der PayTV-Sender nun über 3,8 Millionen Abonnenten, darunter erstaunliche 2,2 Millionen, die das teure HD-Angebot nutzen. (Horizont)

Unverzichtbar: Internet und TV sind für die meisten Deutschen die mit Abstand wichtigsten Mediengattungen. Das ergab eine Umfrage von TNS Infratest. Erst in deutlicher Distanz folgen Tageszeitung und Radio.

Lesetipp: Die Digitalisierung führt auch im Bewegtbildbereich zu einer Flut von Inhalten, mal mehr, mal weniger kreativ und professionell produziert. Der Videocontent-Boom im Netz hat aber mit dem dahergehenden, dramatischen Preisverfall auch eine riesige Schattenseite. Wie man es als Webvideo-Produzent (oder als Marketingverantwortlicher) schafft, sich von der Masse abzuheben und bei Preisverhandlungen und Budgetplanungen dem Vorurteil “Online = billig” zu entgehen, schildert Hannes Jakobsen, Content-Chef beim Berliner MCN Divimove, in seinem Linkedin-Blog.

NewTV nach Aereo – die Disruption geht weiter

"SimpleTV"-Box: Die Disruption geht weiter

“SimpleTV”-Box: Die Disruption geht weiter

Konkurrenz: Auch nach dem Aus für den TV-Streaminganbieter Aereo geht in den USA der Wettbewerb zwischen den traditionellen Fernsehsystemen und neuen, webbasierten Anbietern unvermindert weiter, berichtet die New York Times in einem ausführlichen Analysestück. Schon bald dürften Services wie der Settop-Box-Anbieter “Simple.TV” mit neuen Technologien massiv in das fast 170 Milliarden Dollar schwere TV-Geschäft eindringen. Diese Disruption werde schon zeitnah viele der bislang als ehern geltenden Gesetze des Fernsehbusiness sprengen, so die NYT.

Premiere: Immer mehr US-Fernsehsender präsentieren die ersten Folgen ihrer neuen Serien im Web, meistens auf Youtube. Der PayTV-Kanal HBO hat sich für die Bewerbung seines neuen Mysticaldramas “The Leftover” nun einen anderen Online-Partner ausgesucht: Yahoo wird die Premiere auf seiner “Screen”-Plattform zeigen, ein weiterer Erfolg für die Bewegtbildoffensive des Webkonzerns. (Tubefilter)

Umgeschaltet: Der amerikanische Touristikkonzern Royal Caribbean hat bei dem Multichannel Network “AwesomenessTV” zwei Teenager-Serienformate für Youtube in Auftrag gegeben. Bemerkenswert: Der dafür nicht genau bezifferte Beitrag “in signifikanter Höhe”, so eine Unternehmenssprecherin, sei aus dem Etat für traditionelle Fernsehwerbung “herausgelöst” worden. (Adage.com)

Forderung: Nach ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling appelliert nun auch Tobias Schmidt, Vorstandsvorsitzender des VPRT, die Wettbewerbsregeln für die heimischen Fernsehkonzerne zu lockern. Sonst sei man hierzulande im Kampf mit internationalen Konzernen wie Google benachteiligt. “Man kann nicht zwei Leute in die Arena lassen, aber nur dem einen eine Eisenkugel ans Bein binden“, erklärte Schmidt im Interview mit W&V. Bei Bewegtbild-Werbung dürfe zum Beispiel Youtube vieles, was per Gesetz deutschen TV-Sendern untersagt sei. “Google hat sich das zwar nicht ausgedacht”, kritisiert Schmid, “aber profitiert davon”. (WuV.de)

Rekord: Das Spiel USA gegen Deutschland bei der Fußballweltmeisterschaft hat in den USA neue Onlinevideo-Bestwerte aufgestellt: Mit über 3,2 Millionen Web-Zuschauern verzeichnete der übertragende Sender ESPN die mit Abstand höchste Abrufzahl in der Geschichte des Senders. Der bisherige Höchstwert lag bei 2,1 Millionen Zuschauern während des olympischne Eishockeyspiels Kanada gegen die USA. Allerdings litt der ESPN-Stream aus Brasilien unter dem hohen Andrang und brach mehrfach ab. (Variety)

Krise: Die lokalen und regionalen Fernsehsender in Deutschland senden immer aus dem Abseits. Mehr als 10 Prozent der Kanäle mussten allein 2013 ihren Betrieb einstellen. Schon über 30 Regionen Deutschlands werden nicht mehr mit einem lokalen TV-Programm versorgt. (Digitalfernsehen.de)

Begehrt: Die WM-App der ARD wurde bis Ende vergangener Woche bereits 1,3 Millionen Mal heruntergeladen und installiert. Auch das ZDF feiert mobile Erfolge: Die mit WM-Features aufgepeppte Mediatheken-App konnte seit Turnierbeginn 650.000 neue Nutzer gewinnen. (Digitalfernsehen.de)