Home / Youtube (page 4)

Youtube

Keine Sperrtafeln mehr? GEMA siegt gegen Youtube vor Gericht

Youtube-GEMA-Sperrtafel: "Illegale Anschwärzung und Herabwürdigung"

Youtube-GEMA-Sperrtafel: “Illegale Anschwärzung und Herabwürdigung”

Überraschende Schlappe für Youtube: Das Landgericht München hat der Videoplattform untersagt, seine sogenannten GEMA-Sperrtafeln weiter zu benutzen. Die Tafeln seien illegale Anschwärzung und Herabwürdigung, so das Landgericht.

Der GEMA-Youtube-Streit ist schon legendär: Bei der Suche nach Musikvideos findet der User auf YouTube statt Musik häufig folgenden, in der User-Szene schon berühmt-berüchtigten Hinweis: “Dieses Video ist in Deutschland leider nicht verfügbar, da es möglicherweise Musik enthält, für die die erforderlichen Musikrechte von der GEMA nicht eingeräumt wurden. Das tut uns leid.”  Dagegen hatte die GEMA geklagt, weil nicht sie, sondern Youtube selbst die Videos sperre, die Tafel aber genau das Gegenteil suggeriere.

Das Landgericht München urteilte nun tatsächlich, dass diese  Sperrtafeln eine “absolut verzerrte Darstellung der rechtlichen Auseinandersetzung zwischen den Parteien zu Lasten der GEMA” sei. Durch die Verwendung der Sperrtafeln würde die GEMA herabgewürdigt und angeschwärzt, begründet das Gericht weiter.

Offizielle Vertreter von YouTube verwiesen darauf, zunächst die Urteilsbegründung prüfen zu wollen. Man behalte sich eine Revision des Urteils vor. Die Sperrtafeln dienten vor allem zur Information: “Zur besseren Erläuterung informieren wir unsere Nutzer über den Hintergrund einer Sperrung von Videos mit einem entsprechenden Hinweis. So auch im Fall der GEMA.”

 

 

Gemeinsam gegen die Krise: Webvideo-Branche im Umbruch

Mediakraft-Star "LeFloid": Harter Konkurrenzkampf auf Youtube

Mediakraft-Star “LeFloid”: Harter Konkurrenzkampf auf Youtube

Die Meldung kam überraschend, und sie kann zu einem Meilenstein für die digitale Bewegtbildlandschaft werden: Neun große Webvideo-Netzwerke (sogenannte MCNs) aus den USA haben sich zur “Global Online Video Association” (GOVA) zusammengeschlossen, einer weltweit agierende Interessenvertretung der Webvideo-Branche. Der Verband wolle sich zunächst vor allem für eine Angleichung  technischer Standards und einer signifikanten Verbesserung der Vermarktungssituation im Online-Bewegtbild einsetzen, ließen GOVA -Vorstandsmitglieder verlauten.

Die Gründung der GOVA spiegelt paradoxerweise sowohl das wachsende Selbstbewusstsein der noch jungen Branche, als auch ihre Probleme wider: Zum Einen drängen immer mehr klassische TV-Vermarkter ins Web und verschärfen die Konkurrenzsituation dort immens. Zum anderen sind trotz nach wie vor boomender Entwicklung auf der Userseite, nachhaltige Finanzierungsmodelle noch kaum etabliert, der erfolgsverwöhnten Onlinevideoszene droht eine erste echte Krise. Vor allem der Preisverfall bei der Videowerbung auf der größten Plattform Youtube, aber auch anderswo, zwingt die Netzwerke, die sich bislang untereinander nicht sonderlich kooperativ gegeben haben, neue Wege zu gehen.

Große deutsche Webvideo-Netzwerke äußern sich positiv über den neuen Lobbyverband. So unterstreicht Christoph Poropatits, Vizepräsident des Marktführers “Mediakraft”: “Die GOVA ist eine tolle Initiative.” Das Mediakraft-Netzwerk, das führende Youtube-Künstler wie  Y-Titty oder LeFloid unter Vertrag hat, stehe im engen Kontakt zu den GOVA-Mitgliedern und arbeite schon jetzt “mit vielen MCNs zusammen, sowohl bei der gegenseitigen Erweiterung der Zielgruppen als auch auf der Ebene der Künstler”.  Diese Zusammenarbeit wolle man in Zukunft noch intensivieren, so Poropatits.

Auch Claudia Murawski vom Berliner Netzwerk “Divimove”, dem größten europäischen MCN, spricht von einem “positiven Zeichen einer sich entwickelnden Industrie”. Der Start von GOVA setze neue Standards, so Murawski weiter:  “Er gibt den MCNs die Möglichkeit, in die wichtigen digitalen Medienunternehmen zu wachsen, die sie sind.” Auch Divimove könnte sich eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Netzwerken vorstellen. Man untersuche dafür schon jetzt “die Möglichkeiten für den europäischen Online-Video-Markt.”

Für Markus Hündgen, den Geschäftsführer der European Web Video Academy (EWVA) und einen der besten Kenner der Szene, ist eine verstärkte Kooperation zwischen den Netzwerken mehr als dringend erforderlich: “Wir wissen seit geraumer Zeit um die drückenden Probleme der Videoproduzenten und ihrer Netzwerke.” Hündgen kündigt deshalb (“als neutrale Instanz”) eine eigene Initiative der EWVA an: “Wir werden am Vortag des Webvideopreises, also am 23. Mai,im Rahmen eines Summits zum ersten Netzwerk-Gipfel nach Düsseldorf einladen. Auf der Tagesordnung stehen unten anderem die sinkenden Werbeerlöse auf YouTube und ihre Folgen für unsere Branche.”

Ralf Klassen

Jeden Morgen frische Nachrichten aus der Webvideo- und NewTV-Szene per Mail gefällig? Dann abonnieren Sie doch unseren Newsletter.

“Eines Tages, Baby…”: Der Überraschungs-Web-Hit von Julia Engelmann

Das Internet schreibt ja, gerade wenn Youtube vorne drauf steht, die sensationellsten Erfolgsgeschichten. Innerhalb weniger Stunden kann ein Video förmlich durch die Sozialen Netze fliegen, zehn-, hunderttausende Abrufe einsammeln, oft auch ohne, dass man so richtig weiß, warum. Mit diesem Video, dass die 21-jährige Bremer Schauspielerin und “Poetry Slammerin” Julia Engelmann zeigt, ist das anders.

Update 21.01.: Mittlerweile ist vor allem im Netz ein heftiger Streit über das Video ausgebrochen. Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: “Hype, Hass und Häme – der Netzkrieg um Julia Engelmann”

Denn ihr selbst geschriebener Text, den sie bei einem Auftritt vergangenes Jahr an der Bielefelder Uni rund sechs Minuten lang vortrug, hat alle Zutaten, ein großer Webhit zu werden: Ihr Gedicht mit dem sperrig angelegten Titel “One Day / Text-Reckoning”, das von verpassten Chancen und versäumten Lebensträumen handelt, berührt auf eigenwillige Weise. Es ist sentimental, ohne rührselig zu sein. Trotzig, ohne vorgetäuschte Wut. Optimistisch, aber nicht juvenil fröhlich.

Warum der Clip aber ausgerechnet jetzt, sechseinhalb Monate nach seiner Veröffentlichung, zu einem solchen Erfolg wird, gehört zu den Geheimnissen des viralen Daseins. Jedenfalls hat Julia Engelmann, die nach einer Zeit als Schauspielerin bei der RTL-Soap “Alles was zählt” nun Psychologie in Bremen studiert, nicht nur Teenies, sondern (zunächst wenigstens) auch schon gestandene Medienleute in Verzückung versetzt. Passiert ja auch eher selten.

 

Und hier ist nun das Video, um das es geht.

Und hier der  Text, noch einmal zum Nachlesen:

“One day / Reckoning-Text”

Eines Tages, Baby, werden wir alt sein und an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können. Ich bin der Meister der Streiche, wenn’s um Selbstbetrug geht. Bin ein Kleinkind vom Feinsten, wenn ich vor Aufgaben steh.

Bin ein entschleunigtes Teilchen, kann auf keinsten was reißen. Lass mich begeistern für Leichtsinn, wenn ein anderer ihn lebt.

Und ich denke zu viel nach, ich warte zu viel ab, ich nehm mir zu viel vor. Ich mach davon zu wenig. Ich halt mich zu oft zurück. Ich zweifle alles an. Ich wäre gerne klug – allein das ist schon dämlich.

Ich würde gerne so viel sagen aber bleibe meistens still weil wenn ich das alles sagen würde wäre das viel zu viel. Ich würde gern so vieles tun. Meine Liste ist so lang aber ich werd eh nie alles schaffen. Also fang ich gar nicht an.

Stattdessen häng ich planlos vorm Smartphone, wart bloß auf den nächsten Freitag. “Ach das mach ich später” ist die Baseline meines Alltags. Ich bin so furchtbar faul wie ein Kieselstein am Meeresgrund, ich bin so furchtbar faul mein Patronus ist ein Schweinehund.

Mein Leben ist ein Wartezimmer, niemand ruft mich auf. Mein Dopamin das spar ich immer falls ich’s noch mal brauche.

Eines Tages werde ich alt sein, oh Baby werde ich alt sein. Und an all die Geschichten denken die ich hätte erzählen können. Und du? Du murmelst jedes Jahr neu an Silvester die wieder gleichen Vorsätze treu in dein Sektglas und Ende Dezember stellst du fest, dass du Recht hast, dass du sie dieses Jahr wieder vercheckt hast.

Dabei sollte für dich 2013 das erste Jahr vom Rest deines Leben werden. Du wolltest abnehmen, früher aufstehen, öfter rausgehen, mal deine Träume angehen, die Tagesschau sehen, für mehr Smalltalk, Allgemeinwissen. Aber so wie jedes Jahr obwohl du nicht damit gerechnet hast kam dir wieder mal dieser Alltag dazwischen.

Unser Leben ist ein Wartezimmer. Niemand ruft uns auf. Unser Dopamin das sparen wir immer falls wir’s noch mal brauchen. Wir sind jung und haben viel Zeit. Warum sollen wir denn was riskieren? Wollten doch keine Fehler machen. Wollen auch nichts verlieren und es bleibt so viel zu tun, unsere Listen bleiben lang und so geht Tag für Tag ganz still ins unbekannte Land.

Und eines Tages, Baby, werden wir alt sein, oh Baby, und an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können.

Und die Geschichten die wir stattdessen dann erzählen werden, werden traurige Konjunktive sein wie “Einmal bin ich fast nen Marathon gelaufen und hätte fast die Buddenbrooks gelesen und einmal wär ich beinah bis die Wolken wieder lila waren noch wach gewesen und fast, fast hätten wir uns mal demaskiert und gesehen wir sind die gleichen.”

Und dann hätten wir uns fast gesagt wie viel wir uns bedeuten, werden wir sagen. Und dass wir bloß faul und feige waren, das werden wir verschweigen und uns heimlich wünschen noch ein bisschen hier zu bleiben.

Wenn wir dann alt sind und unsere Tage knapp, und das wird sowieso passieren, dann erst werden wir kapieren – wir hatten nie was zu verlieren denn das Leben das wir führen wollen, das können wir selber wählen.

Also lass uns doch Geschichten schreiben, die wir später gern erzählen. Lass uns nachts lange wach bleiben aufs höchste Hausdach der Stadt lachend und vom Takt frei die tollsten Lieder singen. Lass uns Feste wie Konfetti schmeißen, sehen wie sie zu Boden reisen und die gefallenen Feste feiern bis die Wolken wieder lila sind. Und lass mal an uns selber glauben.

Ist mir egal ob das verrückt ist und wer genau guckt sieht, dass Mut auch bloß ein Anagramm von Glück ist. Und wer immer wir auch waren, lass mal werden wir wir sein wollen.

Wir haben schon viel zu lang gewartet. Lass mal Dopamin vergeuden.

Der Sinn des Lebens ist Leben. Das hat schon Casper gesagt.

Let’s make the most of the night, das hat schon Kesha gesagt.

Lass uns möglichst viele Fehler machen und möglichst viel aus ihnen lernen. Lass uns jetzt schon Gutes sähen, damit wir später Gutes ernten. Lass uns alles tun, weil wir können und nicht müssen. Weil… jetzt sind wir jung und lebendig und das soll ruhig jeder wissen und unsere Zeit, die geht vorbei. Das wird sowieso passieren und bis dahin sind wir frei. Und es gibt nichts zu verlieren.

Lass uns uns mal demaskieren und dann sehen wir sind die Gleichen und dann können wir uns ruhig sagen, dass wir uns viel bedeuten. Denn das Leben das wir führen wollen, können wir selber wählen.

Also los. Schreiben wir Geschichten, die wir später gern erzählen.

Und eines Tages Baby, werden wir alt sein, oh Baby, werden wir alt sein und an all die Geschichten denken, die für immer unsere sind.

 

 

Update 13.02.2014: Nach einer Berechnung des Medienportals “Meedia” ist die erste Geschichte von stern.de (“Dieses Video könnte ihr Leben ändern”) , die sich mit dem Auftritt von Julia Engelmann beschäftigte, der mit Abstand am häufigsten, nämlich knapp 300.000 Mal, in den deutschsprachigen sozialen Netzwerken geteilte, gelikete und verlinkte Text aller Zeiten. Der Artikel selber wurde 1,3 Millionen Mal gelesen.)

Update 20.05.2014: Mittlerweile hat Julia Engelmann auch ein Buch mit ihren gesammelte Poetry-Slam-Texten veröffentlicht, aber in gedruckter Form kommt “One Day, Baby” nicht bei allen gut an.

Nach Microsoft nun Vorwürfe gegen EA: Wie echt (oder gekauft) sind Spieletests im Netz?

Wie wahrhaftig sind die Rezensionen über neue Spiele, Konsolen, Hard- oder Software im Netz? Nachdem am Anfang der Woche bekannt wurde, dass Microsoft über das Youtube-Netzwerk Machinima etliche Spieletester extra dafür entlohnt hatte, positiv über die neue “X-Box One” zu berichten, ist nun auch das Game-Konzern Electronic Arts (EA) betroffen: Wie das Tech-Portal “The Verge” berichtet, hat EA sogar ein eigenes Programm namens “Ronku” aufgesetzt, um eine wohlwollende Berichterstattung, vor allem auf Youtube, zu initiieren.

Angebliche Vereinbarung zwischen Electronic Arts und Spieletestern: "Nicht auf Fehler fokussieren"

Angebliche Vereinbarung zwischen Electronic Arts und Spieletestern: “Nicht auf Fehler fokussieren”

Immerhin 10 Dollar für 1000 Klicks auf das Video spendiert EA den Spieletestern – ein für Youtube-Verhältnisse sehr üppiges Honorar. Dafür sind die Videoproduzenten allerdings gehalten, einige “Richtlinien” bei der Produktion einzuhalten. Laut einem ebenfalls von “The Verge” veröffentlichten, angeblich internen Memo (s.Bild links) schlägt EA detailliert vor, welche Aspekte eines Spieles (hier “Battlefield 4 – Levolution”) denn am besten in der Videorezension vorkommen sollten (“Bring down the base”, “Flood the streets”).  Untersagt dagegen sei es, den Fokus der Berichterstattung auf Fehler (“Glitches”) zu legen.

Nun ist bezahlte oder anderweitig entlohnte Produkt-Berichterstattung im Netz überhaupt nichts Unbekanntes, auch nicht in Deutschland. Die PR-Abteilungen der Unternehmen haben die Vorteile dieses “Stealth Marketing” in der Netzszene schon lange erkannt und versorgen prominente Tester mit allerlei Goodies. Allerdings gibt es auch Grenzen. So müssen, nicht nur in den USA, gesponsorte Berichte eindeutig gekennzeichnet werden. Microsoft und EA berufen sich auch darauf, darauf stets strengstens hinzuweisen. Dagegen sprechen jedoch einige Passagen aus den von “The Verge” veröffentlichten Dokumenten, in denen die Youtuber auf absolute Geheimhaltung über die Details des “Ronku”-Programms verpflichtet werden.

Jedenfalls ist die ganze Angelegenheit heikel, auch für Youtube selbst übrigens. Gerade eben hatte man die Abmahnwelle gegen die Produzenten von “Let’s play”-Videos wegen vermeintlicher Urheberrechtsverletzungen halbwegs überstanden, nun steht eine neue Diskussion ins Haus. Denn Microsoft und EA dürften nur die prominenten Spitzen eines Eisberges sein.

Hype, Hass und Häme: Der absurde Netzkrieg um Julia Engelmann

Julia Engelmann bei ihrem nun viel diskutierten Auftritt in Bielefeld.

Julia Engelmann bei ihrem nun viel diskutierten Auftritt in Bielefeld.

Eines Tages, Baby…der kam früher, als man dachte. Wohl selten ist ein Youtube-Phänomen so schnell und so gründlich durch alle Phasen gelaufen, die ein Webvideo-Erfolg heutzutage oft durchlebt: Hype, Hass und Häme. Innerhalb von wenigen Tagen erlebte Julia Engelmann, wie aus ihrem lange kaum beachteten Auftritt bei einem Poetry-Slam-Fest an der Bielefelder Uni zunächst ein Hit mit ein paar zehntausend Abrufen wurde, dann ein Hype einsetzte, der “One Day / Reckoning Text” auf fast drei Millionen Abrufe katapultierte.

Der Erfolg (und die damit unvermeidliche verbundene Allgegenwart) des Videos im Netz rief wiederum all jene auf den Plan, denen allzu große Popularität reflexartig verdächtig erscheint. Munitioniert mit den üblichen Floskeln (“Vollkommen überbewertet”, “total naiv”, “Ach, Gottchen”) wurde das Video und Engelmanns Text abgekanzelt – und all jene mit dazu, die in den fünf Minuten Vortrag nicht mehr und nicht weniger sahen als den unterhaltsamen Auftritt einer 21-Jährigen, die durchaus frisch und intelligent alte Probleme der Menschheit (Geplatzte Träume, Trägheit im Alltag, Sehnsucht nach Glück) per Poem interpretierte. Das sei doch “keine Hochkultur” höhnte es jetzt, und die Tatsache, dass das weder Julia Engelmann noch sonst jemand zuvor behauptet hatte, störte die Kritiker nicht. Im Gegenteil, der Ton wurde noch schärfer. Da konnte man doch einigen beim Abarbeiten eigener Probleme (s.o) zusehen.

So weit, so leider ganz normal im Netz dieser Tage, wo der Krieg um die Deutungshoheit (und ein bisschen Applaus von der eigenen Filterbubble) immer schärfer geführt wird.

Ein Höhepunkt in dieser Reihe war allerdings der Meinungsbeitrag von SZ-Feuilletonredakteur Fritz Göttler, der der “gelernten Schauspielerin” Engelmann tatsächlich doch im Ernst vorwarf, den Vortrag durch und durch “kalkuliert” und professionell abgespult zu haben. Und auch ZDFneo-Hoffnungsträger Jan Böhmermann, eigentlich mit Intelligenz und Differenzierungsvermögen ausgestattet, kühlte sein Mütchen am Video aus Bielefeld in einer eilig zusammengezimmerten “Parodie” ab: “Eines Tages, Baby, werden wir alt sein, Baby und an die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können, wenn wir nicht andauernd volkstümliche Rührbröckchen bei Youtube geguckt hätten”.

Es ist nicht bekannt, ob Böhmermann dazu selbst schon gekommen ist.

Erfolgsstory “AVbyte”: Musical meets Youtube

avbyte3Es ist eine dieser wundersamen Erfolgsgeschichten, die so wohl nur das Netz erleben kann. Oder hätte es in den traditionellen Unterhaltungsmedien eine Chance gegeben für zwei knapp 20-Jährige, die die fixe Idee hatten, das Genre Musical für junge Zuschauer zu retten? Mit Themen wie Computerspielen, Internetportalen oder TV-Serien? Wohl eher nicht.

Vijay und Antonius Nazareth (Bild oben) jedenfalls hatten diese Idee. Söhne eines Dirigenten, geboren in Italien, dann mit der Familie auf Wanderschaft durch Europa: Monaco, Frankreich, Wien und Freiburg, wo Antonius 13-jährig, hochtalentiert und mit Sondergenehmigung einen Bachelorstudiengang als Pianist abschloss. Vor einigen Jahren zog es bei nach New York, zum Film- (Vijay) und Klavier- (Antonius) Studium. Beides verbanden sie mit ihrer Leidenschaft für Musicals und fingen an, Youtube-Videoclips mit eigenen Kompositionen zu drehen. Auch mit Hilfe vieler Freunde und Studienkollegen – schließlich ist New York voll mit hoffnungsvollen Talenten, die beim kriselnden, traditionellen Broadway-Geschäft nicht leicht Jobs finden.

Der wichtigste Erfolgsfaktor aber bei den Nazareth-Produktionen ist, dass sie zu klassischen Melodien Themen bearbeiten, die nicht klassisch sind. Die aber junge Leute ansprechen – und so für schnelle Verbreitung im Netz sorgen. Mittlerweile entstehen unter der Markennamen “AVbyte” allwöchentlich zwei bis drei Clips, die immer professioneller und aufwendiger werden. Der Youtube-Kanal hat 400.000 Follower, die Spitzenvideos erreichen Abrufzahlen von mehreren Millionen. Und natürlich sind die Nazareth-Brüder längst ins Visier der “großen” U-Industrie geraten, diverse Musiksender haben Angebote unterbreitet, ebenso große Filmproduktionen.

Doch noch haben die Nazareths alle Offerten ausgeschlagen. Zu wichtig sei ihnen, sagen sie, ihre künstlerische Freiheit. Das klingt normalerweise zu romantisch für das große Geschäft, aber diesen Brüder traut man ab, dass sie ihr Ding wirklich konsequent allein durchziehen werden. Und wer weiß, möglicherweise macht jemand aus der Geschichte von “AVbyte” ja auch bald ein eigenes, modernes Musical.

Hier sind noch ein paar typische Produktion aus der “AVbyte”-Schmiede:

Ein Musical-Song über ein Computerspiel? Ja, das geht. Gut sogar. Und die Freundin bekommt eine Hauptrolle…

Als Internetstars nimmt man natürlich ab und an auch das Netz und seine Giganten unter die Lupe, wie bei diesem Clip über Facebook.

Auch Google hat schon einen “AVbyte”-Song abbekommen.

Der bislang erfolgreichste Clip der Nazareth-Brüder: Die “Hipster Disney Prinzessin”

Und auch die aktuelle “Sherlock”-Staffel bliebt nicht unbesungen – mit erstaunlichen Look-a-like-Talenten.

Comedyformat über die Kommentare-Kriege auf Youtube

Das hat wirklich noch gefehlt auf Youtube: Ein Video-Format, das die User-Kämpfe in den Kommentarspalten des Videonetzwerkes in Drama-Qualität nachspielt. Vor wenigen Tagen erst ist die Premierenfolge der “YouTube Comment Reconstruction”-Serie der britischen Webcomedy-Truppe “Dead Parrot” online gegangen und hat bereits fast eine halbe Millionen Abrufe. Auch, weil der verbale Schlagabtausch sehr gut ausgewählt ist. Read More »