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Die TV-Kritiken zum Tatort “Alle meine Jungs” aus Bremen

Szene aus dem Bremer "Tatort: Alle meine Jungs": Kritiker-Lob für den überragenden Schauspieler Roeland Wiesnekker (re) Foto: ARD

Szene aus dem Bremer “Tatort: Alle meine Jungs”: Kritiker-Lob für den überragenden Schauspieler Roeland Wiesnekker (re) Foto: ARD

Der “Tatort” aus Bremen ist traditionell ja eher gesellschaftskritisch angelegt, oft müssen Sabine Postel (als “Inga Lürsen”) und Oliver Mommsen (“Nils Stedefreund”) neben Mord und Totschlag auch noch himmelschreiende, soziale Ungerechtigkeiten oder andere kapitale Systemfehler bekämpfen. In den ersten Jahren des Duos gelang das oft weniger gut, mittlerweile aber hat das Bremer Team eine akzeptable Qualität erreicht. Im aktuellen Fall “Alle meine Jungs”, einem Krimi aus dem Müll-Millieu, gelingt das nach Meinung vieler Kritiker aber nicht durchgängig.

Kurt Sagatz im Tagesspiegel:
“Das Drehbuch zur Folge „Alle meine Jungs“ stammt von den drei Autoren Erol Yesilkaya, Boris Dennulat und Matthias Tuchmann. Ihr Krimi lässt viel Verständnis für die ehemaligen Straftäter erkennen. „Ex-Knackis sollen auch eher aus den Augen – so wie der Müll. Was aber, wenn sich diese Leute selbst resozialisieren, mit Stolz, Würde, Witz und Selbstbewusstsein“, erzählt Dennulat von den Überlegungen der Autoren. Doch genauso, wie in dem Film auf den erhobenen Zeigefinger verzichtet wird, sind die Autoren nicht der Versuchung erlegen, den Zusammenhalt in dieser Parallelgesellschaft zu romantisieren. So wie jede andere Organisation mit mafiaähnlichen Strukturen kommt auch diese nicht ohne Gewalt aus. Die coolen Müllmänner sind alles andere als nett, wenn einer von ihnen gegen die Regeln verstößt.”

Christian Buß ist auf SPIEGEL online eigentlich ganz zufrieden:
“Aufstieg dank Abfall: In einer tollkühnen Genre-Mixtur erzählt “Alle meine Jungs” von einer etwas anderen Parallelgesellschaft, von einer Schattenwirtschaft im Schatten der Müllberge. Hier die hemdsärmlige Milieugeschichte, dort die Mafia-Groteske, und schließlich beinhaltet dieser “Tatort” auch noch einen Korruptionskrimi. (…) Beachtlich, wie Regisseur Florian Baxmeyer die Balance hält zwischen Fabulierlust und Gegenwartsbezug. Die Verantwortlichen des Bremer “Tatort” wagten immer viel, gingen dafür freilich auch öfter mal baden. Immerhin: Ein Bremer Krimi ist eigentlich nie richtig langweilig.”

Miriam Hollstein lobt auf Welt.de vor allem die Akteure:
“Im Gegensatz zu anderen “Tatort”-Folgen, in denen überdeutlich grimassierende und gestikulierende Theaterschauspieler nicht zu bemerken scheinen, dass sie vor der Kamera und nicht auf der Bühne stehen, spielt in “Alle meine Jungs” eine ganze Riege exzellenter Akteure auf den Punkt. Roeland Wiesnekker gibt den Sozialarbeiter mit diabolischer Ambivalenz. Jacob Matschenz ist als Sascha so überzeugend impulsiv-proletenhaft, dass man sich an den jungen Robert De Niro erinnert fühlt.

Und Hans Hoff hebt aufDWDL.de eine Schauspieler besonders hervor:
“(Roeland) Wiesnekker ist die Idealbesetzung für so einen, für einen, dem man alles zutraut, der aber nie alles offenbart, der das Gemeine unter einer Schicht von höflicher Liebenswürdigkeit verbirgt. Wiesnekker trägt diesen Film über weite Strecken. Immer wenn er auftaucht, ist dieser „Tatort“ ein richtig guter. Leider ist er nicht ständig im Bild. Viel zu oft ermitteln Lürsen und Stedefreund langatmig und umständlich. Regisseur Florian Baxmeyer hat einfach nicht das richtige Maß gefunden zwischen der drögen Kriminalarbeit und dem durch Wiesnekker schillernden Verbrechen. Das hat streckenweise das große Gähnen zur Folge. Man möchte die Glotze anschreien und fragen: Wo bleibt Wiesnekker?”

Auch Jürn Kruse in für die taz nicht richtig zufrieden:
“Es hätte eine spannende Milieustudie über eine groteske Parallelgesellschaft werden können – aufgebaut auf Abfall. Selten wurde das Einsammeln von Müll so ästhetisch eingefangen: Zeitlupe, abklatschen, lachen, die geilsten Jungs der Stadt.
Doch leider will dieser „Tatort“ zu viel. Er stellt ein paar Fragen zu viel: Wieso musste Maik Decker sterben? Und wo ist Maik Deckers bester Freund, der ebenfalls Müllmann und nach der Tat abgehauen ist? Und wo ist das Video, mit dem Decker den Papa erpressen wollte? Und wie schafft es Papa Uwe Frank den Clan zu führen? Und wie kommen die Müllmänner zu ihren außerordentlich gut dotierten Verträgen? Und was hat das Ganze mit der weit verzweigten Müllmafia zu tun?”