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Video des Tages – das Beste aus Web und TV

Amazon hin, Deutsche Post her – man kann viel interessantere Dinge mit Drohnen machen, als Pakete vor die Haustür zu legen. Und schlimmere. Der Youtuber Alex Cornell hat – unter Missachtung der US-Flugaufsichtsregeln – eine filmische Vision umgesetzt, darüber, wie unsere allzeit von fliegenden Augen überwachte Zukunft aussehen könnte. Faszinierend, aber erschreckend.

Angsthasen auf vier Pfoten
“Cat-Content is King” lautet eine alte Weisheit des Internets. Beinahe alles, was über die Freunde mit den Samtpfoten publiziert wird, ist ein Erfolg. Aber nicht alle Lebewesen dieses Planeten mögen Katzen, wie die herrliche Clipsammlung “You shall not pass, dog!” beweist. So mancher Hund nämlich kommt mit “King Cat” im eigenen Haus überhaupt nicht klar.

Dass man in den USA ganz eigene militärische Traditionen und Ehrbezeugungen pflegt, ist hinlänglich bekannt. So gehört zum Beispiel zu beinahe jedem Footballspiel der Überflug von Kampfjets des lokalen Geschwaders über das jeweilige Stadion zwingend mit dazu, auch zum Gefallen der meisten Zuschauer. Doch ein aktueller Showauftritt der US Airforce empört nun selbst Patrioten.

Seit 1955 nämlich versorgt das “North American Aerospace Defense Command” (NORAD), das militärische Luftüberwachungkommando, die amerikanischen Kinder mit genauen Informationen über die Flugroute, die Santa Claus zu Weihnachten mit seinem Schlitten über dem nordamerikanischen Kontinent einschlägt, der “NORAD Santa Tracker” gehört zur uramerikanischen Weihnacht einfach dazu.

In diesem Jahr allerdings herrscht helle Aufregung um diesen militärischen Service für aufgeregte Kinder. Denn NORAD veröffentlichte ein Webvideo, das den Santa-Schlitten eskortiert von zwei Kampfjets zeigt. Zu viel für Kinderschützer und Psychologen, die die Verquickung von militärischen Gehabe mit Weihnachten für komplett verfehlt halten.

Die NORAD-Chefs reagierten auf die Kritik eher lakonisch: “Wir möchten nicht unsere wahre Aufgabe verschleiern, auch nicht vor Kindern. Es ist schließlich wie Werbung.”, verteidigte ein Sprecher das umstrittene Video. Und NORAD hat noch mehr zu bieten: In einem anderen Video bestätigten US-Geheimdienstler (etwa die NSA?), dass der anfliegende Santa Claus keine Gefahr darstellt.

Dazu hätte es womöglich keine Spione gebraucht.

http://www.youtube.com/watch?v=GhTLGBq-Uyg

Wann immer ein neuer Film in die Kinos kommt, wiederholen sich die stereotypen Rituale der Werbekampagnen. Erst werden Trailer veröffentlicht, dann “lustige” oder “spannende” Details der Dreharbeiten bekannt, schließlich starten die Schauspieler auf weltweite Promotiontour, die außer streng kontrollierten Interviews meist nichts zu bieten haben. Und genau darauf hatte Will Ferrell anscheinend keine Lust mehr.

Für seinen neusten Film “Anchorman2″, die Fortsetzung der Erfolgskomödie über den 70-Jahre-Fernsehmoderator “Ron Burgundy” absolviert der Schauspieler bereits seit Wochen eine Promotour ganz eigener Art: Er taucht als “echter” Charakter Burgundy regelmäßig im US-Fernsehen auf. Mal als ESPN-Gastkommentator beim Curling, mal bei den MTV Music Awards mit Daft Punk. Und er scheut auch nicht den Weg in die TV-Provinz. So moderierte er nun beim Sender “KX News” in North Dakota die Abendnachrichten. Das war zum einen sehr amüsant, zum anderen sehr aufschlussreich. Denn beim Auftritt des Retro-Anchors “Ron Burgundy” merkte man deutlich, wie wenig sich die klassischen US-TV-News in den vergangenen 40 Jahren verändert haben. Aber das war sicherlich auch ein Zweck der Unternehmung.

Um im Berliner Problembezirk Wedding Polizist zu sein, braucht es eine Menge von ganz speziellen Kompetenzen. Frustrationstoleranz, Stressimmunität und interkulturelles Verständnis zum Beispiel. Nun kommt womöglich bald eine neue Fähigkeit hinzu: Rap-Songs zu komponieren.

Das demonstriert zumindest ein jetzt öffentlich gewordenes Werk eines unbekannten Polizisten, der die Arbeit seiner Kollegen im so genannten “Abschnitt 36″, eines besonders problematischen Teil Berlins in einem eigenen Song mit dazugehörigem Video verarbeitet hat. Wie der laut Spiegel Online nur für eine interne Feier gedachte Film ins Netz gekommen ist, ist noch nicht geklärt. Ärger von Vorgesetzten droht dem talentierten Beamten “aus der Hooooood” aber nicht.

Während hierzulande Fernsehschaffende bis auf wenige Ausnahmen mit Twitter und dem berühmt-berüchtigten “Second Screen” fremdeln und das Vorlesen von Tweets durch so genannte “Twitter-Tussis”, meist aparte Jungredakteurinnen, das Höchste der Social-Media-Gefühle ist, geht man woanders weitaus kreativer mit dem Phänomen Twitter um.

So ist die Rubrik “Mean Tweets”, bei der Prominente die übelsten Hass-Tweets gegen sich vorlesen, schon ein Klassiker der “Jimmy Kimmel Show”. Aber mit welcher coolen Souveränität und Selbstironie in dieser Woche Stars wie Sharon Stone oder Kevin Bacon heftigste Beleidigungen über sich zitierten, war Entertainment at it’s best.

Wer an den USA verzweifelt in diesen Tagen (und wer tut das nicht?), der findet Trost in dem Country-Song “America sucks less” der Macher von “College Humor”, , einer der besten amerikanischen Satire-Seiten im Netz. Ein hübsch-bös gemachtes Spottlied, das zweierlei beweist. Erstens: Es geht immer noch schlimmer. Und zweitens: Nicht alle Amis sind dumm.

Babyvideos gibt es ja viele auf Youtube und die meisten entfalten ihren Charme wohl vor allem bei der eigenen Familie, die ihren Nachwuchs ja stets durch besonders rosarote Brillen sieht. Aber dieser Film hier, aufgenommen von einer französischen Hebamme, hat die Chance zu einem Klassiker des Genres zu werden. Die beiden Zwillinge, die nicht voneinander lassen können, rühren schon Millionen User weltweit.

Wer in Indien mit Filmen aller Art Erfolg haben will, kommt an den eisernen Drehbuchgesetzen Bollywoods nicht vorbei: Eine junge hübsche Frau muss mithilfe eines ebenso jungen und hübschen Mannes ein (kleines, mittleres, großes) Wunder vollbringen. Manchmal auch umgekehrt. Wichtig noch: Die ganze Familie muss irgendwie beteiligt sein, am Ende liegen sich alle in den Armen. Und wenn dann noch die alte Erbfeindschaft mit Pakistan überwunden wird – umso besser. All diese Regeln hat Google bei seinem neuen Imagefilm “Reunion” für den Subkontinent auch brav auf dreieinhalb Minuten beherzigt. Und dazu noch alle Google-Features und -Hardware mit eingebaut. Mehr geht nun wirklich nicht. Zum Heulen.

Italienische Fußballer gelten in Fankreisen ja schon länger als “Leichtumfaller” und “Schauspieler”. Aber was sich am vergangenen Wochenende beim Match zwischen Salernitana und Nocerina in der dritten Liga abspielte, war einmalig. Und hatte leider einen traurigen Hintergrund.

Weil den Ultra-Fans von Nocerina wegen vorheriger Ausschreitungen verboten worden war, zum Spiel anzureisen, sorgten sie auf eine andere Art für einen Spielabbruch: Sie bedrohten ihr eigenes Team so massiv, dass die Spieler vor Angst ständig Verletzungen vortäuschten, um ausgewechselt zu werden. Als nur noch sechs Spieler von Nocerina auf dem Platz standen, musste der Schiedsrichter das Match den Regeln nach abbrechen. Die genauen Hintergründe dieser Farce hat die “Irish Time” hier zusammengefasst. Aber die Bilder der “Verletzungsorgie” sprechen auch für sich.

So ein Leben als Pop-Video-Bitch ist schon hart: Ständig in knappsten Kostümchen herumposen, den Hintern wackeln oder an Tänzern reiben, an Hämmern oder ähnlichem Männerwerkzeug lecken und mit möglichst schmutzig-laszivem Blick in die Kamera schauen – das muss man erst mal draufhaben als junge Frau mit Starallüren von heute. Popstar Lily Allen hat sich mal so ihre Gedanken über die künstlerische Arbeit der Kolleginnen gemacht. We like.

Kommen zwei Kiffer zu Edeka… Okay, bevor jetzt einige hier meckern: Ja, der Spot ist schon etwas älter. Vom Mai diesen Jahres genauer gesagt. Da lief der von der Hamburger Agentur Jung von Matt tatsächlich für Edeka erdachte Werbefilm mit den zwei Grasfreunden im Kinovorprogramm von “Hangover 3″. Wo er bestens aufgehoben war, aber ihm niemand wirklich Beachtung schenkte. Mittlerweile aber findet der Spot viral seinen Weg durch die Youtube- und Social-Media-Welten. Und das klappt ja längst nicht bei jedem “viral” gedachtem Werberwerk.

Was für ein Wutausbruch: Als habe Rob Ford nicht schon genug Probleme, ist in dieser Woche auch noch ein Video aufgetaucht, das den Bürgermeister von Toronto noch mehr in Schwierigkeiten bringen wird. Die hatte Ford eh schon en masse nach seinem Eingeständnis, regelmäßig Drogen zu nehmen. Nun also dieser heimlich aufgenommene Film von einem nahezu komplett ausrastenden Bürgermeister, der jemanden offensichtlich sehr an den Kragen will. Von der örtlichen Zeitung auch noch zum besseren Verständnis untertitelt. F***.

Wenn man mal ehrlich ist: Für solche wilden Sachen sind doch die GoPros erfunden worden. Oder was immer an Equipment diese Parcour-Jungs bei ihrem Freerun über den Dächern von Moskau da auf dem Kopf haben. Spektakulär.

Die dümmste Fahrerflucht des Jahres… fand wohl neulich in Chicago statt. Besonders rührend ist der hilflose Versuch des Passanten (wohl der Fahrer des zuerst gerammten Taxis), den SUV mit bloßen Händen – und einem Regenschirm – aufzuhalten. Ab 1:30 wird es richtig bunt. (Bonustrack: Der Streit um die Lizenzrechte für das Video, der in den Kommentaren auf Youtube ausgetragen wird, ist beinahe ebenso unerbittlich)

Eigentor Eigenkorb beim Basketball? Doch, das gibt es…

Auch Japanerinnen lieben (ab und zu jedenfalls) einen großen saftigen Burger. Das Problem: Die strenge Etikette der japanischen Kultur verbietet es Frauen, in der Öffentlichkeit mit weit geöffneten Mündern zu essen. Doch die “Fastfoodkette” “Freshnesh Burger” erfand einen Ausweg aus dem Dilemma. Ironie inklusive.

Die böse Veralberung von unschuldigen amerikanischen Kindern hat bei Star-Moderator Jimmy Kimmel schon Tradition. Jedes Jahr nach Halloween bittet er die Eltern der Kleinen darum, denen vorzuschwindeln, sie hätten alle gesammelten Süßigkeiten der vergangenen Nacht einfach aufgegessen – und die Reaktion des Nachwuchses darauf zu filmen. Was dabei geschieht, ist mitunter ein Fall für den Kinderschutzbund. Aber immer unglaublich komisch.

Dass wir hier bei OneTV New York Fans sind und besonders gerne Videos über den Big Apple schauen, ist vielleicht bekannt. Die Stadt, die niemals schläft, scheint ein unendlicher Quell für Künstler und Filmemacher zu sein. Dementsprechend groß ist die Auswahl an sehr guten New York Filmen. Aber dieses Werk hier, das aus zusammen geschnittenen Sequenzen von nur einer Sekunde besteht, hat uns dann doch noch einmal mächtig beeindruckt.

Die Youtube-Story

Kleiner Infotipp für zwischendurch: Youtube ist ein solch selbstverständlicher Part unseres digitalen Lebens geworden, dass man leicht vergisst, dass die weltgrößte Videoplattform noch nicht einmal zehn Jahre existiert. Die Kollegen von Business Insider haben die Geschichte von Youtube in einem Video zusammengefasst. Interessant und gut gemacht, wie ich finde:

Youtube_history

Audience go

Konkurrenz zerstört das Geschäft. So oder ähnlich werden heute Morgen einige deutsche TV-Verantwortliche gedacht haben, als bekannt wurde, dass der US-Konzern Liberty Global, der mit Kabel BW und Unity Media bereits zwei deutsche Kabelgesellschaften besitzt, nun auch noch auf dem hiesigen „Video-on-demand“-Markt mitmischen will. Sein neues Produkt, „Horizon“ genannt, soll ab September auf Set-Top-Boxen, aber auch via SmartTV, Laptops, Tablets oder Smartphones, nicht nur das normale TV-Programm, sondern auch Filme und Musik auf Abruf anbieten. Vergleichbar also mit den Angeboten von Apple, Amazon oder der Telekom mit ihrem „Entertain“-Paket.

Wieder ein neuer Player im Markt, noch mehr Wettbewerb um die Zeit der Zuschauer. Dabei ist das Leben für die traditionellen TV-Sender schon hart genug. Die Zahlen des klassischen US-Fernsehmarktes, für Deutschland liegen aus diversen Gründen immer noch keine verlässlichen vor, sprechen eine eindeutige Sprache: Um sage und schreibe 50 Prozent sind die Quoten vieler Sender in den vergangenen zehn Jahren zurückgegangen, allein im vergangenen Winter verloren die Major Networks in den USA rund 17 Prozent ihrer Zuschauer in der vermeintlich so attraktiven Zielgruppe der 18- bis 49-Jährigen.

Was aber machen diese (ehemaligen) Zuschauer des klassischen Fernsehens stattdessen? Ein Teil widmet seine Aufmerksamkeit den Internetangeboten, besonders den Sozialen Medien. Ein Großteil aber sitzt immer noch vor dem Fernseher – allerdings nicht mehr, um das laufende Programm anzuschauen. Vierzig Prozent, so eine Studie der US-GfK, schauen in der klassischen Prime Time entweder aufgezeichnete Sendungen, spielen Games oder nutzen Streamingangebote wie Netflix, Hulu oder AppleTV (iTunes). Besonders letztere haben ihren Marktanteil in den vergangenen drei Jahren gewaltig ausgebaut. Unter dem Begriff „Fragmentation“ ist dieses Phänomen mittlerweile zum Schreckgespenst der Branche geworden. Der Markt ist so zersplittert, dass die Sender schon froh sind, fünf Millionen Zuschauer bei einer Topshow zu bekommen. Nicht wenige Experten rechnen deshalb damit, dass sich die US-TV-Branche in ihrer jetzigen Form nur noch wenige Jahre halten kann.

Wie gesagt, für Deutschland fehlen noch belastbare Zahlen, auch dürfte der Anteil der aufgezeichneten Sendungen geringer als in den USA sein – aber der Trend, nicht mehr den vorgegebenen Zeiten und Programmen zu folgen, ist auch hier klar ersichtlich, wie ich auch bei einer schnellen Facebook- und Twitter-Umfrage unter Freunden und Followern bestätigt bekam. Lineares Fernsehen wird nur noch zu großen Liveereignissen (vor allem Sport, schon viel seltener Shows) gesehen, der „Tatort“ ist noch eine halbwegs feste Größe zur festen Zeit, danach hört es aber auch schon auf. Selbst die „Tagesschau“ hat bei einer immer größer werdenden Klientel ihren Stammplatz um 20 Uhr verloren.

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Eine Tatsache, die auch ZDF-Nachrichtenmann Claus Kleber, jüngst einräumte. Für viele reine Nachrichten im Bewegtbild, so Kleber, brauche man die klassischen Newssendungen ja gar nicht mehr. Dafür reiche heutzutage ein Blick ins Internet. Kleber bekam viel Kritik für seine Aussagen, vor allem aus den eigenen Reihen. Individueller Fernsehkonsum im Netz, so lautete der Vorwurf, sei doch nur ein Phänomen einer sehr kleinen Minderheit – so ähnlich beschwichtigen Senderchefs schon seit Jahren, vor allem sich selbst.

Denn natürlich sehen auch sie, dass das On-demand-Zeitalter, in dem der Zuschauer sein Programm nach seiner Lust und Laune auswählt, längst begonnen hat. Und die Fernsehindustrie wird nach der Musik- und der Printbranche der nächste Medienzweig sein, der deshalb Abschied nehmen muss von traditionellen Strategien, alten Programmierungen und damit leider auch sehr lieb gewonnenen Gewinnmargen.

Denn natürlich beruht ein Kerngeschäftsprinzip linearer TV-Sender auf dem möglichst lange Verweilen der Zuschauer auf dem eigenen Kanal. Eine Armada von Fachleuten ist damit beschäftigt, einen möglichst kontinuierlichen “Audience Flow” bei Tag und Nacht zu erreichen, um ohne große Verluste von einer Werbeinsel zur nächsten zu kommen. Das setzt aber voraus, dass das Publikum über Stunden hinweg, wenn auch oft nur halbherzig begeistert, dem jeweils vorgesetzten Angebot folgt.

In dieser Welt, lieber Kunde, gibt es um 21:30 Uhr eben nichts mehr zur Flutkatastrophe, weil der Brennpunkt schon um 21:15 beendet war.

Ein Serviceloch, das in digitalen Zeiten immer absurder erscheint. Und für die Generationen, die nun mit dem Netz und seiner Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit aufwachsen, nicht mehr zu akzeptieren ist.

Genau darum werden On-Demand-Lösungen, auch auf den Hauptbildschirmen im Wohnzimmer und zu den TV-Kernzeiten, für die Sender unumgänglich werden, um konkurrenzfähig bleiben zu können. Auch Vermarktungsstrategien und Finanzierungskonzepte werden sich diesem Cherry-picking-Verhalten des Zuschauers anpassen müssen. Dass dabei eine ganze Menge von Formaten verschwinden werden, die heutzutage, billig produziert, nur als Füllmasse für den Tag gebraucht werden, ist wohl kein großer Verlust.

Nachtrag: Gerade lese ich, dass Claus Kleber in seiner Tagesschau-Kritik noch einmal nachgelegt hat. Die Sendung sehe aus, als käme sie aus Nordkorea. Da freuen sich die Kollegen.

Made in New York

Es muss nicht immer Silicon Valley sein. Natürlich ist das kalifornische Hightech-Zentrum noch der Pulsgeber der digitalen Welt, doch in den USA gibt es überall Regionen, in denen neue Hightechfirmen Fuß fassen und so langsam auch Ökonomiestrukturen im Land verändern.

Vor allem die New Yorker Internetszene hat in den vergangenen Jahren rasant aufgeholt und demonstriert das auch derzeit mit lokaleigenem Selbstbewusstsein auf der Internetweek, einer Großveranstaltung mit sehr interessanten Diskussionsrunden, Seminaren und Vorträgen – und nicht zuletzt der Verleihung der “Webby-Awards”, die auch für die US-Showprominenz langsam zum Pflichttermin wird.

Einen Teil der Internetweek bildet der so genannte Walkabout NYC. Hier öffnen für einen Tag Internetfirmen, meistens Start-ups, ihre Türen, um Besuchern ihre Arbeit und Produkte zu erklären. Das sind sehr lockere, sehr offene Termine, bei denen neben ein bisschen Eigenwerbung sehr offen auch über Probleme und Businesspläne gesprochen wird. Ich habe drei auf Videothemen spezialisierte Firmen besucht, die ich kurz vorstellen möchte.

1. Animoto

Animoto hat eine Software entwickelt hat, mit der jeder innerhalb von Minuten Videos, Fotos, Grafiken zu einem Film zusammenbauen kann.

Ich habe mir eben schnell mal die kostenlose Animoto-App herunter geladen, und die Fotos, die ich bei meinem Besuch dort gemacht habe, verwendet. Dazu ein Musikstück und eine der vielen Formatvorlagen, die Animoto auch anbietet – fertig ist in weniger als zwei Minuten ein kleiner 30-Sekundenfilm. (Hier der Link zum Film auf Youtube)

Das ist natürlich erstmal nur ein flottes Spielzeug, mit dem man aber schon einiges spontan anstellen kann, ohne sich mit den für die meisten User doch etwas komplizierteren Schnittprogramme der klassischen Anbieter abzumühen. Video für jedermann.

Interessant für professionellere Nutzer wird es dann, wenn auch Animoto daran verdient: Gegen eine monatliche Gebühr, die je nach Nutzerbedarf variiert, kann man auch längere Filme mit mehr Elementen, Sprachmöglichkeiten etc. produzieren. Das können dann schon richtige Kunstwerke sein, wie gesagt, alles relativ einfach und auch ohne Videoschnittkenntnisse zu machen.

Geeignet ist die kostenpflichtige Version vor allem für alle, die regelmäßig präsentable Filme erstellen müssen: Das sind natürlich Journalisten oder Fotografen, die neue Arbeiten präsentieren möchten und es dabei schnell und unkompliziert mögen. Aber auch Eventfirmen, PR-Stellen von Unternehmen oder vielleicht sogar Makler, die ein besonders schickes Objekt mal origineller präsentieren wollen.

Spaß macht Animoto auf jeden Fall.

2. Vimeo

Sie seien die bessere Seite von Youtube, verkünden Vimeo-Manager gerne – und tatsächlich kommt ihre Videoplattform ohne einiges vom dem aus, das den riesigen Konkurrenten mitunter nervig macht. Auf Vimeo finden sich weder Schwachsinns- oder Hassvideos, auch kaum unflätige Kommentare, oder auch nicht Werbung an jeder Ecke.

Vimeo empfiehlt sich als hochwertiges Portal für anspruchsvollere Filme, ihre Zuschauer und Macher. Ein, neben dem echten Herzensanliegen natürlich, kluger Schachzug, um sich gegen das in Sache Größe und Netzbedeutung unschlagbare Youtube überhaupt halten zu können. So erreicht man mit etwa 12 Millionen registrierten Nutzern und rund 900 Millionen Besuchern monatlich immerhin rund acht Prozent des Youtube-Aufkommens. Das Geschäftsprinzip sieht, neben sehr sparsam eingesetzter Werbung, freiwillige Spenden und Gebühren vor, die Vimeo-Nutzer für ihre eigenen Kanäle je nach Größe zählen müssen.

Qualität zahlt sich aus: Durch das deutlich bessere Niveau der Beiträge hat sich Vimeo zum begehrten Partner von einigen großen Marken wie Apple, Sony oder Samsung gemacht, die den Dienst auf ihren eigenen Plattformen prominent platzieren. Und darum rechnet sich die Sache auch langsam auch, wie Vimeo-Manager im persönlichen Gespräch verraten. Zumindest nach außen geht es der Firma glänzend: Sie hat in den vergangenen 12 Monaten ihr Personal verdoppelt und residiert nun in einem todschicken Bürogebäude mit spektakulärer Sicht direkt am Hudson-River.

Für alle, die Vimeo und die Möglichkeiten von gutem WebTV kennenlernen möchten, empfehlen sich als Einstieg die als “Staff Picks” präsentierten Tipps. Das ist mal was anderes als Katzen-Content.

3. Livestream.

Schon im vergangenen Blogpost hatte ich ja darüber berichtet, dass Live-Übertragungen gerade das Boomthema im WebTV-Bereich sind. Vom lokalen Stadtfest bis zur Preisgala, vom Fußballspiel des Heimatvereins bis zur Berichterstattung über Unglücke – vieles ist für Medienunternehmen, Produzenten oder Veranstalter als Live-Angebot denkbar.

Noch vor wenigen Jahren waren Direktübertragungen, vor allem von Nicht-Studio-Aufnahmen, eine sündhaft teure Angelegenheit mit Satellitenleitungen, hochkomplizierten Umwandlungssystemen und anderen Kostentreibern, die “live” tatsächlich nur für große Sender oder Marken möglich machten.

Das hat sich, dem Netz sei Dank, vollkommen geändert.

“Livestream” ist eine New Yorker Firma, die sich darauf spezialisiert hat, ihren Kunden alles für eine Liveübertragung zur Verfügung zu stellen, was man neben Kameras dazu noch braucht. Das fängt beim hauseigen entwickelten Encoder-System an, das aufgenommene Videosignale für den Übertragung umwandelt und hört beim eigenen Livekanal im Web auf. Ein Rundum-Sorglos-Paket also, wenn man es braucht. Noch dazu mit sehr günstigen Preisen, die kleinste Übertragungsbox (s.Foto), mit der man sehr anständige Bilder mit einer Kamera via WLAN oder sogar einer 3G-Mobilleitung übertragen kann, kostet nicht einmal 500 Dollar

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Livestream ist bislang sehr erfolgreich gewesen, weil es den Bereich Direktübertragungen im Netz komplett zu organisieren, ziemlich exklusiv für sich innehatte. Unter anderem ließ das Wahlkampfteam von Barack Obama im vergangenen Jahr alle Auftritte des Präsidenten auch per Livestream im Netz übertragen. Viele große Plattenfirmen nutzen den Service ebenfalls, um Konzerte ihrer Künstler zu präsentieren. Das Ganze in perfekter HD-Qualität, die einem TV-Signal über Kabel in beinahe nichts mehr nachsteht.

Nun aber haben auch andere Große das Geschäft mit Live-TV im Netz erkannt. Neben, wie berichtet, Brightcove hat vergangene Woche auch Youtube angekündigt, sein Direktübertragungsangebot massiv auszubauen.

Keine Gefahr für Livestream, meint Chef Ypsilon Ypsilon, das bestätige doch nur, dass man auch selber auf dem richtige Weg sei. Nur mit den Gesprächen im Aufzug müsse man jetzt etwas vorsichtiger sein: Die Firma residiert im Manhattan-Tower von Google, dem Mutterkonzern von Youtube.

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Übrigens: Alle drei Firmen suchen, wie beinahe alle anderen New Yorker Internetfirmen auch, dringend Personal. Vor allem im Entwicklungsbereich, aber auch für viele andere Positionen. Also, wer Lust auf NYC hat…

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Für mich und OneTV geht die Reise jetzt weiter zum “Connected TV World Summit” in London. Hier treffen sich beinahe alle TV-Gerätehersteller und -Sender, um über die Möglichkeiten der Vernetzung von Fernsehen und Internet zu diskutieren. Wird bestimmt spannend.

Aber nicht so spannend wie das Fußballspiel, das am Ende der Woche ebenfalls in London stattfinden wird.

Nur der BVB !

Die Kunst und das liebe Geld

Wer immer ein Beispiel braucht, um zu beweisen, dass die Digitalisierung des Fernsehens nicht nur Arbeitsplätze gekostet, sondern auch gebracht hat, kann mit gutem Gewissen auf Brightcove verweisen. Die US-Firma, noch nicht einmal zehn Jahre alt, ist zum führenden Anbieter von professionellen Videolösungen für das Internet geworden.

Als wir 2007 das Videoangebot von stern.de mit Brightcove aufgebaut haben, waren wir einer der ersten Kunden außerhalb der USA und GB. Heute benutzen über 6000 Unternehmen in 60 Ländern Videotechnik von Brightcove, die Firma hat über 350 Beschäftigte, und einen Börsengang mit Hype, Einbruch, Erholung und damit das branchenübliche Erwachsenwerden im Schnelldurchlauf hinter sich.

Aber natürlich, wie es sich für eine echte amerikanische Digitalfirma gehört, laufen der Gründer Jeremy Allaire und sein Vorstandschef David Mendels in Jeans und lässig ungebügelten Hemden zur “Brightcove Play” auf. Auf dieser jährlich am Stammsitz der Firma in Boston stattfindenden Konferenz treffen sich Brightcove-Kunden aus aller Welt mit Netz- und TV-Experten, um die neuesten Trends der Branche auszutauschen. Der Ton ist locker, informell – und trotzdem doch ein bisschen anders, nicht ganz so aufgeregt als vielerorts bei den Stars im Silicon Valley. Ostküste eben.

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Einige Tagesordnungspunkte der Konferenz sind nur etwas für echte Liebhaber digitaler Videostreamingtechnik – man hört viel über Kodierung und Entkodierung, Bandbreitenadaptionen, HTLM5 und Useranalysen. Bei der Präsentation neuer Playervarianten brandet Beifall von Entwicklern auf. Ganz amüsant.

Spannender für Unsereinen sind die Diskussionsrunden über Strategien, die Visionen für das Fernsehen von morgen und die Präsentationen von Beispielen der Brightcove-Kunden. Und die sind, neben den klassischen Medienunternehmen, komplett unterschiedlich. Der finnische Spielegigant Rovio lässt seine berühmten Angry Birds mittlerweile als selbst produzierte Kartoonfilmchen in seinen Game-Apps fliegen. Das Chicagoer Symphonieorchester präsentiert Konzerte, Proben, Interviews mit seinen Musikern auf der eigenen Videoplattform. Und hat es damit geschafft, die Käuferschaft für seine Musikwerke wieder deutlich zu verjüngen.

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Das japanische Start-up Jyukensapuri ist extrem erfolgreich, weil es mit abgefilmten Universitätsvorlesungen und -Seminaren den Bildungshunger jener großen Masse der Bevölkerung in Japan bedient, die wegen der hohen Kosten nicht an ein Studium denken kann. Und Boston.com, die Onlineseite des Boston Globe berichtete sehr eindrucksvoll per Video über das Marathon-Attentat und seine Folgen, die in der Stadt und bei ihren Menschen immer noch sehr prägend sind.

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All diese Unternehmen, egal ob Spielentwickler, klassische Musiker oder auch Printjournalisten hätten vor noch wenigen Jahren nicht einmal im Traum dran gedacht, ihre Arbeit und Produkte auch im Bewegtbild zu präsentieren.

Aber digitales Fernsehen, vor allem über das Netz verbreitet, macht jedes Unternehmen, aber auch talentierte Einzelkämpfer, zu einem potentiellen Medienlieferanten, weil es atemberaubend einfach geworden ist, Inhalte nicht nur zu produzieren, sondern sie auch in die ganze Welt zu distribuieren. HomeDepot, der US-Baumarktgigant, hat mit seiner eigenen Heimwerkersendung auf Youtube Millionen von Zuschauern, die Köche von Allrecipes.com sind auch ohne CBS oder ABC in ganz Amerika Stars, weil man sich ihre Videos gegenseitig als Rezeptideen schickt. “Red Bull” ist ein weltweiter TV-Sender, der nebenbei noch Getränke verkauft. Mein Herzensfußballverein Borussia Dortmund überträgt schon länger viele Vorbereitungsspiele komplett senderunabhängig auf seinem eigenen Internetkanal. Der derzeit zweiterfolgreichste Videohit auf Youtube (zum erfolgreichsten kommen wir ganz unten) ist eine wirklich lustige Persiflage auf das Geschäftsgebahren von Facebook produziert nicht etwa von einer großen TV-Show, nein, in Eigenregie von einer Gruppe junger Comedians aus Los Angeles.

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Was gut daran ist? Zwangsbestimmung, Desinteresse, Langeweile und Warten, all jene Ärgernisse, denen man als Zuschauer des linearen Fernsehens über 60 Jahre nahezu hilflos ausgeliefert war, sind verschwunden. Wer halbwegs geschickt ist, findet heute überall zu jeder Zeit etwas für seinen ganz eigenen Geschmack. Die Fragen “Läuft nicht was anderes?”, “Wann kommt das denn?” und “Wo gibt’s das?” sind für die Generation Y schon nahezu aus dem aktiven Sprachgebrauch verschwunden. Im Zeitalter der Suchmaschinen und riesigen Videobibliotheken in der weltweiten Datenwolke sind nur noch Sportevents und wenige Liveereignisse das Holz für das Lagerfeuer im Wohnzimmer, um das sich ab und an alle versammeln.

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Achtung, jetzt die Kehrseite der Medaille: Wo immer mehr unterschiedlichster Inhalt da ist, der jeden auch noch so speziellen Bedarf bedient, zersplittert ein Markt in extrem viele Einzelteile. Die für sich selber nur schwer tragfähig sind. Vor allem die großen Medienunternehmen leiden ja darunter, dass ihnen die Kunden weglaufen, weil die ihre Zeit- und Geldbudgets mehr in Interessen investieren, die die Generalisten gar nicht abdecken können.

Was den Printhäusern schon seit einigen Jahren widerfährt, droht nun auch den großen TV-Sendern, deren Geschäftsmodell ja immer auch eine Mischfinanzierung über das gesamte Programm hinweg war. Wenn aber immer mehr Fans von CSI oder Dr. House ihre Lieblingsserien unmittelbar im Netz beziehen, wenn das Spielfilmhighlight der Woche nach der Kinoverwertung erstmal auf dem Youtube-Channel von Pepsi Cola in HD läuft oder die Comedians ihre Show exklusiv auf eigenen Videoplattformen präsentieren – dann brauchen RTLSAT1PROSIEBENETC schon sehr bald wirklich neue Ideen. Um ihre aufwändigen Apparate weiter unterhalten zu können, werden aber auch die nur bedingt weiterhelfen. Es wird dramatisch werden mit dem großen alten Fernsehen.

Aber auch die Kleinen, die Neuen und die Einzelkämpfer sind nicht selbstverständlich auf der Gewinnerseite. Für sie stellen sich ganz andere Fragen: Wieviel braucht es, um eine eigene TV-Produktionsabteilung wie jene der Symphoniker aus Chicago zu unterhalten? Sehen wir Video als Werbemittel oder Einnahmequelle? Soll man für spezielle Produktionen Geld von seinen Zuschauern verlangen? Um bei Youtube mit den mit Google geteilten Werbeeinnahmen richtig zu verdienen, braucht es Millionen von Klicks.

Ich glaube, es wird eine Mischung aus PayTV- und Werbe-Einnahmen sein, mit der die neuen Anbieter auf dem TV-Markt erfolgreich sein können. Auch, weil sie in den meisten Fällen auf schmalerer Basis kalkulieren und trotzdem hochwertige Qualität liefern können. Auch, weil sie die neuen Möglichkeiten des WebTVs, vor allem im Livebereich, besser für sich nutzen können. Ich werde in den nächsten Postings dafür einige Beispiele präsentieren.

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Klinge ich zu euphorisch? Man ist dann eben doch eher optimistisch aufgeladen, wenn man ein paar Tage mit US-Kollegen über die gleichen Visionen und Ideen gesprochen hat. Das unterscheidet DigitalTV-Konferenzen hier und in Deutschland übrigens.

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Apropos Unterschiede: Ich habe während der “Brightcove Play” in diversen Runden Kollegen aus aller Welt klarmachen wollen, warum die Debatte um Adblocker und Netzdrosselung in Deutschland zu solch fanatischen Reaktionen und existenziellen Ängsten um Netzfreiheiten und -neutralitäten geführt hat.

Es ist mir nicht gelungen.

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Und ganz zum Schluss eine traurige Nachricht aus der Videowelt: Die Geschichte, über ein Paar, das an einer Tankstelle scheinbar spontan Popsongs zum Besten gab und damit zum weltweiten Socialmedia-Hit wurde, ist offensichtlich ein Fake. Also leider keine herzwärmende Geschichte.

Wenn man das Video genau anschaut, fragt man sich allerdings, warum keiner früher darüber gestolpert ist.

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Next stop für OneTV: die Internet Week New York. I keep you posted.

Transatlantik

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Über Wasser, kurz hinter Irland. An Bord von British Airways Flight 177 nach New York hat man es sich jetzt, etwa 30 Minuten nach dem Start in London halbwegs erträglich eingerichtet. Nun wandern die Blicke auf die Bildschirme, die auf den Rückseiten aller Sitze montiert sind. Und man erlebt, zumindest als nicht-BA-Vielflieger, eine Überraschung.

Denn das Unterhaltungsangebot ist, man kann es auch ohne Werbung machen zu wollen, nicht anders beschreiben: sensationell. An jedem Sitz stehen über 100 (!!) Kinofilme, größtenteils brandneu, zur Auswahl. Dazu kommen Fußballhighlights, TV-Serien, frische BBC-News, Musikshows, sogar anspruchsvolle Dokumentationen etc.

Um so etwas zu präsentieren, hätten die Airlines noch vor wenigen Jahren unter Aufgabe der gesamten Businessklasse eine kleine Sendezentrale in die Flugzeuge einbauen müssen – jetzt bedient ein schuhkartongroßer Mediaserver die individuellen Wünsche von über vierhundert Passagiere in Sekundenschnelle.

Obwohl auch das Nonvideo-Angebot an Bord ebenfalls hervorragend ist, unter anderem mit Martin-Amis-Hörbüchern, vielen Audio-Podcasts des Guardian und einem Essential-Music-Channel, der “Best of Foo Fighters”, “Edwin Starr – Greatest Hits” und “Dark Side of the Moon” in einer Playlist hat – die allermeisten Passagiere haben einen der diversen Videokanäle gewählt.

Die Macht des bewegten Bildes scheint ungebrochen. Weil es unterhalten, informieren, berühren kann, wie kaum ein anderes Medium – und toll ablenken. Selbst von der unverschämt engen Holzklasse der BA.

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Ich bin auf dem Weg in die USA, um Menschen zu treffen, die die Digitalisierung des Mediums Fernsehen weder als inhaltliches Weltuntergangsszenario noch als Aufforderung zur Produktion von noch mehr Billigschrott verstehen. Menschen, die Spaß am neuen Fernsehen haben.

Zum Beispiel die Macher der WebTV-Angebots der “New York Times”.

Die NYT hob erst vor kurzem einen Teil ihres der ganzen Branche gefeiertes Bezahlschrankensystems auf, um für einen bestimmten Angebotspart uneingeschränkten Zugang zu ermöglichen: Die Videos der ehemals nur Print denkenden Marke sind so populär, dass sie durch Werbespots viel Geld einbringen, auf das man nicht verzichten möchte – oder kann. Eine recht dynamische Entwicklung, wenn man bedenkt, dass WebTV bei der Times und anderswo vor noch nicht einmal fünf Jahren auf keinem einzigen Businessplan standen…

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Apropos Verlegerfernsehen: Das Versagen von CNN und anderer großer Newsnetworks während der Verfolgungsjagd auf die “Boston-Bomber” ist immer noch Diskussionsthema der Medienbericherstattung hier.

Über Stunden hinweg hatten die TV-Dinos, für die eine solche Newslage ja eigentlich wie gemacht ist, mit einem gewaltigen Aufwand, einschließlich Kameradrohnen, nur wenig bis gar nichts Substanzielles produziert – dafür aber etliche Falschmeldungen herausgejagt, die nach wenigen Minuten bereits korrigiert werden mussten.

“Höhepunkt” dieser Berichterstattung waren die Einblendungen zu den üppig besetzten Teams vor Ort. Ein ums andere Mal wurden die Starreporter dabei ertappt, wie sie auf der Suche nach News fast verzweifelt auf ihre Smartphones starrten. Sinnbildlich, im wahrsten Wortsinne.

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Die beste Video-Coverage an diesem denkwürdigen Tag machte dagegen, nota bene, das Web-Fernsehen der “Washington Post”. Das neue, erst vor knapp einem Jahr gestartete Angebot, zeigte natürlich auch Livebilder, eingekauft von Agenturen und selbst produziert von zwei eigenen kleinen Teams.

Aber die Bilder von abgesperrten Straßen, endlosen Polizeikolonnen und panischen Anwohnern liefen auf der Webseite der Post eben nicht um rund um die Uhr, sondern nur, wenn es wirklich etwas zu berichten gab. Während der langen Stunden, in denen in Boston nichts passierte, bot die Post auf der Website Hintergrundinfos und Analysen und mischte das Ganze zu einem dem Anlass stets angemessenem Multimediamix. NewTV at it’s best. In diesem Jahr will die Post übrigens einen eigenen digitalen Politikkanal starten. Deren Macher werde ich auf meiner Reise auch treffen, darauf freue ich mich ebenfalls sehr.

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Aber noch einmal zurück in die Gegenwart: “Get rid of the middle man” – so wirbt die US-Airline Jet Blue, die mich von JFK nach Florida bringt. Man könne, so der Spot, der im Bordfernsehen läuft, als Reisekunde via Netz (und damit natürlich auch auf der Jet-Blue-Webseite) ja alles selber und viel günstiger organisieren als der in den USA ja immer noch gottähnlichen Status besitzende Travelagent. Nicht nur Flüge, sondern ganze Reisepakete, Mietwagen und Hotels undsoweiterundsofort.

Get rid of the middle man – dieses Schicksal, nämlich durch die Digitalisierung in seiner Rolle als Mittler von Dienstleistungen bedroht zu sein, erleiden derzeit aber nicht nur Reiseagenten, sondern auch viele andere Branchen. Womit wir wieder beim Thema wären.

Wer zum Beispiel weiß schon, wie lange noch TV-Megastars wie Jon Stewart oder Jimmy Fallon ein Großteil ihres Geschäfts mit den klassischen Networks teilen müssen, auf denen sie ausgestrahlt werden? Gerade die Stars der US-Unterhaltungsbranche, aber auch Sportverbände wie im Basketball und Football generieren schon bemerkenswerte, globale Einnahmen über die Präsentation ihrer Shows im Netz – gut portioniert in viele prima vermarktbare Highlight-Häppchen.

Die Online-Reichweiten übertreffen jetzt schon die normalen TV-Quoten.

Und je autonomer die Inhalteproduzenten durch das Netz von den traditionellen Distributionswegen des linearen Fernsehens werden, umso größer werden die Fliehkräfte sein, die die Stars vom Middle Man wegtreiben.

Das gilt übrigens nicht nur für das Fernsehen.

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Apropos neue Konkurrenz: Wie angekündigt hat Amazon die ersten 14 jener Serientestepisoden online gestellt, die über sein TV-Talentförder-Programm “Studio” produziert wurden – auch inspiriert vom großen Erfolg, die der US-Webstreamingdienst Netflix mit seiner exklusiv für ihn hergestellten Serie “House of cards” hat. Amazon “Prime” Kunden können nun über die Folgen abstimmen, die auserwählten Ideen gehen dann in Serie. Online only. Und natürlich optimiert für den hauseigenen Kindle…

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Die Erfolge der Angebote von Amazon und Netflix und viele anderen neuen “Playern” auf dem TV-Markt werden dann hoffentlich auch dazu beitragen, jenes Vorurteil zu eliminieren, das von konservativen Fernsehmachern immer noch geschürt wird. Nämlich dass auf dem Fernseher im Wohnzimmer nichts anderes funktioniert, als die 60 Jahre alte, lineare Berieselungsmaschine, die einem passiven Zuschauer nur etwas halbwegs Attraktives vorsetzen muss, damit er in Duldungsstarre verfällt.

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Und, nur vorläufiges Ende der Überlegung, was passiert eigentlich, wenn die TV-Geräte-Hersteller selbst unter die Inhalteanbieter gehen, unter Ausnutzung ihrer strategisch günstigen Marktposition, Torwächter und Schlossbesitzer gleichzeitig zu sein?

In den USA läuft bereits auf jedem neuen Panasonic-Fernseher nach dem Einschalten erst einmal einer direkt von Panasonic selbst über die Netzverbindung eingespielter Werbespot. Man muss kein Technikexperte sein, um sich vorzustellen, bei welchen Aktionen auf dem TV-Gerät so ein, nur über die Hardware ausgesteuertes Geschäftsmodell sonst noch möglich ist…

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Apropos Geld: Die Financial Times meldet, dass Youtube demnächst Bezahlkanäle für besonders hochwertige Inhalte anbieten will. Hmm…

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Ganz umsonst aber nicht vergeblich kann man sich ab jetzt die nominierten Beiträge und Formate für den Deutschen Webvideopreis anschauen, die “Videopunk” Markus Hündgen und sein Team von der Europäischen Webvideoakademie in Düsseldorf dieses Jahr aus einer Flut von Bewerbungen herausgepickt haben. Es sind wieder, schön zu sehen, viele erstaunlich frische Ideen dabei..

Zur Preisverleihung am 25. Mai werde ich es aber leider nicht schaffen, da bin ich noch für OneTV auf Reisen.

I keep you posted…

Die Idee von OneTV

Die Vernetzung von Internet und Fernsehen ist eine radikale Medienumwälzung, deren Möglichkeiten wir heute wohl noch nicht einmal im Ansatz erahnen. Für Medienunternehmen, aber auch andere Marken, ist das eine ohne Übertreibung historisch zu nennende, neue Chance:  nämlich Publikum und Zielgruppen auf Kanälen zu erreichen, die lange Zeit nahezu komplett verschlossen waren. Mit einem Medium, das, allen Schwächen und Vorurteilen zum Trotz, immer noch gleichermaßen bewegend, mitreißend, informativ und unterhaltsam wie kein anderes sein kann.

Allein: Zwischen verrückten Youtube-Clips und tief entschlummerten TV-Primetime-Dinos, die die öffentliche Wahrnehmung des Fernsehens hierzulande derzeit prägen, bietet das neue TV schon jetzt viel mehr und für die Zukunft nahezu unendliche Möglichkeiten für kreative, innovative Konzepte.

 

Es ist an der Zeit, nicht mehr zwischen Klassik-TV, WebTV, IPTV, DigitalTV oder sonstigen oft mühsam konstruierten Begriffen zu unterscheiden. Es gibt nur gutes oder schlechtes Fernsehen, egal wie produziert oder wo gesendet. Auch deshalb heißt dieses Blog-Projekt „OneTV“ – und es beschäftigt sich mit den zentralen Fragen des Mediums.

Wo, wie und wann sehen wir in Zukunft Fernsehen? Vor allem: Was sehen wir? (Und natürlich auch: Wer soll das bezahlen?)

Auf der Suche nach Antworten auf diese Fragen treffe ich seit einigen Monaten viele fachkundige und inspirierende Menschen, die die Zukunft des Fernsehens ebenfalls umtreibt.

In diesem Blog berichte ich über diese Begegnungen, stelle Ideen und Formate vor und tausche mich natürlich auch gerne mit Euch und Ihnen darüber aus. Und wer Lust und Zeit hat, das in RL bei einer Tasse Kaffee zu tun, der erreicht mich auf den hier nebenstehenden Wegen.

Ich drücke den Einschaltknopf: OneTV ist gestartet. Stay tuned.

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