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Tag Archives: Jahresrückblick

Youtube-Phänomen “LipDub”: Star-Feeling für jedermann

In der ersten Folge unser neuen Serie über Youtube-Trends wollen wir uns einem Phänomen widmen, das in 2013 seinen endgültigen Durchbruch geschafft hat: Dem massenhaften “So-tun-als-ob-Singen”, in der Szene auch als “LipDub” bekannt.<!–more–>

Die Versuche, sich mittels stummer Lippenbewegungen wie ein Star zu fühlen, gibt es ja bereits seit den Anfängen von Youtube. Aber der Grad an Professionalität und – zumindest immer auch – Leidenschaft, mit der die Webvideo-Gemeinde sich mittlerweile mit diesen Formaten austobt, ist bemerkenswert. Wir haben hier die Favoriten der Redaktion aus diesem Jahr zusammengestellt.

Victoria Secrets Angels
Häufig zu sehen ist beim LipDub die Kombination “Schöne Frau + Charthit”. Vor allem Unternehmen setzen auf diese Mischung, wenn es was zu bewerben gilt. Das ist dann meistens schön abgefilmt, aber ohne tiefere Idee. Andererseits: Warum auch, wenn man für eine Dessous-Show Reklame macht?

Women of Uganda
Auch Engel, aber in einem ganz anderen Sinne, sind diese Frauen einer Selbsthilfe-Initiative aus Uganda. Hier erzählt der Film, zusammen mit dem Song “Price Tag” von Jesse J., eine echte Geschichte. Von Sehnsüchten, Hoffnungen und Stolz. Eines unser absoluten Youtube-Film-Highlights in 2013 überhaupt.

Dallas Mavericks
Wohl der am meisten per LipDub gecoverte Song in diesem Jahr ist der Klamaukhit “What does the Fox say?” von Ylvis. Youtube ist voll mit Beispiel prominenter und weniger prominenter Interpreten, die sich in, nunja, lustiger Maskerade an den “Woodeodeooodeoeo”-Geräuschen versuchen. Das Basketballteam der Dallas Mavericks um den deutschen Star Dirk Nowitzki macht es ganz besonders talentfrei.

Harvard Medical School
Apropos “Ylvis”. Ebenfalls einer unserer absoluten Favoriten ist dieses Werk von Medizinstudenten aus Harvard. Sie haben in einem außerordentlich gut produzierten Video den “What does the Fox say?”-Hit sogar komplett umgetextet und fragen nun “Was macht die Milz eigentlich?” Bitte nicht lachen, das scheint noch immer eines der großen Geheimnisse der Medizin zu sein.

Lakewood High School
Wo wir gerade schon in Amerika sind: Es gibt wohl mittlerweile keine Highschools oder Colleges mehr, die sich nicht an einem LipDub-Video versucht haben – gerne auch gefilmt in einem einzigen Take bei einem Kameragang durch die Bildungsstätte. Da sehen langweilige Schulhallen und -höfe dann auch mal durchaus beeindruckend aus – wie dieses imposante Beispiel der Lakewood High aus Colorado zeigt. (Aber wie kommen 500.000 Abrufe zustande?)

Flughafen München
Kommen wir damit nun zu deutschen LipDub-Beispielen – und da sieht es, leider leider, eher mau aus. Das liegt nicht am guten Willen einzelner Beteiligter, aber uns gehen hierzulande dann doch einige Entertainer-Qualitäten ab. Verbunden mit der Furcht, sich auch mal über sich selber lustig machen zu können. Tja, und dabei kommt so etwas nett-harmloses wie dieses Imagevideo für den Münchner Flughafen zustande.

Stadt Wolfsburg
Immerhin, es gibt hier und da Hoffnung. So wie diesen Film etwa, den die Stadt Wolfsburg zu ihrem 75. Geburtstag (ja, der war tatsächlich erst in diesem Jahr) in Auftrag gegeben hat. Aufwendig produziert, aber doch ein bisschen zu werblich, um wirklich viral zu werden.

Außer der Reihe: Grand Rapids

Das Vorbild zu den Wolfsburgern stammt von der amerikanischen Stadt Grand Rapids. Die hatte 2011 als Reaktion auf einen kritischen Newsweek-Artikel ein “LipDub”-Video mit tausenden ihrer Bürger inszeniert, und dabei trotzig den Song “American Pie” von Don McLean gewählt. Es ist gerade die Kombination zwischen den toll inszenierten Bilder und dem eher traurig gestimmten Lied, die den Reiz dieses Films ausmacht. Und der ist damit noch immer unerreicht.