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Presseschau zum „Tatort” aus Luzern: “Zwischen zwei Welten“

"Tatort"-Folge:"Zwischen den Welten": Übereifrig und verkrampft. (Foto: ARD Degeto/SRF/Daniel Winkler)

“Tatort”-Folge:”Zwischen den Welten”: Übereifrig und verkrampft. (Foto: ARD Degeto/SRF/Daniel Winkler)

Einfach nicht richtig warm werden sowohl viele Zuschauer als auch die meisten TV-Kritiker mit den “Tatort”-Episoden aus der Schweiz. Für die vergangenen Folgen des SRF-Krimis aus Luzern gab es im Durchschnitt eher mäßige Noten und Quoten. Auch für den Fall “Zwischen den Welten” heimste der Schweizer “Tatort” alles andere als überschwängliches Lob ein.

Kurt Sagatz auf Tagesspiegel.de:
“Wie soll man den Hinterbliebenen den Tod eines geliebten Menschen erklären, wenn es sich dabei um drei Kinder handelt, denen diese Nachricht überbracht werden muss? Diese Aufgabe steht für die Luzerner Kommissare Reto Flückiger (Stefan Gubser) und seine Kollegin Liz Ritschard (Delia Mayer) am Anfang des Schweizer „Tatort“ mit dem Titel „Zwischen zwei Welten“. Wegen des Osterfestes strahlt die ARD diese Folge der Krimireihe am Montag aus. Eine Lösung für dieses Problem gibt es freilich nicht. Bei der Toten am Bahndamm handelt es sich um Donna Müller. Sie hat sich beim Fall von einer hohen Mauer das Genick gebrochen.”

Felix Müller für die Berliner Morgenpost:
“Etwas übereifrig und verkrampft setzen sich die Drehbuch-Autoren Eveline Stähelin und Josy Meier mit ihrer Geschichte gegen die Klischees zur Wehr, die hierzulande über die Schweiz kursieren mögen. Nein, wir haben es hier nicht mit behäbigen Bergbewohnern zu tun, die mit ihrer superintakten Familie im Chalet sitzen und grillierte Poulets degustieren. Nein, so ist die Schweiz nicht, sie ist hart, prekär, und sie voller Patchwork-Familien. Denn die Kinder der Toten, so erfahren wir, stammen von drei verschiedenen Vätern: Einer ist nach Indien ausgewandert und lebt in einem Ashram, ein weiterer ist längst mit einer anderen zusammen, zahlt Alimente und will es damit gut sein lassen, während ein Dritter sich um seine Sorgerechte betrogen sieht und nach der Trennung einen wüsten Hass auf alle Frauen entwickelt hat.”

Christian Buß auf Spiegel Online:
“Scheidungsterror und Vernachlässigung, Selbstbetrug und Verrat: Die Kinder waren immer auf sich selbst gestellt, entweder wurde an ihnen gezerrt, oder sie wurden ignoriert. Schwierig zu sagen, was schmerzhafter war. Die Mutter, so finden die Ermittler Ritschard (Delia Mayer) und Flückiger (Stefan Gubser) bald heraus, flüchtete sich immer wieder in die Esoterik. Zur Zeit ihrer Ermordung absolvierte sie gerade eine Ausbildung zur “spirituellen Heilerin”. (…) Die Verantwortlichen des Schweizer “Tatort” (Buch: Eveline Stähelin und Josy Meier, Regie: Michael Schaerer) vermeiden trotz der krassen Ausgangssituation allzu plakative Ausschmückungen. Die Väter sind bei allen Unzugänglichkeiten keine Monstren, da ist zuweilen sogar wahre Liebe im Spiel, und die tote Mutter erscheint rückblickend nicht als kriminell egozentrische Sinnsucherin.”

Claudia Schwartz in der “Neuen Züricher Zeitung”:
“Da die Tote sich als spirituelle Heilerin ausbilden liess, nehmen Flückiger und Ritschard deren Lehrer (Grégoire Gros) als eine Art Medium in Anspruch. Herr Guggisberg soll mit der Toten in Kontakt treten, um herauszufinden, was an dem Abend geschah. Der spiritistische Draht zu der Frau bricht dann aber im entscheidenden Moment ab, und der Geistheiler erklärt: “Hier bei uns bestimmen die Verstorbenen noch selber, was sie uns sagen möchten und was nicht.” Wir geben uns alle erdenkliche Mühe. Aber vielleicht ist es doch keine gute Idee, wenn ein «Tatort» antritt, seinen Kriminalkommissaren auf die Art einen anderen Zugang zum Tod erschliessen zu wollen, nicht nur, weil diese sich damit selbst abschaffen würden.”

Hans Hoff auf DWDL.de:
(Auch die gute schauspielerische Leistung von Delia Mayer) rettet diesen “Tatort” nicht aus seinem Schlaf, denn so modern er mit Wackelkamera und Unschärfen in Szene gesetzt sein mag, so konventionell ist er doch im Grunde. Wer war es? Die Frage hängt über allem und dient als eine Art Wäscheleine, an der man die restlichen Themen des Films befestigt: männerhassende Feministinnen ebenso wie verbitterte Selbsthilfeväter und bübchenhafte Eso-Onkels. Das ergibt ein Mischmasch der eher unausgegorenen Art. Nicht richtig schlecht, aber irgendwie auch nicht gut. Für einen Ostermontag hätte man sich da doch eher etwas Aufmunterndes gewünscht.”