Home / Video des Tages – das Beste aus Web und TVpage 10

Video des Tages – das Beste aus Web und TV

Amazon hin, Deutsche Post her – man kann viel interessantere Dinge mit Drohnen machen, als Pakete vor die Haustür zu legen. Und schlimmere. Der Youtuber Alex Cornell hat – unter Missachtung der US-Flugaufsichtsregeln – eine filmische Vision umgesetzt, darüber, wie unsere allzeit von fliegenden Augen überwachte Zukunft aussehen könnte. Faszinierend, aber erschreckend.

Angsthasen auf vier Pfoten
“Cat-Content is King” lautet eine alte Weisheit des Internets. Beinahe alles, was über die Freunde mit den Samtpfoten publiziert wird, ist ein Erfolg. Aber nicht alle Lebewesen dieses Planeten mögen Katzen, wie die herrliche Clipsammlung “You shall not pass, dog!” beweist. So mancher Hund nämlich kommt mit “King Cat” im eigenen Haus überhaupt nicht klar.

Dass man in den USA ganz eigene militärische Traditionen und Ehrbezeugungen pflegt, ist hinlänglich bekannt. So gehört zum Beispiel zu beinahe jedem Footballspiel der Überflug von Kampfjets des lokalen Geschwaders über das jeweilige Stadion zwingend mit dazu, auch zum Gefallen der meisten Zuschauer. Doch ein aktueller Showauftritt der US Airforce empört nun selbst Patrioten.

Seit 1955 nämlich versorgt das “North American Aerospace Defense Command” (NORAD), das militärische Luftüberwachungkommando, die amerikanischen Kinder mit genauen Informationen über die Flugroute, die Santa Claus zu Weihnachten mit seinem Schlitten über dem nordamerikanischen Kontinent einschlägt, der “NORAD Santa Tracker” gehört zur uramerikanischen Weihnacht einfach dazu.

In diesem Jahr allerdings herrscht helle Aufregung um diesen militärischen Service für aufgeregte Kinder. Denn NORAD veröffentlichte ein Webvideo, das den Santa-Schlitten eskortiert von zwei Kampfjets zeigt. Zu viel für Kinderschützer und Psychologen, die die Verquickung von militärischen Gehabe mit Weihnachten für komplett verfehlt halten.

Die NORAD-Chefs reagierten auf die Kritik eher lakonisch: “Wir möchten nicht unsere wahre Aufgabe verschleiern, auch nicht vor Kindern. Es ist schließlich wie Werbung.”, verteidigte ein Sprecher das umstrittene Video. Und NORAD hat noch mehr zu bieten: In einem anderen Video bestätigten US-Geheimdienstler (etwa die NSA?), dass der anfliegende Santa Claus keine Gefahr darstellt.

Dazu hätte es womöglich keine Spione gebraucht.

http://www.youtube.com/watch?v=GhTLGBq-Uyg

Wann immer ein neuer Film in die Kinos kommt, wiederholen sich die stereotypen Rituale der Werbekampagnen. Erst werden Trailer veröffentlicht, dann “lustige” oder “spannende” Details der Dreharbeiten bekannt, schließlich starten die Schauspieler auf weltweite Promotiontour, die außer streng kontrollierten Interviews meist nichts zu bieten haben. Und genau darauf hatte Will Ferrell anscheinend keine Lust mehr.

Für seinen neusten Film “Anchorman2″, die Fortsetzung der Erfolgskomödie über den 70-Jahre-Fernsehmoderator “Ron Burgundy” absolviert der Schauspieler bereits seit Wochen eine Promotour ganz eigener Art: Er taucht als “echter” Charakter Burgundy regelmäßig im US-Fernsehen auf. Mal als ESPN-Gastkommentator beim Curling, mal bei den MTV Music Awards mit Daft Punk. Und er scheut auch nicht den Weg in die TV-Provinz. So moderierte er nun beim Sender “KX News” in North Dakota die Abendnachrichten. Das war zum einen sehr amüsant, zum anderen sehr aufschlussreich. Denn beim Auftritt des Retro-Anchors “Ron Burgundy” merkte man deutlich, wie wenig sich die klassischen US-TV-News in den vergangenen 40 Jahren verändert haben. Aber das war sicherlich auch ein Zweck der Unternehmung.

Um im Berliner Problembezirk Wedding Polizist zu sein, braucht es eine Menge von ganz speziellen Kompetenzen. Frustrationstoleranz, Stressimmunität und interkulturelles Verständnis zum Beispiel. Nun kommt womöglich bald eine neue Fähigkeit hinzu: Rap-Songs zu komponieren.

Das demonstriert zumindest ein jetzt öffentlich gewordenes Werk eines unbekannten Polizisten, der die Arbeit seiner Kollegen im so genannten “Abschnitt 36″, eines besonders problematischen Teil Berlins in einem eigenen Song mit dazugehörigem Video verarbeitet hat. Wie der laut Spiegel Online nur für eine interne Feier gedachte Film ins Netz gekommen ist, ist noch nicht geklärt. Ärger von Vorgesetzten droht dem talentierten Beamten “aus der Hooooood” aber nicht.

Während hierzulande Fernsehschaffende bis auf wenige Ausnahmen mit Twitter und dem berühmt-berüchtigten “Second Screen” fremdeln und das Vorlesen von Tweets durch so genannte “Twitter-Tussis”, meist aparte Jungredakteurinnen, das Höchste der Social-Media-Gefühle ist, geht man woanders weitaus kreativer mit dem Phänomen Twitter um.

So ist die Rubrik “Mean Tweets”, bei der Prominente die übelsten Hass-Tweets gegen sich vorlesen, schon ein Klassiker der “Jimmy Kimmel Show”. Aber mit welcher coolen Souveränität und Selbstironie in dieser Woche Stars wie Sharon Stone oder Kevin Bacon heftigste Beleidigungen über sich zitierten, war Entertainment at it’s best.

Wer an den USA verzweifelt in diesen Tagen (und wer tut das nicht?), der findet Trost in dem Country-Song “America sucks less” der Macher von “College Humor”, , einer der besten amerikanischen Satire-Seiten im Netz. Ein hübsch-bös gemachtes Spottlied, das zweierlei beweist. Erstens: Es geht immer noch schlimmer. Und zweitens: Nicht alle Amis sind dumm.

Babyvideos gibt es ja viele auf Youtube und die meisten entfalten ihren Charme wohl vor allem bei der eigenen Familie, die ihren Nachwuchs ja stets durch besonders rosarote Brillen sieht. Aber dieser Film hier, aufgenommen von einer französischen Hebamme, hat die Chance zu einem Klassiker des Genres zu werden. Die beiden Zwillinge, die nicht voneinander lassen können, rühren schon Millionen User weltweit.

Wer in Indien mit Filmen aller Art Erfolg haben will, kommt an den eisernen Drehbuchgesetzen Bollywoods nicht vorbei: Eine junge hübsche Frau muss mithilfe eines ebenso jungen und hübschen Mannes ein (kleines, mittleres, großes) Wunder vollbringen. Manchmal auch umgekehrt. Wichtig noch: Die ganze Familie muss irgendwie beteiligt sein, am Ende liegen sich alle in den Armen. Und wenn dann noch die alte Erbfeindschaft mit Pakistan überwunden wird – umso besser. All diese Regeln hat Google bei seinem neuen Imagefilm “Reunion” für den Subkontinent auch brav auf dreieinhalb Minuten beherzigt. Und dazu noch alle Google-Features und -Hardware mit eingebaut. Mehr geht nun wirklich nicht. Zum Heulen.

Italienische Fußballer gelten in Fankreisen ja schon länger als “Leichtumfaller” und “Schauspieler”. Aber was sich am vergangenen Wochenende beim Match zwischen Salernitana und Nocerina in der dritten Liga abspielte, war einmalig. Und hatte leider einen traurigen Hintergrund.

Weil den Ultra-Fans von Nocerina wegen vorheriger Ausschreitungen verboten worden war, zum Spiel anzureisen, sorgten sie auf eine andere Art für einen Spielabbruch: Sie bedrohten ihr eigenes Team so massiv, dass die Spieler vor Angst ständig Verletzungen vortäuschten, um ausgewechselt zu werden. Als nur noch sechs Spieler von Nocerina auf dem Platz standen, musste der Schiedsrichter das Match den Regeln nach abbrechen. Die genauen Hintergründe dieser Farce hat die “Irish Time” hier zusammengefasst. Aber die Bilder der “Verletzungsorgie” sprechen auch für sich.

So ein Leben als Pop-Video-Bitch ist schon hart: Ständig in knappsten Kostümchen herumposen, den Hintern wackeln oder an Tänzern reiben, an Hämmern oder ähnlichem Männerwerkzeug lecken und mit möglichst schmutzig-laszivem Blick in die Kamera schauen – das muss man erst mal draufhaben als junge Frau mit Starallüren von heute. Popstar Lily Allen hat sich mal so ihre Gedanken über die künstlerische Arbeit der Kolleginnen gemacht. We like.

Kommen zwei Kiffer zu Edeka… Okay, bevor jetzt einige hier meckern: Ja, der Spot ist schon etwas älter. Vom Mai diesen Jahres genauer gesagt. Da lief der von der Hamburger Agentur Jung von Matt tatsächlich für Edeka erdachte Werbefilm mit den zwei Grasfreunden im Kinovorprogramm von “Hangover 3″. Wo er bestens aufgehoben war, aber ihm niemand wirklich Beachtung schenkte. Mittlerweile aber findet der Spot viral seinen Weg durch die Youtube- und Social-Media-Welten. Und das klappt ja längst nicht bei jedem “viral” gedachtem Werberwerk.

Was für ein Wutausbruch: Als habe Rob Ford nicht schon genug Probleme, ist in dieser Woche auch noch ein Video aufgetaucht, das den Bürgermeister von Toronto noch mehr in Schwierigkeiten bringen wird. Die hatte Ford eh schon en masse nach seinem Eingeständnis, regelmäßig Drogen zu nehmen. Nun also dieser heimlich aufgenommene Film von einem nahezu komplett ausrastenden Bürgermeister, der jemanden offensichtlich sehr an den Kragen will. Von der örtlichen Zeitung auch noch zum besseren Verständnis untertitelt. F***.

Wenn man mal ehrlich ist: Für solche wilden Sachen sind doch die GoPros erfunden worden. Oder was immer an Equipment diese Parcour-Jungs bei ihrem Freerun über den Dächern von Moskau da auf dem Kopf haben. Spektakulär.

Die dümmste Fahrerflucht des Jahres… fand wohl neulich in Chicago statt. Besonders rührend ist der hilflose Versuch des Passanten (wohl der Fahrer des zuerst gerammten Taxis), den SUV mit bloßen Händen – und einem Regenschirm – aufzuhalten. Ab 1:30 wird es richtig bunt. (Bonustrack: Der Streit um die Lizenzrechte für das Video, der in den Kommentaren auf Youtube ausgetragen wird, ist beinahe ebenso unerbittlich)

Eigentor Eigenkorb beim Basketball? Doch, das gibt es…

Auch Japanerinnen lieben (ab und zu jedenfalls) einen großen saftigen Burger. Das Problem: Die strenge Etikette der japanischen Kultur verbietet es Frauen, in der Öffentlichkeit mit weit geöffneten Mündern zu essen. Doch die “Fastfoodkette” “Freshnesh Burger” erfand einen Ausweg aus dem Dilemma. Ironie inklusive.

Die böse Veralberung von unschuldigen amerikanischen Kindern hat bei Star-Moderator Jimmy Kimmel schon Tradition. Jedes Jahr nach Halloween bittet er die Eltern der Kleinen darum, denen vorzuschwindeln, sie hätten alle gesammelten Süßigkeiten der vergangenen Nacht einfach aufgegessen – und die Reaktion des Nachwuchses darauf zu filmen. Was dabei geschieht, ist mitunter ein Fall für den Kinderschutzbund. Aber immer unglaublich komisch.

Dass wir hier bei OneTV New York Fans sind und besonders gerne Videos über den Big Apple schauen, ist vielleicht bekannt. Die Stadt, die niemals schläft, scheint ein unendlicher Quell für Künstler und Filmemacher zu sein. Dementsprechend groß ist die Auswahl an sehr guten New York Filmen. Aber dieses Werk hier, das aus zusammen geschnittenen Sequenzen von nur einer Sekunde besteht, hat uns dann doch noch einmal mächtig beeindruckt.

Presseschau zum Tatort “Ohnmacht” aus Köln

"Tatort"-Episode "Ohnmacht": zwischen "Schmierenspiel" und Kammerstück (Foto: ARD)

“Tatort”-Episode “Ohnmacht”: zwischen “Schmierenspiel” und Kammerstück (Foto: ARD)

Der “Tatort” aus Köln mit seinen beiden Kommissar-Urgesteinen “Max Ballauf” (Klaus J. Behrendt) und “Freddy Schenk” (Dietmar Bär) ist einer der Dauerbrenner der ARD-Krimiserie.
Nachdem es in den vergangenen Jahren immer öfter Kritik an oft allzu plaktiven und platten gesellschaftskritischen Drehbüchern gegeben hatte, wurde die letzten Folgen von den TV-Kritiker weitaus besser besprochen. Bei der aktuellen Episode “Ohnmacht” allerdings gehen die Meinungen wieder meilenweit auseinander.

Zum Inhalt der Episode schreibt tatort-fans.de:
“Hauptkommissar Max Ballauf hat sich zusammen mit seinem Kollegen Schenk ein wohlverdientes Feierabendbier in der Kölner Innenstadt gegönnt. Auf dem Heimweg wird Ballauf in der U-Bahn Zeuge einer Schlägerei. Ein jugendliches Pärchen prügelt ohne erkennbaren Grund auf einen jungen Mann ein. Der Kommissar überlegt keine Sekunde lang und geht dazwischen. Bei der handfesten Auseinandersetzung erhält Ballauf einen kräftigen Schlag ins Gesicht – und wird direkt vor die U-Bahn gestoßen! Der Kölner Fahnder wird ohnmächtig. Aber er überlebt.”

Das übliche Kölner Krimi-Spiel beginnt: Ballauf darf wegen seiner eigenen Betroffenheit eigentlich nicht ermitteln, macht es aber doch, erste Spuren führen in das traditionell verdächtige Sozioklischee-Milieu, sogar die berühmt-berüchtigte Wurstbude der Kommissare taucht wieder auf…

Hans Hoff kritisiert dann auch folgerichtig auf DWDL.de zunächst die ersten 20 Minuten der Folge sehr heftig als “Schmierenspiel” mit massenhaften “Abschaltimpulsen”, um dann aber zu loben:
“Doch dann passiert etwas, das im deutschen Fernsehen äußerst selten passiert. Es dreht sich was. Unmerklich wandelt sich das Bauerntheater, und auf einmal wird man als Zuschauer hineingezogen in ein dichtes Geflecht aus Anschuldigungen und Abstreitereien, aus Lüge und Wahrheit. Was anfangs wie eine Gewissheit wirkte, steht plötzlich auf wackeligem Boden.”

Auch Christian Buß hebt auf Spiegel Online hervor:
“Eine gute Entscheidung, dass die Verantwortlichen des Kölner “Tatort” weitgehend darauf verzichten, mit handlichen küchenpsychologischen Argumenten das Verbrechen verstehbar zu machen. Gerade für die Figuren Schenk und Ballauf, die Erklärbären des Fernsehkrimis, die in der Vergangenheit oft gesellschaftliche Phänomene freundlich brummend in den dicken Tatzen hin- und herwendeten, bis sie sich in Wohlgefallen auflösten, ist das ein mutiger Schritt.”

Für Kurt Sagatz ist das trotzdem alles ein bisschen zu viel aufgetragen. Im Tagesspiegel mäkelt er:
“Es ist nicht das erste Mal, dass sich speziell der Kölner „Tatort“ mit Kritik an den bestehenden Verhältnissen hervortut. Doch in dem Versuch, die Kluft zwischen Recht und Gerechtigkeit, zwischen elterlicher Fürsorge und übersteigertem Beschützerinstinkt darzustellen, tragen Andreas Knaup (Buch) und Thomas Jauch (Regie) zu dick auf. Zu den vielen Ungereimtheiten dieses Kölner „Tatort“ kommt nun noch hinzu, dass Ballauf nach seinem beinahe tödlichen Ausflug auf die U-Bahngleise ohne psychologische Hilfe im Dienst bleiben darf.”

Und auch Elmar Krekeler ist für Welt.de nicht zufrieden:
“Die schrecklichste aller Schreckenskammern dieses fein in Graublautönen fotografierten “Tatort” (Regie: Thomas Jauch, Kamera: Clemens Messow) ist ein Haus wie eine feste Burg. Aus schweren Steinen, hinter einer schweren, schreckensvollen Tür. Filzpantoffeln stehen bereit. Ein Glastisch blitzt im Wohnzimmer. Eine Puppe liegt erschlagen auf dem Sofakissen. Eine Kernfamilie sitzt im dunstigen Licht. Eine Mutter, die ihr Gesicht niemals über einen Joghurt hängen dürfte, weil er sofort sauer würde. Ein Vater, den die Kältestation, in die sich sein Heim verwandelt hat, in eine hilf- und willenlose Marionette verwandelt hat. Eine Tochter, die aussieht wie die aktuelle Hermine-Granger-Preisträgerin, aber so böse ist wie Lord Voldemorts Enkelin. Dem hätte Drehbuchautor Andreas Knaup vertrauen können. Ohne Not begräbt er das Horrorhaus in Plotgewittern. Man möchte ständig den dramaturgischen Rotstift zücken, umschreiben, die unendlich unlustigen Technikfrotzeleien zwischen der neuen Nerd-Assistentin und den Digitaldeppen Ballauf und Schenk streichen, alles verschlanken, Max auf Moralinentzug setzen.”

"Tatort"-Folge "Ohnmacht" mit Lucie Heinze als neue Assistentin "Miriam Häslich" (Foto: ARD)

“Tatort”-Folge “Ohnmacht” mit Lucie Heinze als neue Assistentin “Miriam Häslich” (Foto: ARD)

Und natürlich ist auch die neue Assistentin von Ballauf und Schenk ein Thema bei den Kritikern. Aber während für die Einen die von Lucie Heinze gespielte “Miriam Häslich” nicht “sehr hübsch, ehrgeizig und selbstbewusst”, ist sie für die Anderen nur “total nervend”. So ist das mit diesem “Tatort” aus Köln: Er spaltet bis in die Nebenrollen.

Wochenrückblick: Das Wichtigste aus der NewTV-Branche

Liebe OneTVMag-Leserinnen und -Leser,

ein Zattoo-Chef, der sich bei seinen Kunden für hohe Preise entschuldigt, (wieder einmal) millionenschwere Kooperationen in den USA und Youtube-Stars, die ihr Karriereglück im klassischen TV versuchen – auch die vergangene Woche der Webvideo- und NewTV-Branche bot wieder jede Menge Gesprächs- und Diskussionsstoff.

Wir haben die News und Analysen der vergangenen sieben Tage wieder für Sie zusammengefasst und wünschen gute Unterhaltung mit der heutigen Weekend-Ausgabe, die sie mit einem Klick auf das untenstehende Foto erreichen. Die einzelnen Artikel können Sie dann innerhalb der Flipboard-Ausgabe mit einem Klick auf die jeweilige Schlagzeile ansteuern.

Beste Grüße aus der Redaktion, einen schönen Sonntag.

OneTV Mag Weekend Edition  11052014

Raubkopierer machen (Werbe)-Kasse

Raubkopierer-Hit "Game of Thrones": Millioneneinnahmen ohne Kontrolle

Raubkopierer-Hit “Game of Thrones”: Millioneneinnahmen ohne Kontrolle

Gekapert: Dank moderner Spot-Einkaufssysteme greifen Videowebsites mit illegalen Bewegtbildangeboten mittlerweile Werbegelder in jährlich dreistelliger Millionenhöhe ab. Das ist das Ergebnis einer von der US-amerikanischen “Digital Citizens Alliance” in Auftrag gegebenen Studie. Die Piratenseiten nutzen dafür die weitgehende Anonymität des Onlinevideowerbegeschäfts aus und verschaffen sich mit einfachen Schwindeleien Kooperationen mit Mediaagenturen, die im Auftrag von großen Kunden Werbespots über das Netz verteilen. Oft sind deren Kontrollen über die Plattformen und ihre Angebote so lax, dass der Schwindel erst nach Monaten auffällt. Betroffen sind auch große Kunden wie Toyota oder Kraft Foods. Und die Betreiber der Raubkopieangebote sind, wenn der Schwindel auffliegt, durch Fakeadressen im Ausland meist nicht mehr auffindbar. (Wall Street Journal)

Lukrativ: Die Maker Studios haben einen umfassenden Kooperationsvertrag mit dem Werbenetzwerk Omnicom geschlosssen, in Höhe eines “niedrigen achtstelligen Dollarbetrages”, wie es heißt. Für das gerade erst von Disney gekaufte Multichannel Network war es der erste Deal dieser Art. Omnicom kauft neben lukrativen Werbeplätzen im Maker Netzwerk auch Stars der MCNs als Werbefiguren ein. (Adage)

Verlängert: HBO hat den Vertrag mit der derzeit schwer angesagten “New Journalism”-Marke “Vice” um zwei Jahre erweitert. Die New Yorker Videojournalisten mit dem Faible für harte Kriegseinsätze oder Storys aus dem “Urban Underground” werden pro TV-Saison bis zu 14 Dokumentation bei HBO zeigen dürfen. (Tubefilter)

Baukasten: Der Videodienstleister Brightcove hat mit seinem neuen Produkt “Gallery” ein Multitool vorgestellt, mit dem auch Laien innerhalb weniger Stunden eine komplette Videoplattform, eine Video-Eventseite oder ein Showcase für ein Produkt herstellen können. (Streaming Media)

Produktionswelle: Der weltgrößte Web-Musiksender Vevo hat in New York eine ganze Reihe von neuen Eigenformaten angekündigt. Zum ersten Mal werden darunter auch Lifestyle-Themen etwa aus den Bereichen Kochen, Mode oder Promis sein. (Tubefilter)

Lesetipp: Werbetreibende und Agenturen sollten verstärkter auf die Entwicklungen bei SmartTVs und sonstigen vernetzten TV-Geräten achten, mahnen Walter Harp und Salim Hemdani vom Videowerbespezialisten Mixpo in einem Gastbeitrag auf Videonuze. Viele Entscheider seien aufgrund fehlender Zahlen und Meldungen über technische Probleme verunsichert, dabei hätten die Angebote mittlerweile eine durchaus relevante Reichweite und Qualität.

Analyse: Die aktuelle “Digital Video Consumer Study” der amerikanischen GfK weist wieder einmal eine Anzahl interessanter Entwicklungen auf dem US-Onlinevideomarkt aus. Neben der allgemeinen User-Steigerung von knapp 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr, registrierten die Meinungsforscher vor allem einen starken Anstieg der via Social Media verbreiteten Bewegtbildinhalte. Twitter, Facebook und Tumblr seien mittlerweile die Startseite Nummer 1 für viele Videoangebote. (Streaming Media)

“Look up” von Gary Turk – das An-Klagelied der “Generation Smartphone”

“Ich habe 422 Freunde und bin doch einsam.” Und nach Julia Engelmann kommt nun Gary Turk. Mit seinem Klagegedicht “Look up” hat der bislang eher unbekannte englische Schriftsteller und Regisseur anscheinend ebenso einen Nerv seiner Generation getroffen, wie die junge Bremer Poetry-Slammerin vor einigen WochenTurks Video in dem er sich über die modernen Kommunikations- und Unterhaltungstechnologien beklagt, über den Verlust von” Beziehungen in der echten Welt”, die “Unfähigkeit, sich ohne iPad zu amüsieren” oder auch über “die stummen Menschen, die nur noch auf Bildschirme starren” erobert die Sozialen Netzwerke im Sturm.

Fast 20 Millionen Klicks hat das Werk innerhalb weniger Tage auf Youtube eingesammelt – und auch wenn einiges darin arg pathetisch und überdramatisiert vorgetragen wird  (wie von einigen Kritikern auch schon beklagt) schafft es Turk anscheinend doch perfekt, die Gefühle von vielen Menschen zu beschreiben, die sich nach mehr (oder anderem) sehnen, als What’s-App-Chats, Cat-Content oder Facebook-Likes. Sinnigerweise ist die Botschaft, die da jetzt millionenfach verbreitet wird, wohl beides: Klage und Anklage zugleich.

Und hier ist der gesamte Text nochmals zum Nachlesen:

“Look up” von Gary Turk

I have four-hundred-and-twenty-two friends, yet I am lonely. I speak to all of them everyday, yet none of them really know me.

The problem I have sits in the spaces between looking into their eyes or at a name on a screen. I took a step back and opened my eyes, I looked around to realize this media we call social is anything but. 

When we open our computers, and it’s our doors we shut. All this technology we have it’s just an illusion. Community companionship a sense of inclusion yet, when you step away from this device of delusion, you awaken to see a world of confusion. 

A world where we’re slaves to the technology we mastered, where information gets sold by some rich greedy bastard. A world of self interest, self image, self promotion. Where we all share our best bits, but, leave out the emotion. 

Were at ‘almost happy’ with an experience we share, but is it the same if no one is there? Be there for your friends and they’ll be there too, but no one will be if a group message will do. 

We edit and exaggerate, crave adulation. We pretend not to notice the social isolation. We put our words into order and turn our lives a-glistening. We don’t even know if anyone is listening! 

Being alone isn’t a problem let me just emphasize; if you read a book, paint a picture, or do some exercise. You’re being productive and present not reserved and recluse. You’re being awake and attentive and putting your time to good use. 

So when you’re in public, and you start to feel alone. Put your hands behind your head, step away from the phone! You don’t need to stare at the menu, or a your contact list. Just talk to one another, learn to coexist. 

I can’t stand to hear the silence of a busy commuter train when no one want’s to talk for the fear of looking insane. We’re becoming unsocial, it no longer satisfies to engage with one another, and look into someone’s eyes. We’re surrounded by children, who since they were born, have watched us living like robots, who now think it’s the norm. 

It’s not very likely you’ll make worlds greatest dad, if you can’t entertain a child without using an iPad. When I was a child, i’d never be home. Be out with my friends on our bikes we’d roam. I’d wear holes on my trainers, and graze up my knees. We’d build our own clubhouse, high up in the trees. 

Now the parks so quiet, it gives me a chill. See no children outside and the swings hanging still. Theres no skipping, no hopscotch, no church and no steeple. We’re a generation of idiots, smart phones and dumb people. 

So look up from your phone, shut down display. Take in your surroundings, make the most of today. Just one real connection is all it can take, to show you the difference that being there can make. 

Be there in the moment, when she gives you the look, that you remember forever as ‘when love overtook’. The time she first held your hand, or first kissed your lips, the time you first disagreed and you still love her to bits. 

The time you don’t have to tell hundreds of what you’ve just done. Because you want to share this moment with just this one. The time you sell you sell your computer, so you can buy a ring, for the girl of your dreams, who is now the real thing. 

The time you want to start a family, and the moment when, you first hold your little girl, and get to love again. The time she keeps you up at night, and all you want is rest. And the time you wipe away the tears as your baby flees the nest. 

The time your baby girl returns, with a boy for you to hold, and the time he calls you granddad and makes you feel real old. The time you’ve taken all you’ve made, just by giving life attention. And how you’re glad you didn’t waste it, by looking down at some invention. 

The time you hold your wife’s hand, sit down beside her bed, you tell her that you love her and lay a kiss upon her head. She then whispers to you quietly as her heart gives a final beat, that she’s lucky she got stopped by that lost boy in the street. 

But none of these times ever happened, you never had any of this. When you’re too busy looking down, you don’t see the chances you miss. 

So look up from your phone, shut down those displays, we have a final act existence a set number of days. Don’t waste your life getting caught in the net, because when the end comes there’s nothing worse than regret. I’m guilty too of being part of this machine, this digital world, we are hear but not seen. 

Where we type as we talk, and we read as we chat. Where we spend hours together without making eye-contact. So don’t give into a life where you follow the hype. GIve people your love, don’t give them your ‘like’. Disconnect from the need to be heard and defined, go out into the world leave instructions behind. 

Look up from your phone. Shut down that display. Stop watching this video. Live life the real way. 

OneTV-News: Bild.de holt Vice-Starreporter Robert King für sein WebTV

US-Journalist Robert King: Von Vice News zu Bild.de (Credit: Springer Verlag)

US-Journalist Robert King: Von Vice News zu Bild.de (Credit: Springer Verlag)

Experte: Der Springer-Verlag holt sich weiter WebTV-Kompetenz ins Haus. US-Starreporter Robert King, bislang bei “Vice News” für Reportagen hauptsächlich aus Krisen- und Kriegsgebieten zuständig, wird “Creative Director Video” bei Bild.de. (meedia.de)

PayWebTV: Nach einem Bericht der “FAZ” plant die ProSiebenSat1-Gruppe eine eigene neue Live-TV-App auf den Markt zu bringen. “Seven App” soll es für 2,99 Euro im Monat, neben dem Live-Empfang diverser P7S1-Sender, auch ermöglichen, alle Sendungen sieben Tage lang nach der TV-Ausstrahlung auf Abruf anzuschauen. (via Turi2)

Geschäft: Unitymedia Kabel BW hat seit der Markteinführung des Angebotes im September 2013 mehr als 100.000 neue Horizon-Abos abgesetzt.Allein im ersten Quartal 2014 habe der Kabelbetreiber damit einen Zuwachs von über 40.000 Abonnements verzeichnet, gab das Unternehmen bekannt. (DWDL.de)

Comeback: Der umstrittene, geplante Jugendkanal von ARD und ZDF soll innerhalb der nächsten zwölf Monate gestartet werden. Dass stellte MDR-Intendantin Karola Wille beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Aussicht: “Im nächsten Jahr, wenn wir hier sitzen, haben wir das Ding gestartet und sehen es uns gemeinsam an.” Noch fehlt dem Projekt allerdings die Freigabe der politischen Entscheidungsgremien. (Digitalfernsehen.de)

Aufgespielt: Der VoD-Anbieter “Netzkino” stellt sein Angebot ab sofort auch für Googles TV-Stick “Chromecast” zur Verfügung. Über das HDMI-Dongle können Filme und Serien von Netzkino-Apps auf den TV-Bildschirm gestreamt werden. (SmartDroid)

Exklusiv: Um mit ihren Werbespots vor oder während besonders attraktiver, “hochwertiger” Videos auf Youtube zu laufen, können Unternehmen seit einigen Wochen gegen eine Extragebühr Werbeplätze bei den Top-5-Prozent-Videos über die neue “Google Preferred”-Plattform buchen. Jetzt wurde bekannt, dass das Angebot selber noch eine weitere, noch exklusivere Stufe enthält, deren – noch teurere – Gebühr den Zugang zum Top-1-Prozent möglich macht. (Adweek)

Bekenntnis: Großes Expertenwissen in der Produktion von kurzen, unterhaltsamen Videos und eine gewaltige Datensammlung – das seien für Disney die Hauptgründe für den 500-Millionen-Dollar-Kauf der “Maker Studios” gewesen, erklärte Disney-Chef Bob Iger während einer Interview-Session. Diese Erfolgsfaktoren für den Wettbewerb auf dem neuen, boomenden WebTV-Markt hätte Disney “niemals in absehbarer Zeit” selber aufbauen können, so Iger. (Variety)

Karriere: Der nächste Star der “Vine”-Video-Szene bekommt eine eigene Show im klassischen TV. Alx James, mit fast fünf Millionen Followern der fünfterfolgreiche Produzent auf Twitters Sechs-Sekunden-Videoplattform, unterzeichnete einen Vertrag mit der US-Produktionsfirma “Collins Avenue”, die vor allem mit “Reality”-Shows sehr bekannt geworden ist. (Tubefilter)

Sehtipp: Wer sich noch detaillierter über die derzeit vor allem in den USA tobende Debatte über Netzneutralität und die (bezahlte) Bevorzugung einzelner Web-Anbieter informieren möchte, kann das mithilfe von zwei sehr gelungenen Erklärvideos von VI Hart und CGP Grey auf Youtube tun.

Möchten Sie die OneTV-News jeden Morgen per Mail bekommen? Dann abonnieren Sie doch unseren Newsletter.

Wem “gehört” der TV-Bildschirm?

Startbildschirm eines Panasonic-SmartTVs: Was darf der Zuschauer nach dem Einschalten sehen?

Startbildschirm eines Panasonic-SmartTVs: Was darf der Zuschauer nach dem Einschalten sehen?

Debatte: Im Streit um den Startbildschirm, der auf neuen, smarten Fernsehern immer öfter von den TV-Geräteherstellern selbst oder von Settop-Box-Betreibern “eingenommen” wird, gibt es nach wie vor keine Einigung – im Gegenteil. TV-Sender wie das ZDF oder RTL fordern bei dem Streit, der hinter den Kulissen bereits seit Jahren heftig tobt, immer vehementer einen “diskriminierungsfreien Zugang”, d.h. einen “neutralen” Bildschirm. Der dürfe nach dem Einschalten höchstens den letzten gewählten Sender zeigen und auch beim laufenden Programm keinerlei andere Inhalten aufweisen als das pure Signal des jeweiligen Anbieters. Das schließe unter anderem “Umfeldwerbung” auf dem TV-Bildschirm komplett aus. Andere Branchenexperten wie etwa Zattoo-Inhaltechef Jörg Meyer halten diese Forderungen angesichts eines immer stärker auch technisch fragmentierten und globalisierten Medien- und Geräteangebots für unrealistisch, wie eine aktuelle Diskussion auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland wieder zeigte. (Digitalfernsehen.de)

Kooperation: Der Videonewsanbieter “NowThisNews” und der derzeit sehr gehypte Messagingservice “Snapchat” planen nach US-Medienberichten ein gemeinsames Bewegtbildangebot. Snapchat hatte erst kürzlich ein Videochat-Tool in seine App integriert und angekündigt, einen eigenen Nachrichtenservice für seine User aufzubauen. (Techcrunch)

Minus: Sky Deutschland hat im ersten Quartal des Jahres auch im operativen Geschäft wieder Verluste geschrieben. Das Ebitda (vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) verzeichnet ein Minus von 8,6 Millionen Euro. Angesichts der Kosten für einen zusätzlichen Spieltag der Bundesliga, hoher Ausgaben für Werbung und Fußballrechte hatten Experten aber mit einem leicht höheren Verlust gerechnet. (heise.de)

Geächtet: Deutsche Datenschützer gehen vor dem Verkaufsstart von Googles “Glass” massiv gegen die Datenbrille vor: “Diese Brille muss gesellschaftlich geächtet werden”, sagte der Kieler Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert. Wer im öffentlichen Raum Fotos oder Videos ohne das Wissen der Mitbürger aufnehme und sie ins Internet lade, gehöre bestraft. Auch sein baden-württembergische Kollege Jörg Klingbeil schloss sich an: “Die Brille ist ein Anschlag auf die informationelle Selbstbestimmung.” (WuV.de)

Gefördert: Die US-Kabelsendergruppe “Turner Broadcasting” nimmt in diesem Jahr gleich fünf Start-ups aus dem digitalem Bewegtbildbereich in sein zusammen mit Warner betriebenes Förderprogramm “Media Camp” auf. Unter den mit jeweils 20.000 Dollar ausgestatteten Firmen ist unter anderem auch der Videonews-Aggregator “Watchup”, dessen Webcast-Technologie bereits mehrfach preisgekrönt ist. (Variety.com)

Engagement: Der als “Herr Tutorial” bekannt gewordene, deutsche Youtuber Sami Slimani wird demnächst als “Visual Jockey” beim Fernsehsender VIVA zu sehen sein. Dort wird Slimani, der in den Sozialen Netzwerken eine riesige Fangemeinde hat, den Zuschauern die besten Clips nationaler und internationaler Acts präsentieren. (Broadmark)

Mittelmäßig: Trotz riesiger Werbekampagne ist die neue Staffel der Actionreihe “24” in den USA eher verhalten gestartet: Nur 7,97 Millionen Menschen schauten die ersten zwei Stunden auf FOX, damit verzeichnete die neunte Staffel des Thriller um den Geheimagenten “Jack Bauer” die bis dato schwächsten Auftaktwerte. (Quotenmeter.de)

Fusion: Nach der Übernahme des Nachrichtensenders N24 durch den Springer-Verlag soll der Sender ab 2015 mit der “Welt” in der “Welt N24 GmbH” zusammengeführt werden. Damit muss N24 wohl auch sein bisheriges Berliner Domizil am Potsdamer Platz verlassen und möglicherweise ins Axel-Springer-Haus umziehen. (DWDL.de)

Möchten Sie die OneTV-News jeden Morgen per Mail bekommen? Dann abonnieren Sie doch unseren Newsletter.

 

Der Geburtsfehler des Internet

Fundstück: Ein TV-Bericht über die ersten News-Angebote im Netz, 1981: “And we’re not in it to make money, we’re probably not going to lose a lot but we aren’t going to make much either.”

OneTV-News: Verlage ergreifen die “einmalige Chance” WebTV

Neues Video-Logo der "New York Times":  Bewegtbild als Chance

Neues Video-Logo der “New York Times”: Bewegtbild als Chance

Investionen: Große US-Verlagshäuser wie die New York Times, das Wall Street Journal, Time oder Conde Nast haben in den vergangenen Tagen einen nochmaligen, teils massiven Ausbau ihrer WebTV-Angebote angekündigt. Die Erkenntnis, dass Onlinevideo für die traditionellen Printhäuser ein “once-in-a-generation game-changer” sei, der das gesamte Business ändern könnte, habe sich mittlerweile auch in den bisher skeptischen Management-Etagen durchgesetzt, urteilt Will Richmond in seiner Analyse für “Videonuze”. Die New York Times gestaltete für ihr neues Videoportal sogar ihr altehrwürdiges, eigentlich heiliges Logo um und versah es mit einem “Play”-Pfeil (s.Foto).

Talentiert: Auch in Deutschland setzen zumindest einige Verlage den Ausbau ihrer Bewegtbildaktivitäten fort. Heute morgen startete mit “Zuio.tv” ein Videoportal, auf dem der Springer-Verlag Nachwuchsmoderatoren und neue WebTV-Formate präsentiert. Das so genannte “Moderatoren-Start-up” rekrutierte sein erstes Personal aus der “Frank-Elstner-Masterclass” der Axel Springer Akademie. (wuv.de) (Eine ausführliche Rezension folgt später auf OneTV Mag)

Verdient: Eines der besten der vielen, vielen, vielen “Chicks-talk-tech-news”-Formate aus den USA bekommt eine Chance (und einen Sendeplatz) im klassischen TV: Jesse Draper, die mit ihrer “The Valley Girl Show” im Netz schon seit Jahren ein ebenso informatives wie unterhaltsames Format über neue Technologien und Gadgets präsentiert, hat mit dem Kabelkanal Cox einen Vertrag über eine neue Technik-Talksendung geschlossen. (Recode.net)

Panne: Wer sagt denn, dass digitales Fernsehen einfach ist? Seit Tagen schon kämpft der PayTV-Sender “Axn” mit massiven Problemen bei der Ausstrahlung seines Programms. Grund dafür soll die Installation einer neuen Sende-Software sein. (DWDL.de)

Scharf: Sky Deutschland hat zum ersten Mal ein Fußballspiel im extrascharfen “Ultra HD”-Verfahren übertragen. Das Spiel Bayern München gegen Werder Bremen wurde über Satellit in der hohen Auflösung von “2160p50″ allerdings zunächst nur zu Testzwecken in die Sky-Zentrale gesendet. (Digitalfernsehen.de)

Entspannt: Der Bayerische Rundfunk hat anscheinend kein Vertrauen in das Durchhaltevermögen seiner Zuschauer. Nach dem Cliffhanger-Ende der letzten “Tatort”-Folge aus München (Kommissar Leitmayr wurde durch Messerstich schwer verletzt) entschied man sich nun doch, das (gute, aber nicht sonderlich überraschende) Ende vor der nächsten Episode via Pressemitteilung zu verraten: Leitmayr überlebt das. (DWDL.de)

Lesetipp: Andrew Wallenstein, Digitalchef von Variety analysiert die Präsentationen der großen Techkonzerne AOL, Microsoft und Yahoo auf der diesjährigen NewFronts-Konferenz in New York. Sie alle träumen von großen Geschäften im Onlinevideo-Markt – und könnten das Rennen gegen Netflix, Hulu und Co. doch schon längst verloren haben, so Wallenstein. (Variety.com)

Möchten Sie die OneTV-News jeden Morgen per Mail bekommen? Dann abonnieren Sie doch unseren Newsletter.

Das schreiben die Kritiker zum “Tatort” aus München

"Tatort-"Folge "Am Ende des Flurs" (mit Franz Xaver Kroetz und Fanny Risberg): "Männer, die auf Frauen starren" (Foto: ARD)

“Tatort-“Folge “Am Ende des Flurs” (mit Franz Xaver Kroetz und Fanny Risberg): “Männer, die auf Frauen starren” (Foto: ARD)

Der “Tatort” aus München ist eine der ewigen Konstanten in der Krimiserie der ARD. Mit seinen beiden Kommissaren Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec) sorgen die Folgen aus Bayern seit Jahren für meist grundsolide, mitunter gar außergewöhnlich gute Unterhaltung, auch weil die Drehbücher häufig auf geschickte Art und Weise das Privatleben der Ermittler mit einbeziehen. So auch in der gestrigen Folge “Am Ende des Flurs”, die bei den TV-Kritikern durch die Bank gut ankommt. Zunächst aber geht es einmal um eine neue Personalie.

Karoline Meta Beisel schreibt auf Süddeutsche.de über den neuen Assistenten der Münchner Kommissare:
“Jetzt also Kalli Hammermann, er ist mit Abstand der jüngste “Tatort”-Ermittler im ganzen Land. (…) Hilft am Tatort, die Schaulustigen fernzuhalten, untersucht die Wohnung des Opfers. Er wird noch nicht mal vorgestellt, er ist einfach plötzlich da, ohne großes Trara. Und es sieht ganz so aus, als würde er bleiben: Kallis zweite Folge ist schon abgedreht, eine dritte fest vereinbart. Kalli ist ein echter Bayer. Er kommt vom Land und ist neu bei der Mordkommission. Er ist ein bisschen naiv, eifrig und manchmal auch übereifrig – kaum hat er den gut sortierten Schuhschrank des Opfers gesehen, da ist die Schlussfolgerung auch schon ausgesprochen: “eine Professionelle!”

Nun geht es aber mit dem Krimi los, Christoph Cöln schwärmt auf Welt Online:
“Was für eine Frau. Sie schaut dich an, volle Lippen, dunkle Augen, sündiger Blick. Sie gleitet ganz langsam durch den Raum, weiße Wände, weißes Sofa, alles weiß. Ein Traumraum. Dann wirft sie ihren Raketenkörper übers Sofa, vom Plattenspieler weht eine Soul-Ballade herüber, eine Männerstimme aus dem Off fragt: “Was möchtest du jetzt?” Drei Schnitte später liegt der zerschmetterte Körper dieser Göttin in einer Blutlache. Das Pflaster färbt sich rot, und niemand bleibt hier jungfräulich. Ob ein “Tatort” was taugt, weiß man meist erst hinterher. Hier weiß man’s nach der ersten Minute.”

Christian Buß auf SPIEGEL Online:
“Männer, die auf Frauen starren: Die Münchner “Tatort”-Episode “Am Ende des Flurs” ist ein Lehrstück über Anbetungstechniken geworden. Was war die Verstorbene? Hure, Heilerin, Heilige? Oder doch einfach nur eine Projektionsfläche für die Spannbreite männlicher Sehnsüchte und Begierden? Regisseur und Autor Max Färberböck (“Aimée & Jaguar”) gelingt es, sein Krimidrama bei aller unerbittlichen sexualökonomischen Genauigkeit in einem eigentümlichen Schwebezustand zu halten. Es gibt einige sehr blutige Szenen, insgesamt aber kommt der Film leise und zuweilen gar poetisch wie ein Requiem daher; in Rückblenden sehen wir Momentaufnahmen der Toten, die sich erst einmal zu keinem Gesamtbild fügen lassen. Ein Erinnerungspuzzle, bei dem wir uns leider nicht auf die Zuverlässigkeit der Erinnernden verlassen können.”

Hans Hoff auf DWDL.de:
“Es geht Schlag auf Schlag in diesem „Tatort“. Gab es früher im Verhältnis der Kommissare ein bisschen viel Gemächlichkeit, so hat Regisseur Max Färberböck diese von ihm selbst gemeinsam mit Catharina Schuchmann geschriebene Story nachgerade atemlos inszeniert. Mit Liebe komponierte Bilder werden rasant aneinander geschnitten, es überstürzen sich die Ereignisse, doch es steht nicht nur die Jagd nach dem Mörder im Mittelpunkt.
Vielmehr geht es lange um die Frage, wie es eine Frau schaffen konnte, so viele Männer so nachhaltig zu betören. Jeder, der bei ihr war, hat sich eingebildet, sie sei nur für ihn auf der Welt, jeder hat ihre innere Größe für seine eigene gehalten.”

Marina Antonioni auf Focus.de:
“„Ich hab gedacht, ich kenn’ dich und jetzt stehst du da wie ein Irrer!“, brüllt Batic den Kollegen an, als der auf eigene Faust Verdächtige verfolgt und sich in den Fall verbeißt. Dass sich die beiden Münchner Kommissare die Meinung sagen, kommt öfter vor. Hier aber geht es ans Eingemachte. Eine neue, zerbrechliche Seite von Leitmayr steht im Zentrum und gibt diesem Film Tiefe. In melancholischen Rückblenden wird aus seinem Privat- und Liebesleben erzählt. (…) Unbedingt einschalten!”

OneTV-News: Endemols große Pläne mit Youtube-Star Michelle Phan

Youtube-Star Michelle Phan: Vor dem Sprung zur Weltkarriere

Youtube-Star Michelle Phan: Vor dem Sprung zur Weltkarriere

Offensiv: “Endemol Beyond”, der digitale Produktionsarm des niederländischen TV-Konzerns, setzt seine fulminante Expansionspolitik in der Webvideowelt fort. Die Holländer sicherten sich über ihre US-Niederlassung die Dienste von Michelle Phan, einem der größten Stars in der Youtube-Welt. Die 27-jährige Beauty-Vloggerin betreibt den größten Kosmetik- und Schönheitskanal auf der Videoplattform und hat weltweit Millionen von jungen Fans. Einer der Bestandteile der Kooperation wird der Ausbau von Phans eigener Firma “FAWN” (“For All Women Network”) zu einem Lifestyle-Multichannel-Network sein. Auch gemeinsame Projekte im klassischen TV sind geplant.(Variety)

Verspielt: Der US-Kabelkonzern Comcast verhandelt nach US-Medienberichten derzeit mit dem Game-Produzenten “Electronic Arts” (Fifa 14) über die Möglichkeit, Videospiele direkt über seine Streaming-Boxen auszuliefern – eine echte Kampfansage an die Hersteller von Spielkonsolen (Mashable)

Expansion: Der Hollywood-Major “Dreamworks Animation” weitet seine Online-Präsenz mit einem eigenen Youtube-Kanal aus. Auf “DreamworksTV” sind künftig vor allem kurze Animations- und Live-Action-Formate abrufbar. Auch populäre Figuren aus Dreamworks-Spielfilmen sollen auf dem neuen Youtube-Kanal auftreten, unter anderem in Form von Video-Blogs. (Blickpunkt Film)

Umworben: Youtube setzt seine Werbekampagne in eigener Sache mit der Präsentation von “Vice”, dem mehrfach preisgekrönten “New Journalism”-Projekt aus New York, fort. Dessen Youtube-Kanal ist mit knapp fünf Millionen Abonnenten eines der größten journalistischen Angebote auf der Videoplattform. (Tubefilter)

Hartnäckig: Nach dem gescheiterten Übernahmeversuch der Maker Studio vor einigen Wochen hat sich die Hollywood-Produktionsfirma Relativity nun den nächsten Kaufkandidaten aus dem Youtube-Universum ausgesucht: das erst vor drei Jahren gestartete Multichannel-Network “Fullscreen”, das mit bereits 15.000 Kanälen und über 20 Millionen monatlichen Usern in den USA einer der Aufsteiger der Onlinevideoszene ist. (AdAge.com)

Enttäuschend: Mit nur 3,8 Millionen Zuschauer verzeichnete das RTL-Show-Flaggschiff “Deutschland sucht den Superstar” am Samstag die niedrigste Einschaltquote für ein Finale. Das waren über 800.000 Zuschauer weniger als beim Finale im vergangenen Jahr. 2010 hatten noch 7,5 Millionen Zuschauer “DSDS” eingeschaltet. (DWDL.de)

Premiere: Für den Start der neuen Staffel des Actionthrillers “24” bietet Sky den Fans einen ungewöhnlichen Extraservice. Da der Ausstrahlungstermin der ersten beiden Folgen von “24: Live another day” in den USA um 20 Uhr abends an der Ostküste ist, und die Münchner mit dem “zeitgleichen Start” geworben hatten, werden die beiden Episoden hierzulande also in der kommenden Nacht schon ab 2:10 Uhr verfügbar sein, zunächst nur im Original via “Sky Go” und “Sky Anytime”. (DWDL.de)

Zukunft: “Binge Viewing”, also der stunden- und tagelange Konsum von Serien- und Spielfilmformaten, war das große Thema auf der jährlichen “Cabel Show” in Los Angeles, einem der wichtigsten Branchentreffen der US-TV-Szene. Es gelte, aus dem noch vor wenigen Jahren als “Freak-Vergnügen” belächelten Phänomen nun ein vernünftiges Businessmodell zu machen. In Sachen Video-on-demand-Vermarktung sei die TV-Branche noch ganz am Anfang, so der Tenor des Kongresses. (Home Media Magazine)

Möchten Sie die OneTV-News jeden Morgen per Mail bekommen? Dann abonnieren Sie doch unseren Newsletter.