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TV-Quoten-Diskussion: Marktanteile für Milchmädchen

TV-Quoten-Messbox: Wie ein Milchmädchen auf dem Markt  (Fotoquelle: AGF)

TV-Quoten-Messbox: Wie ein Milchmädchen auf dem Markt
(Fotoquelle: AGF)

Ein sehr guter FAZ-Artikel meines geschätzten Kollegen Claudius Seidl über die deutsche TV-Quoten-Lüge macht gerade in den Sozialen Netzwerken die Runde. Der Bericht beschreibt sehr gut, wie die Fernsehbranche mithilfe von irreführenden Zahlen ein falsches Bild der Zuschauerzahl in Deutschland zeichnet – lässt jedoch ein kleines, aber wichtiges Detail noch außer Acht. Mit der Einführung des so genannten “Marktanteils” (MA) vor einigen Jahren – das ist die Prozentzahl, die immer im Zusammenhang mit der Quote genannt wird, haben die Sender ein eigenes “Zahlungsmittel” etabliert, das perfekt die wahre Lage verschleiert.

Denn diese “14,5” oder “22,1” Prozent, mit der die Sender vor allem in der PR hantieren, bilden natürlich nicht 14,5 Prozent von 100 potentiellen TV-Zuschauern in Deutschland ab, sondern 14,5 Prozent aller Menschen, die an diesem Abend lineares Fernsehen geschaut haben (und sich dabei auch noch haben messen lassen). Das Tolle an dieser Nebelbombe ist, dass die Prozentzahl immer gleich bleibt, auch wenn der Markt ständig schrumpft. Mit diesem Rechnungstil freut sich auch das Milchmädchen immer noch, wenn es nur noch einen halben Liter Milch an einen von zwei Milchkäufern auf dem Markt verkauft: “50 Prozent MA !”

Das Üble daran ist, dass sich viele TV-Verantwortliche, obwohl sie es natürlich besser wissen, mit diesen Milchmädchen-Zahlen selbst beruhigen. Und dass einige Medienjournalismusfachkollegen diesen PR-Sprech ganz selbstverständlich nachplappern.

Ralf Klassen

OneTV-Ticker vom 24.01.2014: Auch deutsches TV bald mit “Twitter-Quote”

Mehr als nur ein Medien-Hype: Der "Second Screen" gehört für viele TV-Zuschauer mittlerweile zum Fernsehen dazu

Mehr als nur ein Medien-Hype: Der “Second Screen” gehört für viele TV-Zuschauer mittlerweile zum Fernsehen dazu

Der “Second Screen” wird auch hierzulande endlich gesellschaftsfähig: Die “Gesellschaft für Konsumforschung” (GfK) will neben ihrer klassischen TV-Quoten-Messung auch ermitteln, wie häufig über TV-Sendungen getwittert wird und wie viele Menschen die Tweets überhaupt erreichen. Am Donnerstag gaben Twitter und die GfK eine exklusive Partnerschaft zur Einführung von “GfK Twitter TV Ratings” in Deutschland, Österreich und den Niederlanden bekannt. In den USA misst Nielsen diese Werte schon seit einiger Zeit. Für die SocialTV-Branche in Deutschland ist die Kooperation ein echter #Meilenstein auf dem Weg zu weiterer Professionalisierung. (Süddeutsche Zeitung)

Dass das Phänomen des Second Screens aber noch nicht alle Teile der Weltbevölkerung erfasst hat, zeigt eine neue Studie aus den USA, wonach 76 Prozent aller Zuschauer vor dem Fernseher nichts anderes tun wollen, als fernzusehen. Andererseits: 24 Prozent nutzen schon SocialTV-Angebote. Das sind 100 Prozent mehr, als noch vor 10 Jahren. (Hollywood Reporter)

Und genau auf diese 24 Prozent (Second-Screen-Nutzer) ist das neue Tool von Cisco und Innovid ausgerichtet. Es soll auf die Smartphones und Tablets, die während des Fernsehens genutzt werden, Werbung ausliefern, die sich auf die Inhalte der jeweiligen TV-Sendungen bezieht. (Home Media Magazine)

Werden meine Spots im Netz überhaupt gesehen? Ein Ende dieser Unsicherheit für Werbetreibende verspricht jetzt TubeMogul. Das Unternehmen, dass Video-on-demand-Plattformen vertreibt, hat ein neues Tool in seiner Seitensteuerung integriert, das Mediaagenturen ermöglicht, in Echtzeit die performance ihrer Spots zu kontrollieren. (adexchanger.com)

Sorry, liebe Leser, wir kommen heute nicht um einen Markus-Lanz-Block herum:

OldTV I: Markus Lanz hat in einem Interview mit dwdl.de Fehler bei seiner umstrittenen Sendung mit Sahra Wagenknecht eingeräumt: “Das war sicher an der einen oder anderen Stelle verbesserungswürdig.”

OldTV II: Maren Müller, die Initiatorin der Anti-Markus-Lanz-Petition hat in einem Interview mit SPIEGEL online erklärt, warum sie sich über die Sendung so aufgeregt hat “Die Zuschauer wollen hören, was die Gäste zu sagen haben, nicht nur das Nachgefrage von Herrn Lanz. Schließlich zahlen sie auch die Gebühren, mit denen Herr Lanz bezahlt wird.”

OldTV III: Von den mittlerweile über 150.000 Unterzeichnern der Anti-Markus-Lanz-Petion haben sich nach einem Bericht von Meedia genau 14 bislang mit Klarnamen eindeutig identifiziert.

Lesetipp: Thesenjournalismus ist derzeit ja sehr en vogue – und leider nicht immer gelungen. Doch die “Six ways TV is changing forever”, die Jason Lynch für “Quartz” aufgeschrieben hat, fassen den Stand der radikalen Veränderungen des Mediums sehr gut zusammen.

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