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Das schreiben die Kritiker zum “Tatort” aus München

"Tatort-"Folge "Am Ende des Flurs" (mit Franz Xaver Kroetz und Fanny Risberg): "Männer, die auf Frauen starren" (Foto: ARD)

“Tatort-“Folge “Am Ende des Flurs” (mit Franz Xaver Kroetz und Fanny Risberg): “Männer, die auf Frauen starren” (Foto: ARD)

Der “Tatort” aus München ist eine der ewigen Konstanten in der Krimiserie der ARD. Mit seinen beiden Kommissaren Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec) sorgen die Folgen aus Bayern seit Jahren für meist grundsolide, mitunter gar außergewöhnlich gute Unterhaltung, auch weil die Drehbücher häufig auf geschickte Art und Weise das Privatleben der Ermittler mit einbeziehen. So auch in der gestrigen Folge “Am Ende des Flurs”, die bei den TV-Kritikern durch die Bank gut ankommt. Zunächst aber geht es einmal um eine neue Personalie.

Karoline Meta Beisel schreibt auf Süddeutsche.de über den neuen Assistenten der Münchner Kommissare:
“Jetzt also Kalli Hammermann, er ist mit Abstand der jüngste “Tatort”-Ermittler im ganzen Land. (…) Hilft am Tatort, die Schaulustigen fernzuhalten, untersucht die Wohnung des Opfers. Er wird noch nicht mal vorgestellt, er ist einfach plötzlich da, ohne großes Trara. Und es sieht ganz so aus, als würde er bleiben: Kallis zweite Folge ist schon abgedreht, eine dritte fest vereinbart. Kalli ist ein echter Bayer. Er kommt vom Land und ist neu bei der Mordkommission. Er ist ein bisschen naiv, eifrig und manchmal auch übereifrig – kaum hat er den gut sortierten Schuhschrank des Opfers gesehen, da ist die Schlussfolgerung auch schon ausgesprochen: “eine Professionelle!”

Nun geht es aber mit dem Krimi los, Christoph Cöln schwärmt auf Welt Online:
“Was für eine Frau. Sie schaut dich an, volle Lippen, dunkle Augen, sündiger Blick. Sie gleitet ganz langsam durch den Raum, weiße Wände, weißes Sofa, alles weiß. Ein Traumraum. Dann wirft sie ihren Raketenkörper übers Sofa, vom Plattenspieler weht eine Soul-Ballade herüber, eine Männerstimme aus dem Off fragt: “Was möchtest du jetzt?” Drei Schnitte später liegt der zerschmetterte Körper dieser Göttin in einer Blutlache. Das Pflaster färbt sich rot, und niemand bleibt hier jungfräulich. Ob ein “Tatort” was taugt, weiß man meist erst hinterher. Hier weiß man’s nach der ersten Minute.”

Christian Buß auf SPIEGEL Online:
“Männer, die auf Frauen starren: Die Münchner “Tatort”-Episode “Am Ende des Flurs” ist ein Lehrstück über Anbetungstechniken geworden. Was war die Verstorbene? Hure, Heilerin, Heilige? Oder doch einfach nur eine Projektionsfläche für die Spannbreite männlicher Sehnsüchte und Begierden? Regisseur und Autor Max Färberböck (“Aimée & Jaguar”) gelingt es, sein Krimidrama bei aller unerbittlichen sexualökonomischen Genauigkeit in einem eigentümlichen Schwebezustand zu halten. Es gibt einige sehr blutige Szenen, insgesamt aber kommt der Film leise und zuweilen gar poetisch wie ein Requiem daher; in Rückblenden sehen wir Momentaufnahmen der Toten, die sich erst einmal zu keinem Gesamtbild fügen lassen. Ein Erinnerungspuzzle, bei dem wir uns leider nicht auf die Zuverlässigkeit der Erinnernden verlassen können.”

Hans Hoff auf DWDL.de:
“Es geht Schlag auf Schlag in diesem „Tatort“. Gab es früher im Verhältnis der Kommissare ein bisschen viel Gemächlichkeit, so hat Regisseur Max Färberböck diese von ihm selbst gemeinsam mit Catharina Schuchmann geschriebene Story nachgerade atemlos inszeniert. Mit Liebe komponierte Bilder werden rasant aneinander geschnitten, es überstürzen sich die Ereignisse, doch es steht nicht nur die Jagd nach dem Mörder im Mittelpunkt.
Vielmehr geht es lange um die Frage, wie es eine Frau schaffen konnte, so viele Männer so nachhaltig zu betören. Jeder, der bei ihr war, hat sich eingebildet, sie sei nur für ihn auf der Welt, jeder hat ihre innere Größe für seine eigene gehalten.”

Marina Antonioni auf Focus.de:
“„Ich hab gedacht, ich kenn’ dich und jetzt stehst du da wie ein Irrer!“, brüllt Batic den Kollegen an, als der auf eigene Faust Verdächtige verfolgt und sich in den Fall verbeißt. Dass sich die beiden Münchner Kommissare die Meinung sagen, kommt öfter vor. Hier aber geht es ans Eingemachte. Eine neue, zerbrechliche Seite von Leitmayr steht im Zentrum und gibt diesem Film Tiefe. In melancholischen Rückblenden wird aus seinem Privat- und Liebesleben erzählt. (…) Unbedingt einschalten!”