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Video des Tages – das Beste aus Web und TV

Amazon hin, Deutsche Post her – man kann viel interessantere Dinge mit Drohnen machen, als Pakete vor die Haustür zu legen. Und schlimmere. Der Youtuber Alex Cornell hat – unter Missachtung der US-Flugaufsichtsregeln – eine filmische Vision umgesetzt, darüber, wie unsere allzeit von fliegenden Augen überwachte Zukunft aussehen könnte. Faszinierend, aber erschreckend.

Angsthasen auf vier Pfoten
“Cat-Content is King” lautet eine alte Weisheit des Internets. Beinahe alles, was über die Freunde mit den Samtpfoten publiziert wird, ist ein Erfolg. Aber nicht alle Lebewesen dieses Planeten mögen Katzen, wie die herrliche Clipsammlung “You shall not pass, dog!” beweist. So mancher Hund nämlich kommt mit “King Cat” im eigenen Haus überhaupt nicht klar.

Dass man in den USA ganz eigene militärische Traditionen und Ehrbezeugungen pflegt, ist hinlänglich bekannt. So gehört zum Beispiel zu beinahe jedem Footballspiel der Überflug von Kampfjets des lokalen Geschwaders über das jeweilige Stadion zwingend mit dazu, auch zum Gefallen der meisten Zuschauer. Doch ein aktueller Showauftritt der US Airforce empört nun selbst Patrioten.

Seit 1955 nämlich versorgt das “North American Aerospace Defense Command” (NORAD), das militärische Luftüberwachungkommando, die amerikanischen Kinder mit genauen Informationen über die Flugroute, die Santa Claus zu Weihnachten mit seinem Schlitten über dem nordamerikanischen Kontinent einschlägt, der “NORAD Santa Tracker” gehört zur uramerikanischen Weihnacht einfach dazu.

In diesem Jahr allerdings herrscht helle Aufregung um diesen militärischen Service für aufgeregte Kinder. Denn NORAD veröffentlichte ein Webvideo, das den Santa-Schlitten eskortiert von zwei Kampfjets zeigt. Zu viel für Kinderschützer und Psychologen, die die Verquickung von militärischen Gehabe mit Weihnachten für komplett verfehlt halten.

Die NORAD-Chefs reagierten auf die Kritik eher lakonisch: “Wir möchten nicht unsere wahre Aufgabe verschleiern, auch nicht vor Kindern. Es ist schließlich wie Werbung.”, verteidigte ein Sprecher das umstrittene Video. Und NORAD hat noch mehr zu bieten: In einem anderen Video bestätigten US-Geheimdienstler (etwa die NSA?), dass der anfliegende Santa Claus keine Gefahr darstellt.

Dazu hätte es womöglich keine Spione gebraucht.

http://www.youtube.com/watch?v=GhTLGBq-Uyg

Wann immer ein neuer Film in die Kinos kommt, wiederholen sich die stereotypen Rituale der Werbekampagnen. Erst werden Trailer veröffentlicht, dann “lustige” oder “spannende” Details der Dreharbeiten bekannt, schließlich starten die Schauspieler auf weltweite Promotiontour, die außer streng kontrollierten Interviews meist nichts zu bieten haben. Und genau darauf hatte Will Ferrell anscheinend keine Lust mehr.

Für seinen neusten Film “Anchorman2″, die Fortsetzung der Erfolgskomödie über den 70-Jahre-Fernsehmoderator “Ron Burgundy” absolviert der Schauspieler bereits seit Wochen eine Promotour ganz eigener Art: Er taucht als “echter” Charakter Burgundy regelmäßig im US-Fernsehen auf. Mal als ESPN-Gastkommentator beim Curling, mal bei den MTV Music Awards mit Daft Punk. Und er scheut auch nicht den Weg in die TV-Provinz. So moderierte er nun beim Sender “KX News” in North Dakota die Abendnachrichten. Das war zum einen sehr amüsant, zum anderen sehr aufschlussreich. Denn beim Auftritt des Retro-Anchors “Ron Burgundy” merkte man deutlich, wie wenig sich die klassischen US-TV-News in den vergangenen 40 Jahren verändert haben. Aber das war sicherlich auch ein Zweck der Unternehmung.

Um im Berliner Problembezirk Wedding Polizist zu sein, braucht es eine Menge von ganz speziellen Kompetenzen. Frustrationstoleranz, Stressimmunität und interkulturelles Verständnis zum Beispiel. Nun kommt womöglich bald eine neue Fähigkeit hinzu: Rap-Songs zu komponieren.

Das demonstriert zumindest ein jetzt öffentlich gewordenes Werk eines unbekannten Polizisten, der die Arbeit seiner Kollegen im so genannten “Abschnitt 36″, eines besonders problematischen Teil Berlins in einem eigenen Song mit dazugehörigem Video verarbeitet hat. Wie der laut Spiegel Online nur für eine interne Feier gedachte Film ins Netz gekommen ist, ist noch nicht geklärt. Ärger von Vorgesetzten droht dem talentierten Beamten “aus der Hooooood” aber nicht.

Während hierzulande Fernsehschaffende bis auf wenige Ausnahmen mit Twitter und dem berühmt-berüchtigten “Second Screen” fremdeln und das Vorlesen von Tweets durch so genannte “Twitter-Tussis”, meist aparte Jungredakteurinnen, das Höchste der Social-Media-Gefühle ist, geht man woanders weitaus kreativer mit dem Phänomen Twitter um.

So ist die Rubrik “Mean Tweets”, bei der Prominente die übelsten Hass-Tweets gegen sich vorlesen, schon ein Klassiker der “Jimmy Kimmel Show”. Aber mit welcher coolen Souveränität und Selbstironie in dieser Woche Stars wie Sharon Stone oder Kevin Bacon heftigste Beleidigungen über sich zitierten, war Entertainment at it’s best.

Wer an den USA verzweifelt in diesen Tagen (und wer tut das nicht?), der findet Trost in dem Country-Song “America sucks less” der Macher von “College Humor”, , einer der besten amerikanischen Satire-Seiten im Netz. Ein hübsch-bös gemachtes Spottlied, das zweierlei beweist. Erstens: Es geht immer noch schlimmer. Und zweitens: Nicht alle Amis sind dumm.

Babyvideos gibt es ja viele auf Youtube und die meisten entfalten ihren Charme wohl vor allem bei der eigenen Familie, die ihren Nachwuchs ja stets durch besonders rosarote Brillen sieht. Aber dieser Film hier, aufgenommen von einer französischen Hebamme, hat die Chance zu einem Klassiker des Genres zu werden. Die beiden Zwillinge, die nicht voneinander lassen können, rühren schon Millionen User weltweit.

Wer in Indien mit Filmen aller Art Erfolg haben will, kommt an den eisernen Drehbuchgesetzen Bollywoods nicht vorbei: Eine junge hübsche Frau muss mithilfe eines ebenso jungen und hübschen Mannes ein (kleines, mittleres, großes) Wunder vollbringen. Manchmal auch umgekehrt. Wichtig noch: Die ganze Familie muss irgendwie beteiligt sein, am Ende liegen sich alle in den Armen. Und wenn dann noch die alte Erbfeindschaft mit Pakistan überwunden wird – umso besser. All diese Regeln hat Google bei seinem neuen Imagefilm “Reunion” für den Subkontinent auch brav auf dreieinhalb Minuten beherzigt. Und dazu noch alle Google-Features und -Hardware mit eingebaut. Mehr geht nun wirklich nicht. Zum Heulen.

Italienische Fußballer gelten in Fankreisen ja schon länger als “Leichtumfaller” und “Schauspieler”. Aber was sich am vergangenen Wochenende beim Match zwischen Salernitana und Nocerina in der dritten Liga abspielte, war einmalig. Und hatte leider einen traurigen Hintergrund.

Weil den Ultra-Fans von Nocerina wegen vorheriger Ausschreitungen verboten worden war, zum Spiel anzureisen, sorgten sie auf eine andere Art für einen Spielabbruch: Sie bedrohten ihr eigenes Team so massiv, dass die Spieler vor Angst ständig Verletzungen vortäuschten, um ausgewechselt zu werden. Als nur noch sechs Spieler von Nocerina auf dem Platz standen, musste der Schiedsrichter das Match den Regeln nach abbrechen. Die genauen Hintergründe dieser Farce hat die “Irish Time” hier zusammengefasst. Aber die Bilder der “Verletzungsorgie” sprechen auch für sich.

So ein Leben als Pop-Video-Bitch ist schon hart: Ständig in knappsten Kostümchen herumposen, den Hintern wackeln oder an Tänzern reiben, an Hämmern oder ähnlichem Männerwerkzeug lecken und mit möglichst schmutzig-laszivem Blick in die Kamera schauen – das muss man erst mal draufhaben als junge Frau mit Starallüren von heute. Popstar Lily Allen hat sich mal so ihre Gedanken über die künstlerische Arbeit der Kolleginnen gemacht. We like.

Kommen zwei Kiffer zu Edeka… Okay, bevor jetzt einige hier meckern: Ja, der Spot ist schon etwas älter. Vom Mai diesen Jahres genauer gesagt. Da lief der von der Hamburger Agentur Jung von Matt tatsächlich für Edeka erdachte Werbefilm mit den zwei Grasfreunden im Kinovorprogramm von “Hangover 3″. Wo er bestens aufgehoben war, aber ihm niemand wirklich Beachtung schenkte. Mittlerweile aber findet der Spot viral seinen Weg durch die Youtube- und Social-Media-Welten. Und das klappt ja längst nicht bei jedem “viral” gedachtem Werberwerk.

Was für ein Wutausbruch: Als habe Rob Ford nicht schon genug Probleme, ist in dieser Woche auch noch ein Video aufgetaucht, das den Bürgermeister von Toronto noch mehr in Schwierigkeiten bringen wird. Die hatte Ford eh schon en masse nach seinem Eingeständnis, regelmäßig Drogen zu nehmen. Nun also dieser heimlich aufgenommene Film von einem nahezu komplett ausrastenden Bürgermeister, der jemanden offensichtlich sehr an den Kragen will. Von der örtlichen Zeitung auch noch zum besseren Verständnis untertitelt. F***.

Wenn man mal ehrlich ist: Für solche wilden Sachen sind doch die GoPros erfunden worden. Oder was immer an Equipment diese Parcour-Jungs bei ihrem Freerun über den Dächern von Moskau da auf dem Kopf haben. Spektakulär.

Die dümmste Fahrerflucht des Jahres… fand wohl neulich in Chicago statt. Besonders rührend ist der hilflose Versuch des Passanten (wohl der Fahrer des zuerst gerammten Taxis), den SUV mit bloßen Händen – und einem Regenschirm – aufzuhalten. Ab 1:30 wird es richtig bunt. (Bonustrack: Der Streit um die Lizenzrechte für das Video, der in den Kommentaren auf Youtube ausgetragen wird, ist beinahe ebenso unerbittlich)

Eigentor Eigenkorb beim Basketball? Doch, das gibt es…

Auch Japanerinnen lieben (ab und zu jedenfalls) einen großen saftigen Burger. Das Problem: Die strenge Etikette der japanischen Kultur verbietet es Frauen, in der Öffentlichkeit mit weit geöffneten Mündern zu essen. Doch die “Fastfoodkette” “Freshnesh Burger” erfand einen Ausweg aus dem Dilemma. Ironie inklusive.

Die böse Veralberung von unschuldigen amerikanischen Kindern hat bei Star-Moderator Jimmy Kimmel schon Tradition. Jedes Jahr nach Halloween bittet er die Eltern der Kleinen darum, denen vorzuschwindeln, sie hätten alle gesammelten Süßigkeiten der vergangenen Nacht einfach aufgegessen – und die Reaktion des Nachwuchses darauf zu filmen. Was dabei geschieht, ist mitunter ein Fall für den Kinderschutzbund. Aber immer unglaublich komisch.

Dass wir hier bei OneTV New York Fans sind und besonders gerne Videos über den Big Apple schauen, ist vielleicht bekannt. Die Stadt, die niemals schläft, scheint ein unendlicher Quell für Künstler und Filmemacher zu sein. Dementsprechend groß ist die Auswahl an sehr guten New York Filmen. Aber dieses Werk hier, das aus zusammen geschnittenen Sequenzen von nur einer Sekunde besteht, hat uns dann doch noch einmal mächtig beeindruckt.

Horror beim Weihnachtsbaum-Schlagen

Glückliche Kinderaugen, stolze Väter, Glühwein und Zimtsterne, für manchen auch ein Adventsbier – das Schlagen des eigenen Tannenbaums ist für viele Menschen einer der Höhepunkte der Weihnachtssaison. Aber nicht für alle Beteiligten geht die Sache gut aus, wie dieser erschreckende Kurzfilm auf Youtube beweist.

<a href=”http://onetvmag.com/die-besten-videos-aus-web-und-tv/”>Lust auf mehr? Hier geht es zu allen Videos des Tages.</a>

Das gewagte Multimedia-Experiment von Welt und N24

Als am Anfang der Woche in Südafrika die Trauerfeier von Nelson Mandela stattfand, konnte man in Deutschland erleben, wie Vergangenheit und Zukunft des neuen, digitalen Journalismus aussehen. Sinnigerweise kam beides aus dem Springer-Verlag in Berlin.

Die Unterschiede hätten dabei kaum größer sein können. Während bei Bild.de schon auf der Startseite ein TV-Livestream der mehrstündigen Zeremonie angeboten wurde, behalf sich Welt.de noch mit einem handgeschriebenen “Liveticker”, der zwangsläufig dem weltweit übertragenen Geschehen stets um etliche Augenblicke hinterherhinkte (und neben ein paar Social-Media-Einsprengseln auch nichts Besonderes an Mehrwert zu bieten hatte): “Der Chor beginnt mit einem Solo”

Aber das soll ja nun alles anders werden bei der Welt. Mit der Akquise des angeschlagenen Nachrichtensenders N24 und der Verpflichtung von Stefan Aust möchte man die Marke zu nichts weniger als dem “führenden multimedialen Nachrichtenunternehmen für Qualitätsjournalismus” etablieren. Die neue gemeinsame Redaktion produziere künftig die journalistischen Inhalte für alle digitalen Kanäle beider Marken sowie für die Printprodukte der “Welt”, ließ man stolz verlauten. Eine Extra-Abteilung unter Führung von N24-Chefredakteur Arne Teetz sei für die Bewegtbild-Herstellung der vereinigten Medienunternehmen zuständig.

Nimmt man das Marketing-Geklingel einmal weg, bleibt festzuhalten: Für Springer ist der N24-Deal ein weiterer konsequenter Schritt auf dem Weg zum voll digitalisierten Medienhaus. Man muss kritisch abwarten, was von Döpfners und Diekmanns mit viel Brustton vorgetragenen Visionen tatsächlich funktionieren und übrig bleiben wird in ein paar Jahren. Man kann 50.000 Abonnenten für das Bundesliga-Pay-Angebot auf Bild.de nach vier Monaten wenig finden oder auch nicht.

Sicher ist aber, dass ein Verlag heute nicht mehr vom Glauben an die gute alte HÖRZU, der Liebe zum gedruckten Wort an sich oder der Hoffnung auf neue Wohn-Communities leben kann. Und weil es für den Leser/User/Zuschauer/Kunden “da draußen” mittlerweile ganz normal ist, seine tägliche Portion Journalismus auf allen möglichen Plattformen und auch in allen möglichen (Misch-)Formen zu konsumieren, gehört die multimediale Expansion zwangsläufig zu einem Businessmodell 2014 ff.

Auch wenn sich viele Druckerzeugnis-Häuser mit angeschlossener Online-Abteilung damit noch schwer tun: Bewegtbild-Berichterstattung, nicht nur im TV und nicht nur zu Fußball, Music-Awards oder Naturkatastrophen, schafft nach wie vor Reichweite, Nutzungsdauer und sozialen Gesprächsstoff wie keine andere journalistische Form. Und sicher ist, dass jenes publizistische Haus, das es schafft, seine digitalen Plattformen zu WIRKLICH multimedialen Angeboten zu machen, auch als erstes von der Attraktivität und der damit verbundenen Vermarktbarkeit ALLER modernen Medienformen profitieren wird.

Für die journalistischen Websites, die mit ihrem Übermaß an Text ja nur noch aus historischen Gründen so aussehen wie eine herkömmliche(nur etwas anders aufgerissene) Zeitung, bedeutet das eine radikale konzeptionelle Veränderung, die erst ganz am Anfang steht. Der Videoplayer in der Seitenspalte ist jedenfalls nicht die Endstufe.

Und für die neue, multimediale Springer-Welt wird es jetzt wichtig sein, den Kollegen von N24 jetzt nicht die komplette Hoheit über die bewegten Bilder auf den gemeinsamen Kanälen zu überlassen. Nicht nur weil, wie Thomas Knüwer durchaus richtig bemerkt, der Nachrichtensender bisher nicht in die Hall-of-Fame des TV-Journalismus gedrängt hat. Nicht nur, weil traditionelle TV-Manager (nicht allein bei N24) gerne immer noch mit Aufwänden und Produktionsbudgets operieren, die im Digitalen nicht in Ansätzen finanzierbar (und meist auch nicht notwendig) sind.

Sondern auch weil, und man kann es nicht oft genug betonen, Bewegtbild für das Netz einfach anderen Gesetzen folgen muss, als in den 80 Jahren seines bisherigen TV-Lebens. Das fängt bei Kamera-Blickwinkeln und Bildausschnitten an und hört bei User-Integration und Scripten auf. Der Boom der neuen, ultrakurzen Newsvideos ist einer von vielen Belegen dafür, dass ein “Weiter so” für die Zukunft des Mediums Bewegtbild eher mit einem “Bloß nicht” beantwortet werden muss. Oft genug aber in den vergangenen Jahren sind Kooperationen zwischen TV-Sendern und Verlagen an dieser Altbackenheit (und mitunter auch Überheblichkeit) der Einen und der Unerfahrenheit der Anderen gescheitert.

Immerhin: Mit Martin Heller als gerade erst ernannten Videochef hat die Welt-Gruppe einen erfahrenen WebTV-Macher an Bord, der das alles ebenfalls ganz genau weiß. Mal schauen, wer sich im neuen Super-Newsroom der Welt durchsetzen wird. Und ob beide Seiten wirklich dazulernen wollen. Für die Zukunft des multimedialen Journalismus wird der Ausgang dieses gewagten Experiments nicht unwichtig sein.

Google und TV – eine On-/Off-Beziehung

Heiteres Rätselraten mit Google: Als am Wochenende (ziemlich glaubwürdige) Gerüchte auftauchten, der Konzern plane mit “NexusTV” eine eigene Settop-Box für die Verbindung von TV und Netz, warf das zwangsläufig zwei Fragen auf.

Erstens: Schafft es der mit Abstand größte Digitalkonzern der Welt jetzt auf die Big Screens im Wohnzimmer? Und zweitens: Da war doch schon mal was, oder?

Aus Googles Sicht muss man auf Letzteres antworten: Ja, leider. Denn genau auf diesem Feld hat die einzigartige Erfolgsgeschichte der Firma schmerzhafte Fehlschläge zu verzeichnen. Tatsache ist, dass man in Mountain View die Dynamik des neuen Geschäftsfeldes jahrelang unterschätzt hatte. Man war komplett auf das stationäre Web ausgerichtet, später vollzog man – später als die Konkurrenz, aber durchaus ja erfolgreich – die Entwicklung für mobile Lösungen. Die Eroberung der TV-Bildschirme und damit eines Marktes mit zweistelliger Milliardenerlösen weltweit aber schien seltsamerweise überhaupt nicht auf der Agenda von Google zu stehen.

Ein erster, sehr zögerlicher Schritt, wurde 2010 unternommen, als man in Zusammenarbeit mit Sony, Logitech und Intel eine Software-Plattform auf Android-Basis vorstellte, zunächst als Settop-Box-Lösung, mittlerweile auch als direkte Implementierung in einigen Sony-TV-Geräten.

Doch der Versuch ging krachend daneben. Vor allem die von Logitech konzipierten Boxen erwiesen sich als technischer Albtraum. Sie waren viel zu langsam, hatten eine verheerend schlechte Benutzeroberfläche und viele technsiche Aussetzer.

Die Neuauflage, die vor zwei Jahren gestartet wurde, unter anderem in Kooperation mit Sony gelang technisch zwar deutlich besser, leidet aber bis heute an einem schwachen inhaltlichen Angebot, einer immer noch verwirrtenden Nutzerführung und einer vollkommen Google untypischen mangelhaften Verankerung im hauseigenen Ökosystem.

Dann aber kam, Mitte diesen Jahres, mit dem “Chromecast“-Stick endlich ein Produkt von Google auf den Markt, das Netzinhalte auf einfache Art auf die TV-Gerät bringt. Zwar ebbten die zunächst überschwenglichen Lobeshymnen der Kritiker ein wenig ab, als sich herausstellte, dass auch hier vor allem die inhaltlichen Angebote eher dürftig waren – trotz galt der Chromecast als Googles präferierte Lösung für den Bereich NewTV.

Und nun kommt also Nexus TV. Doch, muss man sagen, weil die Settop-Box vor Jahren schon einmal angekündigt war, aber mittlerweile als beerdigt galt. Das Gerät soll Videos von Diensten wie Netflix, Hulu sowie Youtube streamen und darüber hinaus eine Auswahl von Videospielen anbieten, für Live-Fernsehen nicht geeignet sein. Was technisch eigentlich kein Problem sein dürfte, wahrscheinlich aber am zu erwartenden Widerstand der mächtigen US -Cabel-Companys liegt.

Google träte mit Nexus TV vor allem in Konkurrenz zu Apple, das seine TV-Box geschickt und ohne großes Getöse immer weiter in den Markt drückt – und wahrscheinlich doch irgendwann seinen eigenen Fernseher produziert. Und auch Amazon bereitet ja, nach dem Start seiner ersten eigenen Videoserie, die Produktion einer Settop-Box vor, verschob den Start aber bis ins nächste Frühjahr.

Das wäre dann auch ein möglicher Launchtermin für NexusTV – und der endgültige Angriff der Netzgiganten auf die gute alte TV-Welt.

Die Zukunft der Videonews ist kurz. Ultrakurz.

Das soll das neue Videoformat der konservativen New York Times sein? Die“Times Minute” ist ein, wie der Name ja sagt, nur circa eine Minute kurzer Videoclip, der aber dabei drei Newsthemen behandelt. Macht das noch Sinn, fragt sich mancher und wittert Häppchenjournalismus. Aber ja, sagt die Times, und ist damit nicht allein.

Denn die neuen Videonews-Minis sind vor allem in den USA schwer im Trend. Immer mehr Nachrichten- und Entertainmentseiten bieten die schnellen Clips an, entweder selbst produziert, wie bei der NYT oder angeliefert von einem der zahlreichen neuen Newsvideo-Anbieter, die sich vor allem auf die Produktion solcher “Shorties” spezialisiert haben. Über das israelische Start-up “WochIt”, das für die Fertigung seiner Clips fast total auf Vollautomatisierung setzt, haben wir ja schon an anderer Stelle berichtet.

“WochIt” und seine konkurrenten wie “Newsy”, “Nowthisnews” oder “Buzz60″ profitieren dabei auch von der boomenden Nachfrage nach Videomaterial, das mobil gut konsumierbar ist. Darum richten sich die neuen Angebote vor allem an Pendler, Mittagspausen-User, Secondscreen-Nutzer oder sonstige flüchtige Zuschauer, deren Aufmerksamkeitsspanne auf höchstens 30 Sekunden pro Thema eingeschätzt wird. Und um den Gebrauch ganz leicht zu machen, werden viele der Ultrakurzclips auch noch mit geschriebenen Text zur Meldung untertitelt.

Erstaunlicherweise funktionieren die Fastfood-Videos aber erstaunlich gut, wenn man sie in den Situationen ausprobiert, für die sie gemacht sind. Dort schlagen sie in Sachen Pointierung und Dynamik auch die hierzulande bereits bekannten, etwas längeren 100-Sekunden-Versionen von Tagesschau und heute, die unter anderem auf den stationären Seiten von Zeit Online und Faz.net zu finden sind. Diesen öffentlich-rechtlichen Shorties merkt man ihre Herkunft aus dem “großen” und “seriösen” Fernsehen doch ziemlich deutlich an. Abgesehen davon, dass es im Jahr 2013 eher seltsam anmutet, wenn etablierte journalistische Marken wie “Zeit” oder FAZ auf diesem Feld immer noch nicht selber Angebote mit eigener Handschrift produzieren. Sondern ausgerechnet mit… Aber das ist jaeine ganz andere Diskussion.

Kulturpessimisten mögen schaudern, aber der Trend zum flotten, schnellen Video, der auch durch neue Konkurrenten wie Instagram oder Vine befördert wird, sorgt vor allem für frischen Wind in der doch sehr in die Jahre gekommenen Newsbranche. Und so radikal wie bei einem neuen Produkt von “Nowthisnews” muss es ja nicht unbedingt überall werden: Die Amerikaner präsentieren nämlich auf Twitter den Ultra-Ultra-Newsmini: eine Story in sechs Sekunden, produziert mit Vine.

Update 10.12.2013:
Das amerikanische Medienunternehmen E.W. Scripps, das mehrere TV-Sender und Tageszeitungen in den USA betreibt, hat Newsy für 35 Millionen Dollar gekauft. Scripps verspricht sich von der Akquise eine erhöhte Reichweite bei jungen Zielgruppen.

Die Web-Wetter-Helden vom DWD

Das Leben ist ungerecht. Da macht man nur seine Arbeit und bekommt regelmäßig Prügel von Besserwissern ab. So erging es auch gestern wieder den Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD), die im Netz sofort Häme bezogen, als Sturm “Xaver” doch nicht so verheerend wütete wie angekündigt. Wir finden: Der DWD hat mal einen Lobgesang verdient.

Schon allein der erfrischenden, natürlichen Art seiner Moderatoren (allesamt Wissenschaftler natürlich), die sich für ihre selbst produzierten Vorhersageclips zur Verfügung stellen, gebührt höchster Respekt. Wo sonst im stromlinienförmig angepassten Wetterfernsehen werden so mutig scheinbar eherne TV-Gesetze gebrochen wie hier.

Das beginnt schon mit der Wahl der Arbeitskleidung, die dem Thema “Jahrhundertsturm” perfekt angemessen ist. (Und im deutschen Fernsehen normalerweise nur von Wetterreportern bei Live-Schalten auf gebrochenen Deichen zu sehen ist)

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Auch hier ein bewusst abgrenzender Stilbruch: Heißes Outfit? Grelles Styling? Im Gegensatz zu den Wetterbienen der Nachrichtensender zählt beim DWD noch: competence first.

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Da werden auch schon mal im gesetzteren Alter voller Tatendrang die Ärmel hochgekrempelt und das Silberkettchen freigelegt.

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“Hallo, liebe Wetterfreunde” – Dorothea Paetzold liebt persönliche Ansprachen und offensive Farben

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Dass man bei etwas kleineren Mitarbeiten unglückliche Bildausschnitte auch per veränderter Kameraposition korrigieren kann – wer denkt schon daran, angesichts der Wettergefahren.

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Und wo andere mit Hightech-Simulationsfilmen auf billige Effekthascherei setzen, gibt es beim DWD noch wissenschaftlich fundierte Infografiken. Auch, wenn die Erklärung mal etwas länger dauert.

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Bei so viel Leidenschaft und Expertise lohnt sogar ein Youtube-Channel mit Best-of-Archiv. Denn beim DWD ist (fast) nichts so spannend wie das Wetter von gestern.

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Ist das unsere drohnende Zukunft?

Amazon hin, Deutsche Post her – man kann viel interessantere Dinge mit Drohnen machen, als Pakete vor die Haustür zu legen. Und schlimmere. Der Youtuber Alex Cornell hat – unter Missachtung der US-Flugaufsichtsregeln – eine filmische Vision umgesetzt, darüber, wie unsere allzeit von fliegenden Augen überwachte Zukunft aussehen könnte. Faszinierend, aber erschreckend.

Lust auf mehr? Hier geht es zu allen Videos des Tages.

Angsthasen auf vier Pfoten

“Cat-Content is King” lautet eine alte Weisheit des Internets. Beinahe alles, was über die Freunde mit den Samtpfoten publiziert wird, ist ein Erfolg. Aber nicht alle Lebewesen dieses Planeten mögen Katzen, wie die herrliche Clipsammlung “You shall not pass, dog!” beweist. So mancher Hund nämlich kommt mit “King Cat” im eigenen Haus überhaupt nicht klar.

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Datenkrake SmartTV: Von Schnüfflern und Heuchlern

Endlich: SmartTV ist in aller Munde. Aber es ist nicht die ebenso rührende wie im Aufmerksamkeitsnichts verpuffende Werbekampagne der deutschen Unterhaltungselektronik-Branche oder der alljährliche Jubelbericht der Bitkom über die “Revolution im deutschen Wohnzimmer”, der die wichtigste medientechnologische Entwicklung des Jahrzehnts endlich ins öffentliche Bewusstsein rückt. Es ist ein Daten-“Skandal”.

Dabei ist die mediale Aufregung über die von LG-Fernsehern gesammelten Nutzerinformationen eine leider typische Mischung aus Halbwissen und Skandalisierungslust. Denn erstens sind die vom englischen Fachblog “DoctorBeet’s” veröffentlichten Schnüffelprotokolle beim genauen Betrachten zwar natürlich nicht legal, aber längst nicht so tiefreichend, wie es Schlagzeilen und Kommentare vermuten ließen.

Zweitens ist das Sammeln von Nutzergewohnheiten in der digitalen Welt nun wahrlich keine Erfindung von LG. Da haben Apple TV und Netflix und Hulu und Watchever bereits ganz andere Maßstäbe gesetzt.(Ja, sicher, immer mit dem Hinweis in den Ntzungsbedingungen, dass man diese Daten zur “Verbesserung von Programm und Service” sammelt.)

SmartTV von LG: "Einfallstor für lukrative Werbeeinnahmen"

SmartTV von LG: “Einfallstor für lukrative Werbeeinnahmen”

Bevor Missverständnisse entstehen: Natürlich ist Schnüffelei in unseren digitalen Privatwelten schlimm, und vor allem, wenn wir ihr nicht zuvor ausdrücklich zugestimmt haben. Aber tun wir bitte nicht naiver, als wir wirklich sind: Wahrscheinlich wissen Google und Amazon (und sehr wahrscheinlich auch einige unserer Lieblingsonlineportale) über unsere medialen und sonstigen Vorlieben schon jetzt mehr, als alle SmartTV-Fernseher und -Sender in den nächsten Jahrzehnten noch ausspionieren könnten. Obwohl die sich wirklich alle Mühe geben, aufzuholen.

Und auch darum ist es bemerkenswert, wie die restliche Branche, vor allem Gerätehersteller und, das wird gerne übersehen, auch TV-Sender, sich in diesen Tagen wegduckt oder sich in geheuchelter Besorgnis übt. Denn natürlich gibt es auf allen Chefetagen der Fernsehindustrie sehr viele Menschen, die die neuen Möglichkeiten der Verbindung von TV und Netz nicht nur als uneigennützigen Dienst am Zuschauer begreifen. Die Interaktivität und Personalisierung nicht vor allem als Service für ein besseres Fernseherlebnis anbieten wollen – um damit wieder mehr und jüngere Kunden dauerhaft zu gewinnen – sondern hauptsächlich als Einfallstor für noch lukrativere Werbeformen nutzen. Und tatsächlich ist es derzeit das größte Problem der großartigen Technikrevolution SmartTV, dass genau diese Geschäftemacher in vielen Etagen die Oberhand gewinnen.

Vor allem mit den Geräteherstellern drängen nun neue Spieler auf den umkämpften, milliardenschweren Markt, die Kundeninteraktion bisher nur in Bargeldtransfers oder Beschwerdebriefen registriert haben. Bei ihnen, und LG ist da nur ein Beispiel von vielen, ist die Versuchung und Unsensibilität gegenüber Ausspähaktionen am größten.

Und wer sich bereits in den vergangenen Jahren mit dem Thema beschäftigt hat, der weiß, wie viel Aufmerksamkeit von Entwicklern und Business-Developern genau in diese Richtung gelenkt wurde – und vie viel weniger Zeit und Energie dafür aufgebracht worden ist, inhaltliche Innovationen in der neuen Technologie zu fördern.

Diese Gier nach schnellem Geld, ohne viel dafür zu tun zu müssen, ist die verhängnisvolle Wiederholung eines Fehlers, der die Qualitätentwicklung von Inhalten im klassischen Netz (und damit seine Akzeptanz insgesamt) blockiert. Das Fernsehen tappt gerade in die gleiche Falle.

Die wahrscheinlich beste Video-Werbung aller Zeiten

Werbespots sind doof. Wohl über nichts anderes herrscht in der Webvideo-Community so viel Einigkeit wie über die tiefe Abneigung, die den allgegenwärtigen Werbeclips entgegen schlägt. Das Problem ist: Die so genannten Pre-Roll-Spots sind bislang die einzige Chance für viele Videoanbieter, (halbwegs vernünftig) Geld im Netz zu verdienen. Eine ewige Zwickmühle? Nicht mehr.

Denn eine neue Videokampagne, mit der die Fastfoodkette Burger King auf den neuseeländischen Seiten von Youtube wirbt, ignoriert den User-Hass auf die Spots nicht länger – sondern thematisiert ihn sogar. Und das auf höchst amüsante Weise. In den insgesamt 64 unterschiedlichen (!!) Werbeclips lästern zwei Burger-King-Gäste heftig über die “blöden, sinnlosen, lächerlichen” Spots, die man immer zwangsweise über sich ergehen lassen müsse, wo man doch eigentlich nur schnell ein Video schauen will.

Eine weitere nette Idee der Kampagne, die von der Werbeagentur Colenso BBDO und der TV-Produktion Flying Fish umgesetzt wurde: Die Werbespots wurden zielgerichtet auf den jeweiligen Inhalt des Youtube-Filmes produziert, um den “Genervt”-Effekt noch zu verstärken. Die ganze tolle Kreation und ihre Ausführung kann man auch in einem Making-of-Spot bewundern, der hier unten eingebettet ist. Viel Spaß.

Will Ferrells cooles Marketing für “Anchorman 2″

Wann immer ein neuer Film in die Kinos kommt, wiederholen sich die stereotypen Rituale der Werbekampagnen. Erst werden Trailer veröffentlicht, dann “lustige” oder “spannende” Details der Dreharbeiten bekannt, schließlich starten die Schauspieler auf weltweite Promotiontour, die außer streng kontrollierten Interviews meist nichts zu bieten haben. Und genau darauf hatte Will Ferrell anscheinend keine Lust mehr.

Für seinen neusten Film “Anchorman2″, die Fortsetzung der Erfolgskomödie über den 70-Jahre-Fernsehmoderator “Ron Burgundy” absolviert der Schauspieler bereits seit Wochen eine Promotour ganz eigener Art: Er taucht als “echter” Charakter Burgundy regelmäßig im US-Fernsehen auf. Mal als ESPN-Gastkommentator beim Curling, mal bei den MTV Music Awards mit Daft Punk. Und er scheut auch nicht den Weg in die TV-Provinz. So moderierte er nun beim Sender “KX News” in North Dakota die Abendnachrichten. Das war zum einen sehr amüsant, zum anderen sehr aufschlussreich. Denn beim Auftritt des Retro-Anchors “Ron Burgundy” merkte man deutlich, wie wenig sich die klassischen US-TV-News in den vergangenen 40 Jahren verändert haben. Aber das war sicherlich auch ein Zweck der Unternehmung.

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