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Der Tatort “Borowski und das Meer” aus Kiel im Pressespiegel

ARD-Tatort "Borowski und das Meer"

ARD-Tatort “Borowski und das Meer”: “Anhäufung von Dilettantismus”

Der Kieler “Tatort”, mit Axel Milberg in der Rolle als kauziger Ermittler Klaus Borowski, hatte sich in den vergangenen Jahren zu einer echten Größe in der Reihe der legendäre ARD-Krimiserie entwickelt. Oft komplexer und mysteriöser angelegt als viele andere Episoden des Formates, avancierte der Kommissar von der Küste, auch mithilfe seiner von Sibel Kekilli und zuvor Maren Eggert überzeugend gespielten Assistentinnen zu einem Favoriten bei Zuschauern und Kritikern gleichermaßen. Zumindest Teile der letzteren haben aber mit der aktuellen Folge “Borowski und das Meer” riesige Probleme. Es fallen harsche Worte, von “Superflop” und “Dilettantismus” ist die Rede. Aber lesen Sie selbst.

Annette Berger auf Stern.de:
“Borowski und das Meer” kommt zunächst wie ein Öko-Krimi daher, da es um dunkle Machenschaften bei der Förderung von Rohstoffen in der Tiefsee geht. Erfolgsautor Frank Schätzing (“Der Schwarm”) ist in einer Gastrolle zu sehen. Leider verblasst das Umweltthema im Laufe der Handlung. Es geht, passend zum Frühlingsanfang, vor allem um Liebe. Auch Borowski und seine Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) sind verknallt – aber nicht ineinander. Der Krimi ist sicher nicht der beste aus der Borowski-Reihe, hat aber gute Momente.”

Holger Gertz auf Süddeutsche.de:
“Der aktuelle Fall “Borowski und das Meer” ist von Sabine Derflinger (Regie) und Autor Christian Jeltsch, beide haben ausgezeichnete Sachen fürs Fernsehen gemacht, ihr Borowski allerdings wird eingeschworenen Borowskisten fremd vorkommen. Stichwort Figurenentwicklung: Arangos Borowski ist ein Seelenleser, schwer geerdet, er ist auf angenehme Art uncool mit seiner warmen Art der Lakonie. Dieser auf Womanizer gestrickte Borowski hier soll dagegen flamboyant und locker sein, sehr locker brummt er also “Arschloch”. Seine Ironie wirkt ehrgeizig, nicht beiläufig: “Wissen Sie, was ich an Ihnen so mag? Ihre Selbstlosigkeit”, sagt der lockere Borowski. Der unlockere Borowski hätte womöglich nur Blicke sprechen lassen – wie ja, bei Arango, sehr oft sehr lange nicht geredet wird, ein Markenzeichen.”

Bernhard Schulz im Tagesspiegel:
“Regisseurin Derflinger hat sich nicht recht entscheiden können, ob sie einen Krimi oder ein Kammerspiel inszenieren wollte. Einerseits „Tatort“, andererseits Beziehungskiste, dies übrigens nicht nur zwischen Borowski und Brandt, sondern auch zwischen Jens Adam und seiner zwischen Gattentreue und Verbitterung zerriebenen, von Nicolette Krebitz eindringlich verkörperten Ehefrau Marte. Und auch zwischen der verhärteten Firmenchefin und ihrem Pistolenmann Fred Pollack, den Aleksandar Tesla eher geflissentlich als bedrohlich ausstattet.”

Hans Hoff auf DWDL.de:
“Christian Jeltsch hat das Buch geschrieben und es sicherlich gut gemeint. Allein, es hat nichts genützt. Das Endprodukt ist eine derartige Anhäufung von Dilettantismus, dass es nachhaltig schmerzt. Kaum zu glauben, dass der Kieler „Tatort“ noch Ende vergangenen Jahres mit „Borowski und der Engel“ zu den Highlights des Krimijahres gehörte. Aber so schnell kann das gehen in der ARD. Gestern noch top, heute Superflop. Axel Milberg kann noch am wenigsten für diese Katastrophe. Er spielt seinen Kommissar Borowski mit gewohnter Gleichförmigkeit, da ist nicht viel zu mäkeln. Was aber bleibt von einem wie Milberg, wenn er umzingelt ist von Minderleistern. Da versagt nicht nur Kekilli als seine ständig von Epilepsieanfällen bedrohte Assistentin auf ganzer Linie, auch Nicolette Krebitz als Gattin des Verschwundenen und Karoline Eichhorn als skrupellose Chefin sind mimische Totalausfälle.”

Christian Buß auf SPIEGEL Online:
“Das ist gerade deshalb schade, weil der gelegentlich ins Stocken geratenen Borowski-“Tatort” eigentlich gerade so einen guten Lauf hatte. Wie in keinem anderen TV-Revier war man in Kiel auf Tuchfühlung mit Schizophrenen, Psychopathen und Borderlinerinnen gegangen, hatte einen konsequenten, eigenen Stil entwickelt, bei dem noch der schrägste Ton und die bizarrste Wendung im Plot aufgingen. Die Quoten waren passabel, ein Ermittlerstar war der störrische Borowski eben nie. Umso mehr Bewegungsfreiheit hatte er aber bei der Annäherung an menschliche Abgründe. Mit dem Event-“Tatort” versucht man nun, den nordischsten aller deutschen Fernsehkrimis wieder mal ein bisschen mehr Aufmerksamkeit zu bescheren. Doch am Ende lässt uns das verworrene, lärmige, zugequatschte Ozeanologen-Spektakel nur sehnsüchtig an Borowskis Tauchgang denken. Komm, süße Stille.”